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Stadtteil-Serie

Bonames: Viel besser als sein Ruf

Der Name Bonames geht mutmaßlich auf die alten Römer zurück und nimmt damit unter den vielen auf -heim und -bach endenden Stadtteilen Frankfurts eine besondere Position ein. Unter „bona mansio“ verstanden die Römer eine ansprechende Unterkunft, die mit einem Bad ausgestattet sein musste.

Der Name Bonames geht mutmaßlich auf die alten Römer zurück und nimmt damit unter den vielen auf -heim und -bach endenden Stadtteilen Frankfurts eine besondere Position ein. Unter „bona mansio“ verstanden die Römer eine ansprechende Unterkunft, die mit einem Bad ausgestattet sein musste.

Eine solche soll an der Kreuzung der Nord-Süd-Verbindung von der Mainfurt zur Saalburg und der Straße nach Karben gestanden haben, die für viele Reisende eine willkommene Anlaufstelle war. Schnell entwickelte sich um die Gaststätte im Bereich des heutigen Kirchhofwegs eine Siedlung, was Archäologen mit Hilfe von Funden im alten Ortskern belegen konnten.

Erstmals 1030 als „Bonemisi“ urkundlich erwähnt, erlebte das Dorf erst im ausgehenden Mittelalter einen Aufschwung durch Wollweber und Müller, die sich die Wasserkraft der Nidda zu Nutze machten. In den folgenden Jahrhunderten litt Bonames unter Misswirtschaft, Bränden und Kriegen. Die besondere Beziehung zu Frankfurt war bereits Ende des 16. Jahrhunderts ersichtlich: Mit vielen Finanzspritzen unterstütze die Metropole das Dorf, das in letzter Konsequenz 1910 schließlich eingemeindet wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg setzte unter anderem mit der Kriegsbeschädigtensiedlung (1921) und der damals noch zu Bonames gehörenden Siedlung Frankfurter Berg (1937) eine rege Bautätigkeit ein, die kontinuierlich vorangetrieben wurde. Im Jahr 1996 wurde die etwa 1,5 Kilometer entfernte Siedlung Frankfurter Berg ausgegliedert und bildet seitdem einen eigenen Stadtteil. Damit verlor Bonames den größten Teil seiner Fläche.

Das Viertel hat heute mit vielen Problem zu kämpfen. Zu nennen sind hier insbesondere die Plattenbausiedlungen mit ihrer schwachen sozialen Durchmischung im nördlichen Teil und die vor allem im Berufsverkehr überlastete Infrastruktur. Unser Reporter Michael Faust hat sich im Stadtteil umgesehen.

Im Süden hat sich Bonames seinen dörflichen Charakter bewahrt. Insbesondere der Bereich der südlichen Ortseinfahrt mit dem Blick auf die historischen Gebäude und die Pfarrkirche haben nur wenig mit den üblichen Skyline-Motiven von Frankfurt gemein. Fachwerkhäuser sowie die Traditionslokale „Goldene Gerste“ und „Zum Goldenen Einhorn“ prägen das Bild nahe des historischen Ortskerns, das sich erheblich von dem nur wenige hundert Meter entfernten, von moderneren Gebäuden und Plattenbauten dominierten Norden unterscheidet.

Schöner wohnen ist grün“ lautet der Slogan einer Wohnungsbaugesellschaft, die Hochhäuser am Ben-Gurion-Ring besitzt – der aber nur zum geringsten Teil im Norden von Bonames liegt, sondern großteils im Süden von Nieder-Eschbach. Neben der öden Bebauung leidet das Areal unter üblichen Problemen: Die geringe soziale Durchmischung und die überdurchschnittlich hohe Kriminalitätsrate prägen es – was für Ortsunkundige so manches Klischee erfüllt.

