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Blick auf die Adlerwerke nicht verbauen

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Von: Matthias Bittner

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Pläne auf den ehemals von BMW und Peugeot genutzten Arealen in der Kleyerstraße Wohnungen zu bauen, sorgen für Aufregung im Stadtteil.

Winfried Becker bezeichnet die Adlerwerke in der Kleyerstraße als ein Kulturdenkmal höchsten Gutes und als mahnende Erinnerungsstätte zugleich. In den Fabrikhallen seien in den 1920er Jahren Autos der Marke „Adler“ produziert worden, während der Nazi-Zeit aber auch Zwangsarbeiter beschäftigt gewesen, die in einem Konzentrationslager auf dem Firmengelände inhaftiert waren. Diese Zeugnisse der Stadtgeschichte müssten sichtbar bleiben, sagt der Intendant des Gallus Theaters.

Massiver Riegelbau

Und deshalb hat er auch absolut kein Verständnis dafür, dass der Blick auf das historisch bedeutende Gebäude bald komplett verstellt sein könnte. Seine Aussagen untermauern entsprechende Pläne, die im Internet veröffentlicht sind. Ein Investor will offenbar nach dem Wegzug von BMW und Peugeot auf deren ehemaligen Standorten Wohnungen bauen. Die Rede ist von einem sieben Stockwerke hohen Riegelbau mit Innenhof.

Das will Becker aber nicht hinnehmen. „Das hier ist die Keimzelle des Stadtteils, das kann man nicht einfach so zubauen“, sagt er empört und weist darauf hin, dass die Sichtachsen erhalten bleiben müssten. Denn die unter Denkmalschutz stehenden Adlerwerke seien neben der Galluswarte das Wahrzeichen des Stadtteils. Werde die Sicht verstellt, sei das so, als würde man dem Stadtteil seine Identität nehmen. Denn die Industriealisierung Frankfurts habe im Gallus begonnen – auf dem BMW-Gelände sei mit der Gießerei Mayfarth die erste Fabrik entstanden und im Stadtteil habe es auch das erste Elektrizitätswerk gegeben. Die Adlerwerke jedoch seien die einzigen Fabrikhallen, die übrig geblieben seien.

Nach Angaben von Planungsamtsprecher Mark Gellert gibt es sogar mehrere Interessenten, die Wohnungen auf dem Gelände bauen wollen. Im Moment befinde man sich in der Bauberatung – es werde also geprüft, ob die beabsichtigte Bebauung zulässig sei. Es existiere zwar kein aktueller Bebauungsplan, lediglich ein Fluchtlinienplan aus dem Jahr 1893 liege vor. Weil sich die beabsichtigte Bebauung aber in die Eigenart der näheren Umgebung einfüge, sind die geplanten eine Wohnungen nach Angaben von Gellert möglich.

Er verweist aber darauf, dass im Fall der denkmalgeschützten Adlerwerke grundsätzlich der Umgebungsschutz zu beachten sei. Das Denkmalamt müsse demzufolge abschließend beurteilen, ob die Umsetzung eines Bauvorhabens vertretbar sei. „Bei jedem vierten Bauvorhaben in Frankfurt spielt der Umgebungsschutz eine Rolle, sagt Gellert.

Ähnliches hatte der SPD-Stadtverordnete Arne Knudt schon als Antwort auf seine Anfrage in der jüngsten Plenarsitzung zu hören bekommen. Er bezeichnet das als unbefriedigend. „Vor den Römer setzt man auch kein Gebäude, nur weil da noch Platz ist“, sagt er, betont aber zugleich: „Wir wollen Vorschläge machen.“

Angesichts des sensiblen Ortes sei eine öffentliche Diskussion nötig. „Allerdings darf sie nicht erst dann geführt werden, wenn die Planungen fertig sind“, sagt Knudt. Dass der Investor seine Pläne öffentlich in einer Sitzung des zuständigen Ortsbeirates1 präsentieren soll, hält er für viel zu spät.

Gallus-Theater-Platz

Vor dem Theatereingang wünscht sich Knudt eine größere Freifläche, die er als „Gallus Theater-Platz“ bezeichnet. Damit die Blickachsen von der Galluswarte auf die Fassade und den auf dem Dach der Adlerwerken angebrachten Schriftzug weiter möglich ist, fordern Knudt und Becker entlang der Kleyerstraße zudem nur eine zweigeschossige Bebauung. Die Form dieser Fläche soll einem „Tortenstück“ ähneln, die Spitze zeige zur Mainzer Landstraße. „Im Gegenzug könnte dann an anderer Stelle höher gebaut werden“, meint Knudt. Er denkt etwa an das Stück an der Weilburger Straße direkt an den Bahngleisen. „Da stört das niemanden.“ Becker wünscht sich zudem, dass ein kleines Museum eingerichtet wird, das die Industrialisierung im Gallus thematisiert.

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