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Anita Honis-Bohländer, geboren in New York, hier auf einem Foto aus dem Jahr 2008, bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Gitarre spielen und singen. Sie wurde 84 Jahre alt.

Trauer um Musikerin

Blues-Legende und Balalaika-Wirtin Anita Honis-Bohländer ist tot

Eine mutige und starke Frau voller Eleganz, Herz und Humor ist am 23. November gestorben. Anita Honis-Bohländer wird am kommenden Dienstag auf dem Südfriedhof beerdigt.

Anita Honis-Bohländer wurde genauso alt wie ihr Mann Carlo Bohländer, der 2004 verstarb. Sie verschied in dem Jahr, in dem ihr Musiklokal „Balalaika“ 50 Jahre alt wurde. „Es ist, als hätte meine Mutter das getimed“, sagt John (51) traurig. Er steht hinter dem Tresen des gemütlichen Jazzlokals in der Schiffergasse, seine schwarze Baseballmütze tief ins Gesicht gezogen, und zapft Bier. „Ich bin ich der Letzte von uns.“ Er ist der Sohn des berühmten Frankfurter Jazzers und Trompeters und der Musikerin aus New York. Den Tod seiner Mutter hat John eine Woche lang für sich behalten. „Nur die engsten Verwandten und Freunde wussten Bescheid. Ich musste das erst mal verarbeiten“, sagt er leise.

Ebenfalls leise läuft der Song „Raindrops Keep Falling on your Head“ in dem dunkelgrünen Raum mit Ölbildern und Plakaten. „Wenn Anita sang, war es mucksmäuschenstill im Lokal. Egal, wie voll die Kneipe war“, erinnert sich ein Stammgast. „Sie hat mich sogar eingeladen, mit ihr Klavier zu spielen.“ Der Deckel des braunen Klaviers ist geschlossen, daneben hängt eine Gitarre an der Wand. „Mit 18 reiste meine Mutter von New York aus alleine nach Europa. Madrid, Italien, Istanbul – und Frankfurt. Hier stand sie vor dem Hauptbahnhof und wusste, dass das ihre Stadt ist.“ Bei der Musikagentur Lippmann & Rau lernte sie Carlo kennen und lieben. 1965 gaben sie sich im Römer das Jawort. Als erstes Paar mit schwarzer und weißer Haut in Frankfurt. Carlo besaß mehrere Musiklokale. 1968 entdeckte er das „Balalaika“, damals noch in der Dreikönigsstraße, das russische Folklore zeigte. Anita verzichtete auf ihren CBS-Plattenvertrag und führte fortan das Lokal. Ivan Rebroff und Inge Meisel wurden Stammgäste. Boxerlegende Muhammad Ali kam 1977 ins Balalaika. Anita schloss auch ihn in ihr Herz.

Von Anfang an war das „Balalaika“ Treffpunkt für Musiker. Spontane Jam-Sessions und Konzerte waren im Programm. „Anita liebte Live-Musik, wollte überall dabei sein. Und sie spielte und sang am liebsten Calypso“, so Danny Keller, dem die Art Bar in Sachsenhausen gehört. Er ist Musiker, ebenso wie Marius Closca. Sie gehören zum engsten Freundeskreis und sprechen über Anita. Keller kannte sie 30 Jahre lang, Closca zwölf Jahre. „Sie hat grandios gesungen und jedem geholfen. Mit Rat, Tat und großem Herz“, erzählen sie. Sie berichten von einer Frau mit großer Eleganz, voller Mut, Lebenslust, Humor und Freundlichkeit. „Sie hatte etwas von Nelson Mandela. Die Stärke und das Feingefühl“, so Keller. Eine junge Frau berichtet, dass auch der Gitarrist ihrer Band ein „Balalaika-Baby“ ist. „Seine Eltern haben sich hier kennengelernt. Wie viele.“ Closca erzählt von dem Film „Carlo, keep swinging“ von Elisabeth Ok, der 2014 mit Anita und Weggefährten aus dem Nachlass ihres Mannes erschien. „Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet. Das schönste Erlebnis war, dass alle lebenden Protagonisten bei der Uraufführung im Cantate-Saal ein Live-Konzert gaben. Anita, Gustl Mayer, Bill Ramsey, Peter Reiter und viele andere. Wir waren alle glücklich“, erinnert sich Keller.

Anitas Lieblingsatz war „Thank you, Darling“ – danke, Liebling. Im Oktober hatte Keller sie zuletzt gesehen. John hat sie gestützt, weil sie schwach war. „Wir haben uns angesehen, 30 Sekunden lang. Ich wusste, ich würde sie nicht wiedersehen“, sagt Keller. Johns Trost ist das „Balalaika“, das er weiterführen wird. Und das Wissen, dass seine Mutter ohne Schmerzen gestorben ist. Zu ihrem Abschied wird Musik gespielt – „Somewhere over the rainbow“.

Die Beerdigung ist am Dienstag, 11. Dezember, um 12.45 Uhr auf dem Südfriedhof.

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