Der Bolongaropalast im Frankfurter Stadtteil Höchst. (Archivbild)
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Der Bolongaropalast im Frankfurter Stadtteil Höchst. (Archivbild)

Frankfurter Finanzen

Frankfurt: Bolongaropalast wird fast zwölf Millionen Euro teurer

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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Der Oberbürgermeister nennt neue Zahlen für die Bauarbeiten am Bolongaropalast in Frankfurt. Es hagelt Kritik bezüglich der Kommunikation.

Frankfurt – Die neuerliche Verzögerung bei den Bauarbeiten am Bolongaropalast hat ihren Preis - und jetzt hat ihn Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erstmals öffentlich benannt: Über 50 Millionen Euro soll die Fertigstellung nun insgesamt kosten - und damit 11,4 Millionen Euro mehr, als bislang für das Großprojekt veranschlagt waren.

Diese neuen Zahlen gab das Stadtoberhaupt in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstagabend auf Anfrage Susanne Serkes bekannt, der neugewählten CDU-Stadtverordneten und langjährigen Ortsvorsteherin des Frankfurter Westens.

Barocker Palast in Frankfurt-Höchst: Neuer Preis für Bauarbeiten am Bolongaropalast öffentlich gemacht

Serke wie auch der gesamte Ortsbeirat 6 hatten in einem Auskunftsersuchen zuletzt im Oktober 2020 auf Antwort gedrängt, wie sich die Verzögerung finanziell auf die bislang veranschlagten Baukosten von 38,6 Millionen Euro auswirken würden - und wie realistisch denn nun der zwischenzeitlich neu genannte Termin zur Fertigstellung im Frühsommer oder Sommer 2023 sei. Auf letztere Frage antwortete der Oberbürgermeister nun noch vager: "Die Fertigstellung ist für das Jahr 2023 nach Auskunft des Amtes für Bau und Immobilien geplant."

In seiner Replik auf die Fragen der Ortsvorsteherin warb Peter Feldmann um Verständnis: "Sie wissen, dass es auf der Baustelle vorangeht, dass der Bolongaropalast ein großes Bauprojekt ist", schreibt er. Und gerade solche mit historischen Bauwerken seien nun mal "mit Herausforderungen gesegnet".

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Bolongaropalast in Frankfurt: Ortsvorsteherin ist „fassungslos“ über Kommunikation des Oberbürgermeisters

Susanne Serke machen die Aussagen Feldmanns nach eigenen Worten "fassungslos": Immer nur zögerlich und auf wiederholte Anfragen, so kritisiert sie, informiere der Oberbürgermeister die Öffentlichkeit über Verzögerungen und gestiegene Baukosten. "Transparenz und Respekt gegenüber den Menschen im Frankfurter Westen sehen anders aus." Auch interessiere sie, "woher der OB eigentlich die jetzt genannten 11,4 Millionen Mehrkosten hernehmen will".

Dessen Sprecher Olaf Schiel erklärt dazu auf Anfrage dieser Zeitung: "Vereinfacht gesagt: Er geht zu seinem Kämmerer." Im Übrigen handele es sich ja um "Summen, die nicht sofort fällig werden - und die teilweise auch Gegenstand von Haushaltsgesprächen sind".

Zu den zusätzlichen Kosten stellt Schiel fest, "dass es ja nicht so sei, als ob sich da jemand unglaublich verrechnet hat". Es sei vielmehr bei jeder laufenden Sanierung von denkmalgeschützten Bauwerken ein "Grundproblem, dass sie immer neue Mängel feststellen". Das sei auch beim Bolongaropalast wieder der Fall. Und Bauverzögerungen kosteten nun mal Geld.

Hier wird's mal wieder teurer: Die Baustelle Bolongaropalast in der gestrigen Abenddämmerung.

Bolongaropalast in Frankfurt: Oberbürgermeister spricht von „Herausforderungen“

Die vom Oberbürgermeister angesprochenen "Herausforderungen" begleiten das Prestigeprojekt der Stadt seit langem: Die Fertigstellung des Bolongaropalastes wurde zum wiederholten Mal aufgeschoben. Zuletzt im Oktober des vergangenen Jahres. Als Grund dafür nannte Henning Brandt, Verwaltungsstellenleiter Höchst, damals "viele Kleinigkeiten und die technischen Ausbaugewerke wie Heizung, Klima, Elektrik, die ein bisschen nachhängen und wieder ihre Zeit benötigen".

Doch schon den nach Sanierungsbeginn von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) versprochenen Abschluss bis Ende 2020 konnte die Stadt nicht einhalten. Der Baugrund erwies sich als ungeeignet, um den notwendigen schweren Kran aufzustellen - die Fertigstellung wurde daraufhin auf das Jahr 2021 verschoben.

Bauarbeiten in Frankfurt: Fertigstellungstermin für Bolongaropalast mehrmals verschoben

Im November 2019 recherchierte diese Zeitung, dass im Amtsblatt der Stadt im Frühling 2019 Bauleistungen für den Palast ausgeschrieben waren, deren Ausführungsfrist bis zum März 2022 reicht. Das ließ den für den Westen zuständigen Ortsbeirat 6 (Goldstein, Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Unterliederbach, Zeilsheim) hellhörig werden und beim Magistrat nachhaken.

Die Auskunft war ernüchternd: Die Stadt hatte der Spezialtiefbaufirma gekündigt, da ein Gutachten deren Arbeiten im Untergeschoss für die geplanten Aufzüge als unzureichend einstufte. Zudem zeigten sich im Ostflügel, dem ältesten Teil des Gebäudes, zahlreiche schadhafte Stellen: Von Pilzbefall und Feuchteschäden war die Rede. (Michael Forst)

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