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Auch an der Ecke Kurfürstenstraße bleibt alles beim Alten. Nur ein Zebrastreifen soll die Fußgänger schützen. foto: menzel

Verkehrsberuhigung

Bockenheim: Leipziger Straße wird keine Fußgängerzone

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Magistrat hält autofreie Einkaufsstraße für nicht sinnvoll. Zu viel Aufwand nötig.

Die Geschäftsleute in der Leipziger Straße sind erleichtert: Der Magistrat hält es für nicht zielführend, die Einkaufsstraße autofrei zu gestalten und während der Corona-Pandemie quasi als Fußgängerzone auszuweisen, und lehnt eine entsprechende Anregung ab. Vor allem der große Aufwand, der damit verbunden sei, wird als Gegenargument angeführt.

Der Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald) hatte nachgefragt, ob und in welchem Umfang eine autofreie Leipziger vorstellbar sei. Grundlage für den mehrheitlich gefassten Beschluss waren Hinweise besorgter Bürger. Sie hatten kritisiert, dass in der schmalen Straße die vorgeschriebenen Mindestabstände nicht eingehalten werden könnten.

Massive Absperrungen

An den Einmündungen der Seitenstraßen müssten jeweils mobile massive Absperrungen aufgestellt werden, die Radfahrer passieren können. Gleiches gelte für die Zufahrt von der Adalbertstraße kommend. In der Straße Am Weingarten und Rohmerstraße (Einbahnstraßen) sowie Landgrafenstraße und Wildunger Straße müsste man die Halteverbot-Beschilderung anpassen - so müssten etwa durch die Sperrung entstehende Wendehammer in diesen Straßen mit zusätzlicher klappbarer Halteverbotsbeschilderung ausgestattet werden. Und Einbahnstraßen, die zu Sackgassen werden (Rohmerstraße, Am Weingarten), müssten für den Zeitraum der Schließung aufgehoben und als Sackgasse ohne Wendemöglichkeit beschildert werden.

Für ortsunkundige Verkehrsteilnehmer wäre noch das temporäre Aufstellen einer Umleitungsbeschilderung notwendig, da die einfache Blockumfahrung hier nicht greife, heißt es in der Stellungnahme. Besonders kritisch wird die Situation für schwerbehinderte Menschen eingeschätzt, die etwa den Sonderparkplatz vor dem Sanitätshaus in der Leipziger Straße nicht nutzen könnten.

Grundsätzlich verweist der Magistrat auf die derzeit angespannte Finanzlage der Stadt, so dass sich nur zwingend erforderliche Maßnahmen umsetzen ließen. Ein Verkehrsversuch zur temporären Sperrung der Leipziger Straße zählt nicht dazu. Dies ließe sich personell ohnehin nur sehr schwer bis gar nicht umsetzen.

Die Geschäftsleute hatten in der seit Jahren geführten Diskussion stets eine Sperrung der Leipziger für den Autoverkehr, ob temporär oder dauerhaft, abgelehnt. Sie befürchten, dass weniger Kunden zu ihnen in die Geschäfte kämen. Holger Wessendorf, Vorsitzender des Gewerbevereins "Bockenheim aktiv", hatte stets erklärt, dass auch die probeweise Sperrung für den Autoverkehr auf einem Teilstück an den Samstagen nicht ausgereift sei. "Das alles ist nicht durchdacht", sagt er. So sei nicht berücksichtigt, wie man auf sein Grundstück gelangen könne oder ob es Schrankenwärter gebe. Ähnlich hatte Christian Loose von der CDU-Fraktion im Ortsbeirat argumentiert und ein Gesamtkonzept für die Leipziger gefordert.

Statt die Straße zu sperren, regt Wessendorf eine Brötchentaste in der Leipziger an und bittet zudem, die Parkhäuser in unmittelbarer Nähe zur Einkaufsstraße endlich ans Parkleitsystem anzuschließen. Denn: Der breiten Masse sei gar nicht bekannt, dass es in der Nähe Parkhäuser gibt.

"Wenn schon sperren, dann auch für den Radverkehr", fordert Stefan Geheeb, Geschäftsführer des einzigen Elektrogeschäftes in der Leipziger Straße. Das wiederum bewertet der Magistrat anders. Viele Bürger nutzten gerade während der Corona-Pandemie das Fahrrad. Verkehrsflächen für den Radverkehr zu schaffen wäre deshalb sinnvoller, als sie zu sperren. Mit einem Durchfahrtverbot an Samstagen, das der Ortsbeirat versuchsweise angeregt hatte, ist aber wohl demnächst nicht zu rechnen.

Der Magistrat lehnt es zwar nicht ab. Seine Argumentation ist aber dieselbe wie bei der jetzt wegen Corona diskutierten Fußgängerzone: Das ließe sich nur mit erheblichen und sehr aufwendigen Maßnahmen umsetzen, welche das sind, ist ja hinlänglich bekannt. Matthias Bittner

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