Pfarrer Werner Portugall und Pastoralreferentin Simone Krämer zeigen in der Kirche Mutter vom Guten Rat den Altar mit Palmenwedeln, Blumen und gefalteten Booten. foto: faust
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Pfarrer Werner Portugall und Pastoralreferentin Simone Krämer zeigen in der Kirche Mutter vom Guten Rat den Altar mit Palmenwedeln, Blumen und gefalteten Booten.

Niederrad: Sag es mit Blumen

Blüten und Palmwedel erinnern an die Pilgerväter

  • vonGernot Gottwals
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Sag es mit Blumen: Wechselnde Floristen erzählen mit ihren Gestecken ein Stück Kirchengeschichte

Pünktlich zum Muttertag nimmt der Frühling endlich wieder Fahrt auf. Für die Floristin Deborah Jäger Grund genug, dem Wonnemonat im rechten Seitenaltar der katholischen Kirche Mutter vom Guten Rat mit einem Arrangement strahlender Maiglöckchen, blauem Rittersporn und paradiesischer Palmwedel zu huldigen - und mit gefalteten Papierschiffchen an ein Jubiläum zu erinnern, dass zur reformierten Kirche gehört.

Denn vor 400 Jahren stach das englische Segelschiff Mayflower mit calvinistischen "Pilgervätern" in See, die sich von der anglikanischen Kirche losgesagt hatten und 1621 mit der Besiedlung ihres gelobten Landes begannen.

Weißdorn, nicht Maiglöckchen

Mayflower bedeutet übersetzt übrigens nicht Maiglöckchen, wie viele denken; als Mayflower bezeichnet man auf Englisch vielmehr den Weißdorn.

Im Ausstellungsprojekt "Mayflower - auf zu neuen Ufern" erzählen bis 3. Juni nacheinander vier floristische Meisterwerke vom Aufbruch und der inneren Einkehr. Während aufgehängte Textblätter an der Seitenwand die historischen und religiösen Hintergründe erklären, treten Rittersporn und japanische Maiglöckchen von Herz-Blumen (Schwarzwaldstraße 11) in Dialog zu den Hortensien und dem Marienbild am Hauptaltar. "Eine schöne Referenz an den ökumenischen Kirchentag", findet Werner Portugall, Pfarrer in Sankt Jakobus, und verweist auf die im katholischen Kirchenjahr übliche Widmung des Monats Mai für die Verehrung der Gottesmutter. So hofft er auf viele Besucher der offenen Kirche Mutter vom Guten Rat, auch wenn coronabedingt die Programmpunkte seiner Pfarrei gestrichen werden mussten.

"Manche Blumengeschäfte werden uns mit ihren Arrangements überraschen, denn für längere Absprachen fehlt so kurz vor dem Muttertag die Zeit", räumt Pastoralreferentin Simone Krämer augenzwinkernd ein. Deborah Jäger setzt auf die besondere Wirkung der weißen Maiglöckchen und Papierschiffe mit dem Grün der Palmwedel und dem Blau der Vasen und des Rittersporns.

"Denn während die blaue Farbe auf die Weiten des Horizonts verweist, verstärkt das Grün die Wirkung der Exotik", erklärt sie. Auch Blumen Tugba (Niederräder Landstraße 11) plant vom 14. bis 20. Mai eine Improvisation mit Maiglöckchen. Das der japanischen Blumenkunst Ikebana verpflichtete Frankfurt Uryu Chapter (Bürgerstraße 41) interpretiert vom 21. bis 27. Mai die Reise ins Unbekannte als Schifffahrt ins Land der Morgenröte.

"In der japanischen Tradition der Edo- Zeit (1603-1868) schmücken wir den Altar mit Schwertlilien in chinesischen Vasen", erklärt Regina Oberndorfer. Blumen Hecktor (Legienstraße 3) hingegen erinnert vom 28. Mai bis 6. Juni an die Weidenkirche der Pfarrei Sankt Margaretha: "Mit üppig blühenden Zweigen wollen wir einen Bogen gestalten, vielleicht sogar einen Blütenteppich auslegen", so Inhaber Stefan Hecktor.

Auf die Schifffahrt der Mayflower nach Virginia wurden Pfarrer Portugall und Krämer durch Recherchen im Internet erneut aufmerksam. "Das monatelange Ausharren auf dem Schiff muss sich für die Passagiere ähnlich wie das derzeitige Ausharren im Lockdown angefühlt haben", findet Krämer.

Mit dem Schiff ins gelobte Land

Insgesamt 102 Passagiere und 31 Mann Besatzung stachen am 16. September im südenglischen Plymouth in See. Nach einer entbehrungsreichen Überfahrt erreichten sie ihr Ziel am 21. November- und mussten schon kurz darauf feststellen, dass sie für die Wintermonate im unbekannten "gelobten Land" nicht ausgerüstet waren. Sie waren zudem bei den einheimischen Völkern keineswegs willkommen, mussten den Winter auf dem Schiff ausharren und wurden durch Skorbut, Lungenentzündung und Tuberkulose weiter dezimiert.

Der Überlieferung nach half der englischsprechende Indianer Squanto den verbliebenen Neuankömmlingen zu fischen, Getreide anzubauen und sesshaft zu werden. "Im November 1621 feierten Engländer und Indianer ein erstes gemeinsames Erntedankfest", erläutert Portugall. Hieraus entstand die Tradition des Thanksgiving, das wiederum am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Inzwischen auch in Frankfurt. Gernot Gottwals

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