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Blockupy kehrt zur EZB zurück

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Zu einem Solidaritäts-Sirtaki ließen sich diese Aktivisten hinreißen.
Zu einem Solidaritäts-Sirtaki ließen sich diese Aktivisten hinreißen. © Bernd Kammerer (.)

Die erste Blockupy-Demonstration nach den Ausschreitungen am 18. März ist friedlich verlaufen. Mehr als 350 Kapitalismuskritiker zogen von der alten zur neuen Europäischen Zentralbank. Sie zeigten sich solidarisch mit Griechenland und warben für ein Nein zur Sparpolitik der Troika

Dass linke Demonstranten den Einsatz des Wasserwerfers fordern, kommt eher selten vor. Als die 350 Blockupy-Aktivisten nach ihrem Marsch durch die Hitze der Innenstadt an der neuen Europäischen Zentralbank (EZB) ankommen und das Polizeifahrzeug hinter der Absperrung erblicken, sind aber sofort entsprechende Parolen zu hören: „Wasserwerfer, Wasserwerfer!“, hallt es über die Sonnemannstraße. Den Gefallen, das blaue Gefährt zur Erfrischung einzusetzen, tut die Polizei den Demonstranten aber nicht. Stattdessen twittert sie noch einmal ihre „Rettenden Tipps“ für die Hitzewelle.

Zum ersten Mal seit den Ausschreitungen bei der Eröffnung der neuen EZB am 18. März haben Mitglieder des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnisses gestern in Frankfurt demonstriert. Mobilisiert hatten die globalisierungskritische Organisation Attac, der Studierendenverband Die Linke.SDS und die radikale Interventionistische Linke. Anders als am 18. März verlief die gestrige Solidaritätsdemo für Griechenland aber vollkommen friedlich.

Die 350 Blockupy-Demonstranten hatten auch keine Blockade oder Besetzung, sondern lediglich einen Protestzug von der alten zur neuen EZB im Sinn. Unter dem Motto „Nein! Oxi! No! zur Sparpolitik – Ja Zur Demokratie!“ warben die Aktivisten für eine Ablehnung des Sparkurses, den die Troika aus EZB, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Kommission derzeit von Griechenland einfordert.

Dass die Troika in den laufenden Verhandlungen friedlich auf die griechische Regierung zugehe, bezeichnete ein Blockupy-Redner bei der Auftaktkundgebung als „vollkommenen Unsinn“. Es gehe allein darum, „die Linie der Troika auf Kosten der Bevölkerung in Griechenland durchzusetzen“. Die Demonstration nannte der Redner „ein weiteres Zeichen gegen die tägliche Menschenverachtung im Kapitalismus“.

Linke Utopien

Nach der Anmerkung, dass ein schönes Leben für alle „nur ohne Staat, Kapital und Lohnarbeit zu haben“ sei, setzte sich der kapitalismuskritische Tross schließlich in Bewegung. Die Demonstranten skandierten „Solidarität mit Griechenland, Kampf dem Kapital heißt Widerstand“ und „Hoch die internationale Solidarität“. Außerdem trugen sie Schilder mit einem „Stinkefinger“ für die Austeritätspolitik der Troika.

Wegen des Protestzugs, der vom Willy-Brandt-Platz durch die Innenstadt und zur EZB ins Ostend führte, stand der Straßenbahn- und Autoverkehr zeitweise still. An der Flößerbrücke, die von der Polizei vorübergehend gesperrt wurde, hupten wütende Autofahrer aus dem Stau heraus die Demo an. Die Polizei hatte die EZB mit etlichen Einsatzkräften und auch ein paar Absperrungen gesichert. Die Aktivisten ließen ihren Protest mit einem Gruppenfoto und einem Solidaritäts-Sirtaki auf der Sonnemannstraße ausklingen.

Eine Rednerin wies noch darauf hin, dass am Wochenende noch viel Zeit für „Aktionen“ sei: „Besucht die EZB, die Deutsche Bank und andere Gebäude und hinterlasst eure Botschaften!“ Auch die Parole „Steine auf die Sterne“ gab sie im Hinblick auf die Europaflagge aus. Dann wurde die Kundgebung für beendet erklärt. „Eine absolut friedliche Demo – Finden wir top!“, twitterte die Polizei.

Mehrere Demos

Die Demonstration in Frankfurt war nicht die einzige, die gestern stattfand. Dezentrale Kundgebungen und Aktionen gibt es in diesen Tagen in mehreren deutschen Städten. Im Internet-Portal Facebook sind außer Frankfurt fast 20 weitere Städte mit Blockupy-Veranstaltungen aufgeführt. Die Demo in Berlin führte zum Beispiel vor das Brandenburger Tor.

Eine Blockupy-Delegation ist zudem in die griechische Hauptstadt Athen gereist. Gestern sollte dort der Aktivist Martin Glasenapp vor mehreren 10 000 Menschen sprechen. „Wir bewundern die griechischen Bewegungen für ihren Mut, dem deutschen Regime der Angst und Verängstigung zu widerstehen“, fasste Glasenapp seine Rede zusammen. Ein griechisches Nein bezeichnete er als ein „Ja für ein Europa der Würde und Demokratie“.

(chc)

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