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Bolzplatzliga: Anstoß mit Andy Möller

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Von: Sabine Schramek

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Nichts verlernt hat Andy: Beim Start der Bolzplatzliga kickte er ganz locker mit dem Fußballnachwuchs.
Nichts verlernt hat Andy: Beim Start der Bolzplatzliga kickte er ganz locker mit dem Fußballnachwuchs. © Rainer Rüffer

Ex-Eintracht-Profi ist Schirmherr der Sportveranstaltung

Die gelben Trikots der kleinen Kicker aus dem Gallus sind so lang, dass die Jungs sie hinten verknoten, bevor der Ball rollt. Die vier Jungs treten gegen den "FC Schieß daneben!" aus der Innenstadt an. "Gib ab, gib ab", ruft einer der Jungs, bevor er den Ball bekommt und das Runde wie ein Profi ins Eckige schießt. Kinder jubeln und sind außer Rand und Band vor Freude, dass die Bolzplatzliga wieder losgeht.

Schirmherr und ehemaliger Weltklassefußballer Andreas Möller (54), der bis Anfang April das Frankfurter Nachwuchsleistungszentrum der Eintracht geleitet hat, kann sich selbst gut an seine Kindheit beim Bolzen erinnern. "Ich bin in Sossenheim aufgewachsen. Da haben wir immer gebolzt", erzählt er. "An der Siedlung war direkt ein Sportplatz, und als die SG Sossenheim neue Tore bekommen hat, haben wir die alten Holztore auf die Wiese gestellt und hatten so ein richtiges Fußballfeld."

Bis Saisonende

an die 50 Spiele

Den Bolzplatz im Gallus gibt es als Projekt der "Sozialen Stadt Frankfurt" seit 2007. Der Sportkreis Frankfurt kümmert sich um die jungen Nachwuchskicker. Denis Bambusek ist immer bei der Bolzplatzliga F43+ dabei. "Heute sind je zwei Teams vom Gallusprojekt und von der Inneren Mission aus der Innenstadt dabei", erzählt er. Sie spielen je zweimal zehn Minuten gegeneinander. Aus dem Gallus spielen heute nur Jungs, bei den "Gegnern" sind auch zwei Mädchen im Team dabei. "Vor Corona hatten wir sogar zwei reine Mädchenteams. Die müssen wir jetzt wieder aufbauen", so Bambusek.

Insgesamt 31 Teams seien für die Liga bisher gemeldet, weitere können sich noch bis Freitag anmelden. "Bis Ende der Saison gibt es bestimmt 40 bis 50 Spiele mit unterschiedlichen Altersgruppen zwischen U10 und U17." Gut 100 Bolzplätze zum Kicken sind laut Bambusek in Frankfurt vorhanden. "Da laufen auch mal drei bis vier Spiele parallel auf unterschiedlichen Plätzen", sagt er und ist stolz, dass auch während Corona gekickt wurde, wenn auch mit weniger Spielen. "Dieses Jahr ist wieder alles möglich", ist er erleichtert.

Nach der Schule

Zeit gehabt

Als Schiedsrichter sind junge Leute dabei, die früher selbst bei der Bolzplatzliga mitgespielt haben. Einer davon ist Hamza Otmani (20), der seit 2019 als Schiri dabei ist. "Ich war auch beim Siegerteam dabei", erzählt er strahlend. Jetzt kickt er beim FB Bosnier. Dass er Schiedsrichter ist, hat er Freunden zu verdanken, "die haben gesagt, ich soll das machen. Sie selbst haben keine Zeit mehr, ich nach der Schule schon", meint er lächelnd.

Der Sportkreis hat zum Jubiläumsjahr ein Pilotprojekt gestartet, das in die Europameisterschaft 2024 münden soll. Die Crespo Foundation ist dabei und das Projekt "Heartbeat Edutainment", das der Rapper und Musikproduzent Rico Montero als Social Start-up mit gegründet hat. "Es gibt zwei Dinge, die mich von der Straße geholt haben und mich weitergebracht haben", erzählt er den Kleinen. "Das Erste war Fußball. Da habe ich gelernt, was Teamgeist, Disziplin und sich Ziele zu setzen bedeutet. Das zweite war Musik. Ich bin im Tonstudio gelandet, statt Mist auf der Straße zu machen. Da entstanden zuerst Beats und daraus Musikproduktionen, die mir gezeigt haben, was ich bin, was ich mache und was ich will."

"Bolzplatzhymne"

komponieren

Mehr als 80 000 Kinder und Jugendliche hat Heartbeat Edutainment bisher auf die Bühne geholt. "Fußball und Musik - das setzt richtig gute Zeichen", ist sich Rico Montero sicher. In dieser Saison will er drei Jugendzentren besuchen und mit den Kids dort eine "Bolzplatzhymne" komponieren. "Zur 10. Saison wird es dafür auch höchste Zeit", sagt er lachend. Das Fußballspielen hat er aufgegeben. "Zum Profi hat es leider nicht gereicht." Zum Anstoß mit Möller auf dem Bolzplatz hat er sich sofort überreden lassen. "Das Kicken überlassen wir den Kindern", sind sie sich einig. Möller hat Schmerzen im Knie, Montero guckt lieber zu.

Die kleinen Fußballer haben riesigen Spaß. Sie trippeln, rennen, spielen sich zu und versenken jubelnd ein Tor nach dem anderen. Bambusek ist stolz auf die vielen motivierten Mannschaften. "Es geht mit viel Spaß und sehr fair zu. Voller Respekt und Toleranz. Das ist eine solide Basis für ein unbefangenes Miteinander in allen Lebensbereichen."

Sabine Schramek

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