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Erhielt den Spitznamen Mr. Dax, weil er an der Frankfurter Börse unter der großen Anzeigetafel saß. Im zivilen Leben heißt der Aktienexperte, der jetzt sogar eine eigene Show hat, Dirk Müller.

Stadtgeflüster

Interview mit Dirk „Mr. Dax" Müller: Von der Börse auf die Bühne

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Dirk Müller ist als Mr. Dax bekannt. Er ist Autor und oft im Fernsehen präsent. Nun geht er auch mit einem Bühnenprogramm auf Tour und gastiert am 4. Mai in der Jahrhunderthalle. Enrico Sauda sprach mit ihm über seine neue Show „Lasst den Bullen los. Vom Sparer zum Aktionär“, sein Leben und welche Rolle die Musik darin spielt.

Herr Müller, wie sind Sie denn zu Ihrem Spitznamen Mr. Dax gekommen?

DIRK MÜLLER: Ich habe viele Jahre lang hier in Frankfurt an der Börse gearbeitet und saß direkt unter der Dax-Grafik. Und wenn Journalisten etwas über die Börse berichteten, fotografierten sie die Dax-Kurve. Nur, dass die allein etwas langweilig wirkt. Also lichteten sie auch mein Gesicht ab und je hektischer die Szenen waren, desto öfter waren diese Bilder auf allen möglichen Titelseiten aller möglichen Magazine zu sehen. Irgendwann wollte ein Spiegelredakteur auch mal wissen, wer eigentlich der Vogel ist, der immer unter der Dax-Kurve zu sehen ist. Jeder kennt das Gesicht, aber keiner weiß, wer das ist. Ist das Mr. Dax? Macht mal ne Story über den. Und dann kam die erste Homestory.

Hatte das auch Vorteile für Sie?

MÜLLER: Der Journalist, der die Story geschrieben hat, fand, dass ich das ganze Börsengeschehen gut auf den Punkt gebracht habe, ganz ohne Kauderwelsch. Es hatte auch beiden viel Spaß gemacht und er fragte, ob er öfter anrufen könne. ,Klar’, sagte ich. So hat damals alles angefangen.

Wie hat Ihr Leben sich denn in den vergangenen zehn Jahren verändert?

MÜLLER: Ich habe mir nicht ansatzweise gedacht, dass alles so kommt, wie es gekommen ist. Ich habe auch nichts geplant. Das Leben hat mir gezeigt, dass sich alles in wenigen Augenblicken entscheidet. Du weißt nie, wann die sind. Sie kommen immer dann, wenn Du gar nicht damit rechnest.

So wie jetzt bei der Bühnenshow.

MÜLLER: Genau. Denn ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass sich der größte Konzertveranstalter Deutschlands, Semmel-Concerts, bei mir meldet und mich auf die Bühne bringen will. Das kannst du nicht planen. Das passiert einfach.

Was sagt Ihre Familie dazu?

MÜLLER: Die macht das alles wunderbar mit. Ich habe eine wunderbare Frau, die mich unterstützt und mir den Rücken freihält.

Sie sind Heavy-Metal-Fan. Wie passt das seriöse Börsengeschäft dazu? Brauchen Sie einen solchen Kontrast?

MÜLLER: So ein Kontrast ist das gar nicht. Börse war immer Rock’n’Roll. Die Börse war schon immer etwas anderes als die Bankenwelt. Die Börse war immer schon hemdsärmlig. Für mich war an der Börse von Anfang an alles mit Spaß, mit Freude, mit Adrenalin, mit neuen Entwicklungen, mit spannenden Sachen verbunden.

Und wie passt nun der Heavy-Metal dazu?

MÜLLER: Die alte Börse, wie ich sie kennengelernt habe und wie ich sie heute noch lebe, verbindet sehr viel mit Heavy-Metal: Es ist nämlich eine ethische Geschichte. Wir haben unter Menschen und Maklern gehandelt und haben uns gegenseitig nicht beschissen, sondern darauf geachtet, dass alle Geschäfte fair waren. So war allen geholfen. Beim Heavy-Metal ist das genauso. Metal-Fans sind Menschen, die Achtung voreinander, vor anderen Meinungen, vor anderen Menschen haben und respektvoll miteinander umgehen. Eben anständig durchs Leben gehen. So halte ich das auch. Man kann auch in der Finanzwelt mit Anstand erfolgreich sein. Man sollte das Feld nicht nur den Drecksäcken überlassen.

Und die Bücher?

MÜLLER: In einen dreiviertelstündigen Vortrag kann man immer nur sehr wenig reinpacken. Deshalb schrieb ich alles zusammen und wollte eine Art Hand-Out daraus machen. So kam ein Kontakt zum Droemer-Verlag zustande.

Das war der Anfang eines großen Erfolgs.

MÜLLER: Ja. Aber damit hätte niemand gerechnet. Denn gleich mein Erstlingswerk wurde zum besten Wirtschaftsbuch 2009. Ein Bestseller. Jetzt habe ich mein viertes veröffentlicht.

Haben Sie einen bestimmten Veröffentlichungsrhythmus, den Sie dabei einhalten?

MÜLLER: Nein. Ich schreibe immer nur dann ein Buch, wenn ich auch eine Story habe. Das letzte ist von 2012.

Vorträge, Bücher – und jetzt die Bretter, die die Welt bedeuten.

MÜLLER: Der Konzertveranstalter Semmel-Concerts kam auf mich zu mit der Idee und machte mir den Vorschlag, das Thema Börse und Aktien unterhaltsam und informativ rüberzubringen.

Waren Sie gleich Feuer und Flamme?

MÜLLER: ,Wow’, habe ich gedacht, ,das klingt spannend’. Und weil ich mich immer für Dinge interessiere, die neu für mich sind, sagte ich zu. Konnte mir aber nicht vorstellen, was ich in zwei Stunden, die das Programm dauert, sinnvolles rüberbringen könnte, das die Leute dann auch fesselt.

Worum geht’s?

MÜLLER: Das Grundthema ist: Was fast alle Privatanleger und sehr viele Profis falsch machen ist, dass sie an der Börse zwei komplett unterschiedliche Welten miteinander vermischen.

Als da wären?

MÜLLER: Zum einen das kurzfristige Zocken. Die Glücksspielerei. Das ist wie Poker-Spielen. Mit etwas Strategie kann man die Wahrscheinlichkeiten für sich ein kleines bisschen verbessern. Aber es wird immer ein Glücksspiel bleiben.

Und die andere?

MÜLLER: Das langfristige Investieren.

Und wie machen Sie das im Programm deutlich?

MÜLLER: In der ersten Stunde kümmere ich mich um das Kurzfristige und um die Spielregeln. Und in der zweiten Stunde geht es um das wirkliche Geldanlegen. Langfristig. Seriös. Ohne Glückselemente. Wie beim Fußball geht es da um Taktik und Strategie. Ich zeige, wie Sie mit relativ wenig Wissen das umsetzen. Ich möchte nichts verkaufen. Es geht darum, die Dinge einfach zu verstehen und dabei eine Mange Spaß zu haben.

Worum geht es?

MÜLLER: Es geht darum, den Zuschauern das Handwerkszeug zu geben, um selbst entscheiden zu können, wie sie gute Aktien finden, wann sie kaufen.

Ihr Tipp?

MÜLLER: Über viele Jahre hinweg in gute Unternehmen investieren. Am besten jeden Monat immer ein bisschen. Das hat auch den Vorteil, dass man im Mittel zum vernünftigsten Preis gekauft hat.

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