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Ein Blick vom Kirchturm auf Zickzackhausen: Wo soll Niederrad in zehn Jahren stehen? Darüber diskutiert ein neues Forum.

Politiker, Vereine und Kirchen debattieren

Ein Blick in Niederrads Zukunft

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Keine Cafés, kein Vereinsring, kaum Bars und Geschäfte: Mit dem „Forum Zukunft Niederrad“ wollte die CDU den Blick nach vorne richten, mit anderen Stadtteilpolitikern, Vereinen und Kirchen überlegen, wie das Viertel in zehn Jahren aussehen könnte. Doch zunächst wurde viel gejammert über den Wandel der Zeit.

Es ist nun schon sechs Jahre her, dass ein Investor im Carl-von-Weinberg-Park in Niederrad einen Kletterpark eröffnen wollte. Doch schnell bildete sich eine Bürgerinitiative dagegen, 2007 gab der Investor seine Pläne wieder auf. „Das finde ich noch heute schade“, sagt Pfarrer Werner Portugall von der Gemeinde Sankt Jacobus. „Dieser Hochseilgarten hätte viele Menschen in unseren Stadtteil gelockt. Doch leider werden hier viele Ideen schnell tot geredet.“ Das kann der Pfarrer gar nicht verstehen. Er würde gerne größer denken, Niederrad vorantreiben. So wünscht er sich eine U-Bahn in den Stadtteil und ein Szeneviertel im alten Stadtkern. „Und wir müssen Plätze fluten. Das machen die im Nordend auch. Dann werden alle panisch, aber es wird drüber geredet. Wir müssen mal aufschreien.“

All dies sagte Werner Portugall beim „Forum Zukunft Niederrad“. Dies hat Mark Pawlytta, der Vorsitzende der Niederräder CDU ins Leben gerufen, um gemeinsam mit anderen Stadtteilpolitikern, Vereins- und Kirchenvertretern darüber zu sprechen, wie man sich Niederrad in zehn Jahren vorstellt, was getan werden kann, um das Viertel attraktiver zu gestalten.

„Die Niederräder sind sehr stolz auf ihren Stadtteil, aber auch sehr unzufrieden“, sagte Pawlytta über seine Intention, solch eine Veranstaltung ins Leben zu rufen. Viel Meckerei bekomme er zu hören: Bis auf den Weihnachtsmarkt und das Suppenfest gebe es kein Stadtteilfest. Bars, Restaurants und schöne Cafés würden fehlen. Samstags gehe man lieber auf der Schweizer Straße in Sachsenhausen einkaufen anstatt auf der Bruchfeldstraße vor der Haustür. Die jungen Menschen im Stadtteil würden sich nicht mehr in Vereinen oder Parteien engagieren. Früher, da war eben alles besser.

Und so blieb Werner Portugall mit seinen vorwärts gerichteten Ansichten und Vorschlägen, wie sich Niederrad zum Positiven verändern kann, ziemlich alleine. Die anderen Teilnehmer spiegelten in ihren Aussagen eher die Beschwerden der Niederräder wider, brachten keine Verbesserungsvorschläge ein.

So sagte etwa Wolfgang Bocksch, der Vorsitzende des Karnevalvereins „Die Stichlinge“: „Früher hatten wir richtig gute Lokale, die wurden aber nicht regelmäßig besucht. Die meisten interessieren sich einfach nicht mehr für ihren Stadtteil.“ Und die Niederräderin Ingrid Iwanowski sagte: „Seit Jahren bemühen wir uns, Veränderungen zu schaffen, aber es ist immer umsonst.“ Damit spricht sie die Enttäuschung der Bürger an, die sich monatelang in Planungswerkstätten für die Umgestaltung des Bruchfeldplatzes engagierten. Wegen fehlender finanzieller Mittel wurden die Planungen allerdings wieder auf Eis gelegt. „Niemand kümmert sich um den Niedergang des Stadtteils.“

Auch eine Ablehnung, die Bürostadt, die sich am westlichen Rande Niederrads in eine Wohnstadt verwandelt, zu integrieren, wurde offenkundig. Zu viel Verkehr wird befürchtet. „Sie werden von den Investitionen in der Bürostadt auch etwas haben“, sagte jedoch Detlef Franke von der Standortinitiative Neues Niederrad. „Es werden neue Menschen hierher ziehen, die dann auch die Restaurants besuchen. Und möglicherweise kommen ja auch neue Bars hinzu.“

Auf den Vorschlag Mark Pawlyttas, den Vereinsring wiederzubeleben, gingen zunächst aber weder die Vertreter der Niederräder Turngesellschaft (NTG) noch der „Stichlinge“ ein. Ebenso wenig Gehör fand die Idee, eine gemeinsame Internetseite für die Vereine und den Stadtteil auf die Beine zu stellen. „Dort könnten dann auch Feste angepriesen werden“, so Pawlytta. Oft gebe es das Problem, dass sich an einem Wochenende alle Vereinsfeste bündeln. „Das muss nicht sein. Durch eine bessere Kommunikation kann das vermieden werden.“ Ins Detail will man nun bei weiteren Treffen gehen.

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