Seit 2016 betreibt das Diakonische Werk im Auftrag der Stadt eine Flüchtlingseinrichtung mit rund 350 Plätzen auf dem Alten Flugplatz. Das Projekt war bei den Anwohnern umstritten und ging durch die Instanzen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof sah keine Verletzung nachbarlicher Belange und keine Gefahr für das Landschaftsschutzgebiet – seitdem haben sich die Wogen geglättet.

Noch heute existieren Reste der einstigen Stadtmauer, die teilweise sogar in Originalhöhe die Zeit überdauert haben. Die spätgotische Wehrmauer mit ihren ehemals zwei Torbauten und elf Türmen wurde ab 1413 zur Sicherung von Bonames angelegt. Sie verläuft an manchen Stellen zwischen kleinen Wohnhäusern. Geschickt haben einige Hausbesitzer das historische Bauwerk in Vorgärten integriert.

Der Nordpark ist neben dem Alten Flugplatz ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die 1968 eröffnete, rund sieben Hektar große Anlage besitzt einen Grillbereich, Sportplätze und einen Naturspielbereich mit einem Hügel, Sitzrondells aus Findlingen und Baumstämmen in einer Wildwiese. Zudem ist der Park auch die Heimat des „Herrn Sondermann“, eine vom famosen Karikaturisten Bernd Pfarr erfundene Figur mit dem Namen des Titanic-Gründers Gerhard Sondermann. Die Skulptur reiht sich ein in andere Werke der komischen Kunst im Grüngürtel.

Nicht allzuviel Geschichtsbewusstsein entwickelten die zuständigen Behörden bei der Bewahrung der Niederungsburg Bonames nahe des alten Ortskerns. Nur wenig lässt dort heute auf die einstige Bebauung im Mittelalter schließen. Die ehemaligen Mauerzüge sind nur anhand der Pflasterung des Hofs eines modernen Wohnkomplexes zu erahnen. Die archäologische Substanz dürfte durch die zugehörige Tiefgarage unwiederbringlich zerstört sein. Lediglich einige Schaukästen informieren über die Ausgrabungen der Ruine, deren Erbauung sich auf das 13. Jahrhundert datieren lässt.

Im Laufe der letzten einhundert Jahre wurde Bonames kontinuierlich erweitert. Meist erfolgte der Ausbau durch Siedlungen, die dem jeweiligen Zeitgeist und den jeweiligen Bedürfnissen entsprachen. In den 1980er Jahren kam so unter anderem das Neubaugebiet namens „Häuser im Park“ dazu. Diese vier Wohnblöcke, gebildet aus mehreren Reihenhäusern, stehen in der hufeisenförmigen Ludwig-Ruppel-Straße. Namensgeber hier war Ludwig Ruppel, der letzte Schultheiß von Bonames.

Ende des 15. Jahrhunderts wurde die evangelische Kirche innerhalb der Stadtmauern als Wehrkirche erbaut; davon zeugen   die dicken Mauern. Im 30-jährigen Krieg wurde das Kulturdenkmal schwer beschädigt und Mitte des 17. Jahrhunderts instandgesetzt. Seitdem hat es sich kaum verändert.

Die Homburger Landstraße ist die Lebensader des Stadtteils und zugleich ihr Sinnbild für ungelöste infrastrukturelle Probleme. Zur Hauptverkehrszeit wälzt sich durch diese wichtige Nord-Süd-Verbindung eine gewaltige Blechlawine aus Pendlern und Anwohnern. Verschärfend kommt noch der Rückstau des Bahnbetriebs hinzu. Der Verkehrsfluss wird regelmäßig durch die kreuzenden U-Bahnlinien U 2 und U 9 unterbrochen. Die vor Jahren stillgelegte und für Bonames günstige Anschlussstelle an die A 661 muss indes dauerhaft zurückgebaut werden. Ein für Bonames schlüssiges Verkehrskonzept ist maßgeblich vom Ausbau der A 661 abhängig – aber  auf absehbare Zeit nicht in Sicht.

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