Gerhard Bereswill im Interview

Blockupy wird der Prüfstein für den neuen Polizeichef

Frankfurts neuer Polizeipräsident Gerhard Bereswill wünscht sich mehr Zivilcourage.

Fankfurts neuer Polizeipräsident Gerhard Bereswill wünscht sich mehr Zivilcourage. "Wir suchen manchmal händeringend Zeugen", sagte der 57-Jährige der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einem Redaktionsgespräch. Sorge bereitet dem Chef der größten Polizeibehörde Hessens das wachsende Interesse am radikalen Salafismus.

Der erste große Einsatz im neuen Jahr dürften die Eröffnung des EZB-Neubaus und die damit verbundenen Blockupy-Proteste sein. Wie bereiten sie sich darauf vor?

Gerhard Bereswill: Nach unseren Vorstellungen sollte die Europäische Zentralbank bei dieser Veranstaltung mit einer Sicherheitszone umgeben werden. Schon weil Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei im Katastrophenfall in dieser Zone agieren können müssen. Der Schutz der EZB ist für uns eine wichtige Sache. Es gibt Staatsverträge, nach denen wir den Wirtschaftsbetrieb der EZB garantieren müssen. Außerdem werden zur Eröffnung sogenannte Schutzpersonen - hochrangige Vertreter der EU-Staaten sowie Repräsentanten der Finanz- und Wirtschaftswelt - erwartet. Wie viele, wissen wir aber noch nicht.

Befürchten Sie Ausschreitungen?

Der Protest des Blockupy-Bündnisses fokussiert sich seit langem auf diesen Tag. Ich gehe davon aus, dass das, was Ende November an der EZB war, eine Kleinigkeit war im Vergleich zu dem, was uns im März erwartet. (Anmerkung: Rund 80 Demonstranten hatten im November nach einiger Kundgebung den Zaun zum Neubau überwunden und die EZB mit Farbe beworfen. Mehrere Polizisten und Demonstranten wurden verletzt. Der Sachschaden wird auf mehrere Tausend Euro geschätzt.) Es wird bereits nicht nur deutschlandweit, sondern europaweit mobilisiert. Es macht mir Sorgen, dass schon so früh darüber gesprochen wird, sich nicht an Regeln und Gesetze zu halten und Gewalt in Kauf zu nehmen.

Eine Konsequenz aus dem umstrittenen Polizeieinsatz bei den Blockupy-Protesten 2013 ist die Kennzeichnungspflicht von Beamten. Wird die im März erstmals umgesetzt werden?

Es wird voraussichtlich die erste Demonstration sein, bei der hessische Beamte mit Nummern erkennbar sind. Das setzt aber noch einige logistische Vorbereitungen voraus. Die Nummern müssen den Beamten zugewiesen werden. Auch die Aufnäher für die Uniformen müssen noch vorbereitet werden. Allerdings werden ausschließlich hessische Beamten über die Nummern identifizierbar sein, Kollegen aus anderen Bundesländern nicht.

Die Sicherheitsbehörden gehen von einer steigenden Gefahr durch Salafisten im Land aus. Was tut die Frankfurter Polizei?

Das ist für mich ein großes, wichtiges und brisantes Thema. Wir haben bei der Frankfurter Polizei eine eigene Arbeitsgruppe mit rund 40 Beamten gebildet, die sich ausschließlich mit dem Thema Salafismus beschäftigt. Das ist aber ein gesamtgesellschaftliches Thema und hat mit Bildung, Sozialpolitik und Integration zu tun. Wir als Polizei können die Informationen die wir über das Thema haben, in die Gesellschaft geben, damit Schulen, Sozialarbeiter, Religionsgemeinschaften und Politik wissen, was da passiert. Wir können auch versuchen, Ausreisen nach Syrien zu verhindern.

Sie haben vor 40 Jahren bei der Polizei angefangen. Wie hat sich die Gesellschaft verändert? 

Die Gesellschaft war früher nicht so anonym wie heute. Man hat Verantwortung übernommen und Delikte zur Anzeige gebracht. Heute geht man Dingen gerne aus dem Weg, will mit der Polizei nicht viel zu tun haben, schon gar nicht in Ermittlungs- oder Strafverfahren aussagen. Wir suchen manchmal händeringend Zeugen, auch bei Straftaten, die garantiert Leute mitbekommen haben. Aber keiner nimmt mal sein Handy in die Hand und ruft die 110 an und beschreibt die Täter. Es hat auch mit abnehmender Zivilcourage zu tun, dass viele einfach nicht mehr bereit sind, ihren Namen herzugeben, aus Angst oder aus Bequemlichkeit keine Lust haben, in einem Verfahren auszusagen.

Zur Person: Gerhard Bereswill (57) hat den Beruf des Polizisten von der Pike auf gelernt. Vor seinem Amtsantritt als Frankfurter Polizeipräsident war er rund vier Jahre Vize-Präsident. Er begann seine Karriere vor rund 40 Jahren beim Bundesgrenzschutz in Fulda. Anschließend arbeitete er als Streifenbeamter in Darmstadt, wechselte später zur Kriminalpolizei und legte schließlich die Prüfung für den gehobenen Dienst ab. Er arbeitete in Frankfurt, beim Landeskriminalamt, beim Polizeipräsidium Westhessen sowie im Landespolizeipräsidium. Bereswill ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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