Max Apel mit einem etwa 20 Kilogramm schweren Betonstück, das aus der gut zwei Meter dicken Bunkerwand gebohrt wurde.
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Max Apel mit einem etwa 20 Kilogramm schweren Betonstück, das aus der gut zwei Meter dicken Bunkerwand gebohrt wurde.

Frankfurter Initiative 9. November

Bohrer beißt sich durch den Bunker

Vorher kann Ausstellung im Ostend nicht aufgebaut werden - Spender gesucht

Stück für Stück arbeitet sich der Bohrer auf der Schiene vor. Bis zu 50 Löcher bohrt der Zylinder mit den Diamantzähnen durch die massiven zwei Meter dicken Wände, um in den beiden Treppenhäusern des vierten Stockes Entrauchungsanlagen für den Bunker in der Friedberger Anlage einzubauen. Entnommen werden dafür die Bohrkerne, die wie Betonsäulen aussehen und in Scheiben geschnitten und verschenkt werden- als "Spendenthaler" für die Ausstellung "Synagogen in Deutschland - eine virtuelle Rekonstruktion."

Zementkern an Briefbeschwerer

"So ein Stück Bohrkern würde sich doch gut für einen Briefbeschwerer eignen", schlägt Max Leo Apel vor, Geschäftsführer der Initiative 9. November. Dafür hat die Initiative, die den Bunker seit über 30 Jahren betreut und das Andenken an die in den Novemberpogromen 1938 zerstörte Synagoge der Israelitischen Religionsgemeinschaft wahrt, jetzt auf der Plattform Betterplace einen Spendenaufruf freigeschaltet: Dort haben Unterstützer die Gelegenheit, einmalig oder über einen längeren Zeitraum Geldbeträge zur Installation von elf LED-Projektoren, vier Filmmonitoren sowie Arbeitsstationen mit Rechner und Bildschirm zu überweisen.

Wofür diese Geräte gebraucht werden, ist auf einem Trailer auf der Homepagehttps://initiative-neunter-november.de zu sehen: Dort öffnen sich im zweiten Stock des Bunkers Projektionen mit imposanten Kuppelbauten und geben den Blick in prächtige Gewölbe frei, während mehrere Text- und Bildtafeln die Geschichte des Judentums und der jüdischen Gemeinden in Deutschland schildern. Ab einem Betrag von 100 Euro, so Apel, gebe es ein Stück vom Bunker in Form einer Scheibe des Bohrkerns. Den Aufbau und den laufenden Betrieb der Ausstellung mit den technischen Geräten veranschlagt die Initiative mit über 70 000 Euro. Durch Spenden sollen dafür rund 26 000 Euro gesammelt werden.

Doch bevor die neue Ausstellung aufgebaut und am 7. November eröffnet werden kann, müssen zunächst die Bauarbeiten zum Brandschutz mit dem Einbau der Entrauchungsanlage fertiggestellt werden. "Dieser Schritt ist für uns ein Meilenstein und eine wichtige Zäsur, da wir den Bunker dadurch endgültig in eine zivile Nutzung für unsere Projekte überführen", betont Elisabeth Leuschner-Gafga vom Vorstand der Initiative. Bevor die Stadt den Bunker in einem Paket von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erwerben konnte, habe es immer die Auflage gegeben, keine irreversiblen Veränderungen in der Bausubstanz vorzunehmen.

Die Kosten in Höhe von 250 000 Euro übernimmt die Stadt Frankfurt. Ursprünglich sollten die Arbeiten für die Entrauchungsanlage noch im Frühjahr beginnen. "Die Genehmigungen haben dann doch länger gedauert", räumt Apel ein. Die Vergabe der Gewerke an die Baufirmen war so zu organisieren, dass die Modalitäten zur Ausschreibung überschaubar blieben. Insgesamt zehn Tonnen Beton müssten bei den Bohrungen bewegt und sechs bis acht Türen neu eingebaut werden. "Doch wir liegen gut im Zeitplan", ist Apel zuversichtlich.

Arbeiten bald abgeschlossen

Die Bauarbeiten sollen bis Mitte Oktober abgeschlossen werden, danach beginnt der Aufbau der Ausstellung. Sie basiert auf dem Projekt, das der Künstler und Dozent für digitales Gestalten an der Technischen Universität Darmstadt Mark Grellert 1994 nach einem Brandanschlag auf die Synagoge von Lübeck startete. Mit Mitteln des Bundesbildungsministeriums und der Beteiligung von 60 Studenten versucht er, das Aussehen von 27 jüdischen Gotteshäusern in Deutschland sichtbar zu machen.

Langfristig wünscht sich die Initiative, diese und weitere Ausstellungen über die jüdische Geschichte des Ostends und jüdische Musiker in Frankfurt ganzjährig zeigen zu können. Doch dafür wären eine Heizung und eine Belüftungsanlage nötig. Wie wichtig die Entrauchungsanlage sei, zeige sich am Bunker im Marbachweg, der wegen Brandschutzmängeln nicht länger vermietet werden könne, so Apel. Am Samstag, 9. Oktober beginnt um 18 Uhr im Bunker ein Konzert zu Ehren von Frida und Erich Itor Kahn. Auch hier besteht die Möglichkeit, für das Spendenprojekt zur neuen Ausstellung zu werben. Gernot Gottwals

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