Marie Duckek und Chris Langefeld stehen am "Bordsteinblitz". Mit dem VW-Bus fahren sie durch den Stadtteil, um die Jugendliche zu betreuen.
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Marie Duckek und Chris Langefeld stehen am "Bordsteinblitz". Mit dem VW-Bus fahren sie durch den Stadtteil, um die Jugendliche zu betreuen.

Frankfurt: Jugendarbeit

Mit dem "Bordsteinblitz" zu den Jugendlichen

  • vonAnne-Rose Dostalek
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Die Sozialarbeiter Marie Duckek und Chris Langefeld sind mit einem VW-Bus im Stadtteil unterwegs

Preungesheim -Marie Duckek und Chris Langefeld schultern ihren Rucksack. Ihren in leuchtenden Graffitifarben angemalten VW Bus "Bordsteinblitz" lassen die beiden Sozialarbeiter an diesem Tag stehen, denn es geht in die unmittelbare Nachbarschaft, in die Grünanlage "Rolli" mit Spielplatz, Sitzbänken und ehemaliger Rollschuhbahn. Sie wollen dorthin, wo sich im Stadtteil die Jugendlichen treffen, sie kennenlernen, mit ihnen reden, Angebote für die Freizeit machen und Hilfe anbieten, wenn es Probleme gibt.

Es ist ein Neustart der "Aufsuchenden Jugendarbeit" des Vereines "Jugendhilfe und Jugendberatung" gleich in doppelter Hinsicht, denn Duckek (27) und Langefeld (31) haben ihre Sozialarbeiter-Stellen erst im Frühjahr angetreten und sind gleich in die Corona-Zwangspause geraten. "Wir haben in dieser Zeit ganz viel Netzarbeit gemacht, Kontakt zu benachbarten Jugendhäusern aufgenommen, geschaut, welche Akteure es sonst noch gibt und was im Stadtteil los ist", sagen die beiden.

Corona hat ihre Arbeit verändert. "Das ist eine krasse Herausforderung", sagen die beiden, die Kontaktaufnahme sei viel schwieriger geworden. Aber seit Anfang Juni dürfen sie wieder das tun, worauf sie sich gefreut haben, was den Kern ihrer Arbeit ausmacht: Unterwegs sein in den Straßen von Preungesheim und Station machen an beliebten Treffpunkten. Mal motorisiert mit dem "Bordsteinblitz", mal zu Fuß und mit Rucksack. Sie reden mit den Jugendlichen, selbstverständlich unter Einhaltung des Abstands, der Hygieneregeln und je nach Notwendigkeit mit Mund-Nasen-Schutz. Die sozialen Treffpunkte im Stadtteil sind neben dem "Rolli" in der Karl-Kirchner-Siedlung auch der Gravensteiner Platz im Neubauviertel "Frankfurter Bogen", ein mit Sitzbänken ausgestattete Grünstreifen genannt "die Welle" und Haltepunkte etwa in Alt-Preungesheim und der Walter-Kolb-Siedlung.

Wenn die Wundertüte ausgepackt wird

Eine zentrale Rolle spielt dabei ihr "Bordsteinblitz", denn er erweckt Aufmerksamkeit. "Wenn der Bus dasteht, wissen die Jugendlichen, dass die "Aufsucher" da sind", erklärt Duckek. Der Bus ist auch die Wundertüte, aus der die beiden Sozialarbeiter schnell Sitzbänke und einen Tisch auspacken können. Bälle sind hintendrin verstaut und ein Laptop ist mit im Gepäck. Der "Bordsteinblitz" soll bei Bedarf mobiles Büro sein, ausgestattet mit Wlan und geschützter Gesprächsraum.

Duckek und Langefeld sind zuversichtlich, dass es ihnen gelingen wird, Kontakt zu Jugendlichen aufzunehmen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dass sie dafür einen langen Atem brauchen, wissen sie. Langefeld setzt auf das Interesse an sportlichen Aktivitäten, würde gerne mit den Jungs und auch den Mädchen zum Sportpark Preungesheim gehen und dort eine Runde Basketball oder Beach-Volleyball spielen. "Wir fragen die Jugendlichen, was sie wollen, woran sie Interesse haben", sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der im zweiten Bildungsweg das Abitur machte und dann studierte. Nach dem Bachelor Abschluss in Soziale Arbeit macht er jetzt zusätzlich sein Anerkennungsjahr als Berufspraktikant.

Marie Duckek hat in Deutschland und im Ausland studiert und Berufserfahrung in verschiedenen Feldern erworben. Sie ist offen und neugierig auf das, was die Jugendlichen sich wünschen. "Wir können beraten und begleiten, wenn es um Probleme mit Schule oder Ausbildung geht", sagt sie und hat schon erste Gespräche geführt. Auch wenn es um Konflikte in der Familie gehe, mit Freunden und Freundinnen, um Beziehungen und Sexualität, seien sie Ansprechpartner. Dass das angebotene Graffiti-Projekt anlaufen konnte, freut Duckek besonders. Immer mittwochs fährt sie jetzt mit Jugendlichen in die Naxos-Werkstatt.

Ein fester Wochen- und Tagesablauf strukturiert die Arbeit von Duckek und Langefeld. Vormittags zwischen 10 und 13 Uhr sind sie im Nachbarschaftsbüro in der Wegscheidestraße 32a anzutreffen. Ab 13 Uhr bis in den Nachmittag sind sie unterwegs im Stadtteil oder bieten ein Projekt an.

"Wir kommunizieren das aktuell über die sozialen Medien, Facebook und Instagram", sagen die beiden. Anne-Rose Dostalek

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