+

Klimaschutz

Blumen, damit's im Gallus hier nicht zu heiß wird

  • vonGernot Gottwals
    schließen

Gutes Klima, da geht noch was - Stadtteilgarten soll noch wachsen - Schon 100 Beete

Gallus. Zwischen den Beeten, Hecken und Stauden des Gallus Gartens schimmern ein paar violette Blüten hindurch. Was das Auge einiger Garten- und Insektenfreunde erfreut, sieht die Landschaftsökologin Katrin Jurisch vom BUND Frankfurt durchaus kritisch: "Der Schmetterlingsflieder blüht schön und zieht auch einige Schmetterlingsarten an", räumt sie ein. "Aber hier handelt es sich um eine invasive Pflanzenart, die heimische Gewächse nicht verdrängen sollte."

Heimische Arten nicht verdrängen

Aber wie findet man bei Nutz- und Zierpflanzen den richtigen Mittelweg, damit sie mitten in der Großstadt einerseits leicht zu pflegen und zu ernten sind, andererseits jedoch zum lokalen Bewuchs passen und die heimische Artenvielfalt bereichern? Auf einer Exkursion durch den Gallus Garten suchen rund zehn Teilnehmer des Stadtteilspaziergangs "Gutes Klima im Gallus - da geht noch mehr" nach Antworten. Zumal im nächsten Frühjahr die Grünflächen beim Mehrgenerationenhaus um eine Wildblumenwiese, einen Naturspielplatz und einen Grünstreifen an der Bushaltestelle Idsteiner Straße erweitert werden sollen.

Aus gutem Grund, wie die zuständige Projektleiterin im Mehrgenerationenhaus Jessica Wiegand betont: "Der Klimawandel ist in Frankfurt angekommen. Und das Gallus gehört auf der Klimakarte zu den dunkelroten Flächen, die sich im Sommer besonders aufheizen." Wie schwierig eine geeignete Begrünung, Bepflanzung und Pflege neuer städtischer Nutz- und Naherholungsflächen ist, zeige sich schließlich auch im noch immer für die Öffentlichkeit geschlossenen Europagarten.

"Der Gallus Garten ist 2016 aus einem Übungsgarten für die Kita im Mehrgenerationenhaus entstanden, als wir vom Quartiersmanagement auf interessierte Bürger für Urban Gardening angesprochen wurden", skizziert Wiegand die Entstehungsgeschichte. Heute gibt es hier auf 1400 Quadratmetern rund 100 Beete, auf denen Salat und verschiedene Erdbeeren ebenso wachsen wie Kohl und Kürbisse. Andere Gärtner pflanzen mannshohe Sonnenblumen oder pflegen das Heilkräuter- und das Piratenbeet, in dem jeder etwas einsetzen oder entnehmen darf.

"Wir zehren noch von Starthilfen und Preisgeldern und bewirtschaften den Garten gemeinschaftlich, ohne dass die Gärtner für die Nutzung ihrer Beete bezahlen müssen", so Wiegand. Am Anfang erklärt Jarisch, die auch Projekte wie Bahnhofsgrün Rödelheim mit dem dortigen Quartiersmanagement betreut, was die Biodiversität in einem Garten ausmacht: Die Vielfalt von Lebensräumen und Lebensgemeinschaften zählt dazu, aber auch die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Arten.

Für das Urban Gardening empfiehlt sie alte und regionale Obst- und Gemüsesorten: "So kann man unerwünschte Hybridzüchtungen im Garten vermeiden." Die Biologin erklärt anhand des Weißdorns die Unterschiede zwischen wilden Wuchsformen und einer stadtgerechten Formschnitthecke und bricht eine Lanze für die Brennnessel, die zu Unrecht als Unkraut abgetan werde: "Denn die Blätter werden von 20 Raupenarten gefressen, außerdem eignen sie sich gut für Salat und Pesto." Wer den Zitronenfalter ansiedeln möchte, sollte jedoch Faulbäume pflanzen, die den Raupen als Futterpflanzen dienen. "Der Mensch will alles ordentlich zurückschneiden, doch man sollte der Natur Zeit geben und parallel zum Slow Food auch den Slow Garden pflegen", betont Jarisch.

Am Ende stellen Wiegand und einige Naturfreunde die Erweiterungspläne südlich des Gallus Gartens vor: An der Schneidhainer Straße 1 bis 3 soll ein Naturspielgelände mit "Burghügel", Totholzzaun, Heckenverstecken und Altholzinsel entstehen. An der Schneidhainer Straße 5 eine Wildblumenwiese mit Sandflächen für Wildbienen. Schließlich sind für die Bushaltestelle an der Idsteiner Straße 91 eine Insekteninsel, weitere Hochbeete und Sitzgelegenheiten vorgesehen.

"Manche Tipps vom BUND für Altholz oder die Bepflanzung mit Frühblühern werden wir umsetzen, nach einem Beschluss des Ortsbeirats 1 soll es im kommenden Frühling losgehen", so Wiegand. gernot gottwals

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare