Eintracht Frankfurt

Was für ein Bleiben und was für einen Wechsel von Niko Kovac spricht

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Noch gibt es keine Klarheit darüber, ob Niko Kovac seinen Trainer-Vertrag bei der Eintracht erfüllt. Hier ein paar mögliche Entscheidungsgründe.

Sevilla ist eine Reise wert. Dort gibt es die größte gotische Kathedrale der Welt und einige andere Schönheiten. Die Bosse des FC Bayern sind allerdings nicht wegen des Freizeitwertes nach Südspanien gereist. Gestern Abend traf das Team im Viertelfinale der Champions League auf den FC Sevilla (lesen Sie dazu auch unseren Bericht auf Seite 26). Und wahrscheinlich waren Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic froh, einmal fern der hektischen Heimat die Trainerfrage besprechen zu können.

„Bild“ berichtete von einem Abendessen am Montag mit dem zentralen Thema, in dieser Sache „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Bis Ende April wollen die Bayern laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge den Nachfolger von Jupp Heynckes präsentieren.

Als Topkandidat gilt inzwischen Niko Kovac. Laut „Bild“ hat Sportdirektor Salihamidzic Kontakt zu seinem früheren Münchner Mitspieler. Eine konkrete Anfrage wegen des Trainers ist bei nach Informationen dieser Zeitung aber noch nicht eingegangen. Der „kicker“ berichtete sogar von „entspannten“ Frankfurtern. Kovac, heißt es dort, plane bereits die nächste Eintracht-Saison und unterhalte in der Trainerfrage keine Verbindungen nach München.

Unabhängig davon, ob es Verhandlungen gibt und wie weit sie gediehen sind. Hier ein paar Einordnungen zum Thema. Frankfurt oder München? Wo passt Niko Kovac besser hin?

Grundsätzliches: Niko Kovac hat bei Eintracht Frankfurt noch einen gültigen Arbeitsvertrag bis Mitte 2019. Darauf verweist der Trainer selbst gerne. Er werde ihn auch erfüllen, „wenn nichts dazwischenkommt“. Eine Formulierung, mit der er sich alles offen lässt.

Andererseits ist Kovac das Thema Vertragstreue wichtig. Zumindest konnte man das einem Interview entnehmen, das schon eine Weile her ist und in dem es auch um die Spieler Ousmane Dembelé und Pierre-Emerick Aubameyang und ihr Verhalten gegenüber ihrem damaligen Arbeitgeber Borussia Dortmund ging.

Kovac sah im Gespräch mit dem „kicker“ Tendenzen, die ihm sehr aufstießen: „Es ist ein Unding, dass du als Club und Trainer inzwischen ausgeliefert bist. Wo endet das denn? In Anarchie.“ In der Folge würden die Profis zum Training kommen und gehen, wann sie wollen: „Diese Entwicklung ist höchst bedenklich. Wo gibt es denn so was? Wo ist die Verantwortung geblieben?“ Ein Vertrag sei mittlerweile nichts mehr wert. Was also ist sein Vertrag bei der Frankfurter Eintracht wert?

Die Clubs: Bayern München ist in der Fußball-Bundesliga das Maß aller Dinge. Rekordmeister, seit Jahren regelmäßiger Champions-League-Teilnehmer. Im vergangenen Oktober verzeichneten die Bayern einen Umsatz von gut 640 Millionen Euro. Damit halten die Münchner den Anschluss an die drei umsatzstärksten Klubs Europas: Der FC Barcelona (708 Millionen Euro Umsatz), Real Madrid (675) und Manchester United (659) liegen noch vor dem deutschen Branchenprimus. Wenn die Bayern einen Spieler haben wollen, bekommen sie ihn meistens. Die Meisterschaft ist quasi eingepreist.

Die Eintracht dagegen hat ihren Umsatz zuletzt erst auf rund 110 Millionen Euro steigern können, gilt immer noch als „Mittelständler“. Aber der Club ist auf Wachstumskurs. Vor allem in der Frankfurter Finanzwirtschaft hat der Club in jüngster Zeit namhafte Partner gewinnen können. Dazu kommt die sportliche Erfolgsgeschichte – eng verbunden mit Niko Kovac. Im Frühjahr 2016 noch Abstiegskandidat und erst in der Relegation gerettet, spielt die Mannschaft mittlerweile um Plätze im europäischen Geschäft mit.

Der Wohlfühlfaktor: Er ist in Frankfurt groß für Niko Kovac. Der Kroate ist die Lokomotive des sportlichen Aufschwungs. Er hat die Eintracht vor dem Abstieg gerettet und es nun im zweiten Jahr in Folge geschafft, aus einer Vielzahl von Spielern aus den unterschiedlichsten Ländern eine schlagkräftige, verschworene Truppe zu machen. Er ist ein akribischer Taktiker. Und er macht Spieler besser. Aus früheren Problemfällen wie Marius Wolf oder Kevin-Prince Boateng sind in Frankfurt Führungsfiguren und Leistungsträger geworden.

Kovac genießt in Frankfurt hohes Ansehen. Er selbst wiederum schätzt die Internationalität der Stadt. Und sollte es die Eintracht auf die europäische Bühne schaffen, würde sich Kovac mit diesen Spielen selbst für seine erfolgreiche Arbeit belohnen. Europapokal mit Eintracht Frankfurt ist etwas Besonderes. In München gehört es zum Alltag. Andererseits könnte der Trainer seine Mission in Frankfurt mit dem Erreichen des Europapokals auch als erfüllt ansehen.

Aber bei den Bayern ist die Schlagzahl in allen Belangen deutlich höher. Kovac weiß das, weil er von 2001 bis 2003 dort gespielt hat. Man sagt, er habe das „Bayer-Gen“. In München müsste er auch keine Stars schaffen, er müsste mit den vielen vorhandenen klarkommen. Dass das nicht so einfach ist, hat Ex-Trainer Carlo Ancelotti, ein Mann, der Kovac an Erfahrung als Trainer einiges voraushat, schnell zu spüren bekommen. Aber er müsste auch nach dem Abgang der Altstars Robben und Ribéry Zug um Zug eine neue Mannschaft aufbauen. Das könnte reizvoll sein. Zudem gilt die Lebensqualität in München als noch einmal ein Stückchen größer als in Frankfurt. Viel Grün, viele Seen, die Alpen vor der Haustür und Salzburg nur eineinhalb Autostunden entfernt. Dort leben Kovacs Frau und seine Tochter. Auch das könnte ein nachvollziehbarer Grund für einen Umzug sein.

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