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Klare Worte: Alexander Skipis will mit dem Börsenverein politische Ermutigung aussenden.

"Für Schicksale eintreten"

Börsenverein des Buchhandels setzt Zeichen für türkische Intellektuelle

Anfang Mai wurde der türkische Belge-Verlag von Polizisten durchsucht, zahlreiche Bücher wurden beschlagnahmt. Der Istanbuler Verlag ist für seine regierungskritischen Publikationen bekannt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sendet von Frankfurt ein Signal der Solidarität.

Einmal im Monat wird ein neues Buch in den öffentlichen Bücherschrank im Hof des „Haus des Buches“ gestellt. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wählt besondere Bücher dafür aus, Bände, die mitunter mehr zu sagen haben als ihre Autoren in Worte fassen konnten. „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ von Franz Werfel ist so ein Buch. Es erschien als türkische Ausgabe im vom Erdogan-Regime verfolgten Istanbuler Belge-Verag und behandelt das Massaker an den Armeniern, für das die Türkei die Bezeichnung Völkermord ablehnt. „Die Wahl war ein politisches Signal. Wir müssen zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben“, sagt Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins.

Gemeint sind Journalisten, Verleger, Aktivisten und andere kritische Menschen, die unter Verfolgung und Gängelung durch das Regime leiden oder gar in Haft genommen wurden. Für diese unbeugsamen Menschen waren die Geschäftsräume des Belge-Verlags lange ein Refugium. Am 7. Mai diesen Jahres jedoch, dem 40. Geburtstag des Verlags, stürmten Sicherheitskräfte das Gebäude und konfiszierten zahlreiche Bücher. „Es war ein weiterer Versuch gegen Menschen vorzugehen, die sich ihr Recht auf freie Meinung und das Recht diese in Wort und Schrift zu äußern nicht kampflos nehmen lassen wollen. Ein weiterer Schritt der „Türkei auf dem Weg in einen totalitären Unrechtsstaat“, sagt der Börsenverein-Chef Skipis.

Der Fall hat auch in Deutschland für Entrüstung gesorgt und gleichzeitig eine Welle der Solidarität ausgelöst. Aber auch zur Reflexion anreget. „Unsere Werte sind nicht relativierbar. Unsere Branche beruht auf diesen Werten. Wir müssen für diese Werte eintreten, man hat sie nicht for free und auf Dauer“, sagt Skipis entschlossen. Er wolle anderen nicht sagen, was sie zu tun hätten, doch er sei der Meinung, wenn jeder in seinem Kreis etwas bewegen könne sei viel erreicht. Dies sei die Stunde der Zivilgesellschaft, so Skipis. Wirkungskreis sei die deutsche Buchbranche, aus der die türkischen Kollegen unterstützt werden, etwa durch Solidaritätsanzeigen in Zeitungen, die durch ausbleibende Anzeigen in ihren Blättern in finanzielle Notlage gerieten, da mögliche Kunden unter Druck gesetzt würden. Durch ein Crowdfunding-Projekt kamen so zunächst rund 16000 Euro zusammenkamen.

Schon vergangenen November hatten Vertreter der deutschen Buchbranche auf Initiative des Börsenvereins vor dem Frauengefängnis Bakirköy in Istanbul eine Mahnwache gehalten.

Die Petition „Free Words Turkey“, die etwa 150 000 Stimmen sammelte, um die Europäische Politik zum Handeln zu bewegen und ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit zu setzen, helfe Öffentlichkeit und ein mediales Interesse für die Vorgänge in der Türkei zu schaffen, findet Skipis. Von der Politik fordere er, die „Appeasement-Politik“ gegenüber Erdogan aufzugeben, und er richtet klare Worte an den türkischen Machthaber. „Lassen Sie die politischen Gefangenen, die nichts anderes getan haben als ihre Meinung zu sagen, sofort frei!“

Skipis und der Börsenverein sammeln nicht nur Stimmen, sie versuchen auch durch vielfältige Aktionen jenen eine Stimme zu geben, denen das Wort entzogen werden soll, oder schon wurde Für die, in der Türkei verfolgen Kollegen laute die Botschaft deshalb „Solidarität“. Skipis versichert in Richtung der Betroffenen in der Türkei: „Wir werden Sie nicht vergessen. Wir versuchen so gut wir können, Aufmerksamkeit auf Ihre Schicksale zu lenken.“

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