Brückenschlag und Blütenzauber. FOTO: müller
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Brückenschlag und Blütenzauber.

Ostend: Frankfurter Geheimtipp

Blüten, Bienen, Bankenturm

  • VonSabine Schramek
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Ruhrporter Werft ist der östlichste Teil des Grüngürtels

Hinter der Weseler Werft hört der Grüngürtel noch lange nicht auf. Auch nicht am Oosten, wo jedermann auf der Terrasse im zweiten Stock einfach nur dem Blick genießen oder sich im Erdgeschoss direkt am Main kulinarisch verwöhnen lassen kann.

Frankfurts längste Bank

Frankfurts längste Bank lädt auf 12 Metern Eschenholz zum Verweilen ein. Mit Blick auf den gelben Bananen-Bahnwaggon, historische Kräne des Osthafens, die Großmarkthalle von 1928, auf die gigantische EZB, das bunte Treiben auf den Main, auf die ratternde historische Hafenbahn und auf die eiserne Deutschherrenbrücke. "Das war ein riesiger Kraftakt, bis alles so wurde, wie es jetzt ist", erzählt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Dort, wo um 1908 der Osthafen gebaut wurde, um Kohle umzuschlagen, gibt es jetzt bunte Wiesen und jede Menge Platz zum Erholen.

Für mehr als 2,3 Millionen Euro hat das Grünflächenamt auf 20 000 Quadratmetern Fläche den Lückenschluss zwischen Hafenpark und Weseler Werft geschafft. Hier, wo früher Autos verschrottet wurden, wird jetzt flaniert. "Die Idee wurde im Internet geboren", sagt Heike Appel, die Leiterin des Grünflächenamtes. "Die Leute haben sich Wiesen, Sportmöglichkeiten und Spielplätze gewünscht. Das haben sie jetzt im Überfluss."

Ursprünglich sollte das Museum der Weltkulturen den Museumspark unterirdisch erweitern. Das Projekt scheiterte, weil alle Bäume hätten gefällt werden müssen. Das Grünflächenamt hat sich quergestellt. Die EZB wollte ihren Sicherheitszaun bis an den Main bauen, konnte aber davon überzeugt werden, dass die Fußgängerpromenade durchgehen sollte bis zum Westpark.

"Sogar die Hafenbahn darf weiterfahren", so Appel. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen wie einer Senke, durch die der Zug im Notfall gestoppt werden kann. Entlang der Gleise im Schotterbett sind einige Gitter zu sehen, die im tiefen Gras der Wiese kaum auffallen. Bei Gefahrenlage können die Gleise auseinandergezogen werden.

Ein paar Meter weiter an der Deutschherrenbrücke knallen bunte Farben aus Blumenbeeten, die wie Kunst wirken. Riesige gelbe Lilien zwischen pink Fingerhut, lila Lavendel, Thymian, Oregano und Minze. Es brummt und flattert in den satten Blüten der unzähligen Kräuter und Blumen. Bienen und Hummeln stecken ihre Köpfe neben tanzenden Schmetterlinge in die duftenden Blüten. Gegossen werden sie mit Mainwasser, darum gibt es auch Beete unter der Brücke. Weit hinten am Weg entlang der EZB sieht man die riesigen Kastanien des Alleenrings, die im Grüngürtel aufgelockert mit Platanen, Eschen, gelben Kastanien und Sumpfeichen fortlaufen. Schmale Pflasterstreifen zwischen den Beeten symbolisieren den Übergang von der Stadt zum Main. Afrikanische Kunstwerke wehen wie große Rohrkolben sanft im Wind, am Geländer der Brücke hängen zwei große blaue und rote Bälle. "Das sind Klangkugeln, die hell tönen, wenn Züge über die Brücke fahren", erklärt Heilig.

Abends wird hier getanzt

Ein Stück weiter auf beiden Seiten der Brücke wird abends gern getanzt. Kaum ein Abend ohne Tango, Salsa, Rumba und Merengue. Für Ortsvorsteher im Ortsbeirat 4, Hermann Steib (Grüne), hat das einen schalen Beigeschmack. "Genau hier ist die Gedenkstätte, an der im Zweiten Weltkrieg Juden in Züge verfrachtet und in Konzentrationslager gebracht wurden." Es möge möglich sein, dass die Tänzer das nicht wüssten, dennoch werde ein neuer Platz für sie gesucht. "Es ist ein Ort, der einem zu denken gibt. Ein Ort, den jeder Frankfurter besucht haben sollte. Die Stelle, an der Menschen wie Vieh verladen wurden", fügt Heilig hinzu.

Und es ist die Stelle, an der Alleenring, Grüngürtel und Main aufeinandertreffen. Es ist ein Ort zum Innehalten zwischen Geschichte, Industrie, Stadt und Natur. Ganz neu ist eine Pumptrack für Kinder. "Im Hafenpark müssen Wächter aufpassen, dass nicht zu kleine Kinder mit den Großen auf der Skatebahn kollidieren. Darum gibt es jetzt auch eine Pumptrack für die Kleinen", so Appel. 381 000 Euro hat die Betonanlage gekostet, auf der Kids jetzt mit Rädern, Rollern und Skates nur mit der Kraft und dem Geschick ihres Körpers über Wellen schweben können. "Das ist nicht zu weit weg vom Skatepark und weit genug, damit sich nicht Groß und Klein dauernd mischen, wenn sie über die Hügel rasen", so Appel. "Die Eltern haben kurze Wege, wenn sie kleine und größere Kinder haben, die sich hier austoben". Die Ruhrporter Werft, die ihren Namen nach einem Stadtteil von Duisburg nördlich des Zusammenflusses von Rhein und Ruhr trägt, ist längst ein Geheimtipp im Frankfurt zum Chillen und Erholen. Heilig und Appel sind sich einig: "Wenn es nach uns geht, wird eines Tages der Grüngürtel durchgehend bis nach Offenbach führen."

SABINE SCHRAMEK

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