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Restauration des Gefallenendenkmals.

Restauration

Auf Spurensuche am Gefallenendenkmal

  • vonGernot Gottwals
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Andreas Heimbrock restauriert den Obelisken auf dem Bornheimer Germaniaplatz.

Frankfurt - Zuweilen arbeitet Restaurator Andreas Heimbrock wie ein Detektiv oder gar wie ein Arzt. So auch bei der Restaurierung des Bornheimer Gefallenendenkmals vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wenn er auf Spurensuche nach verlorenen Ritterkreuzen geht, die Diagnose zur Behandlung des porösen Sandsteins und der Marmorplatte stellt und mit einem Freilegemesser zu Werke geht, das wie das Skalpell eines Chirurgen funktioniert.

Seit zwei Monaten restauriert Heimbrock im Zweier- oder Dreierteam der Firma Stein Technik Busch den Obelisken im Auftrag des Kulturamtes. Bis Anfang November solle sie abgeschlossen sein soll, erklärt Snejanka Bauer vom Amt. "Der Fortschritt unserer Arbeit ist jedoch wetterabhängig", ergänzt die Restauratorin Margit Busch. So konnte etwa an den Regentagen der vergangenen Woche nur sehr unregelmäßig gearbeitet werden.

Zaun soll vor Kindern schützen

Doch im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) freut man sich, dass nach früheren, vergeblichen Versuchen die Restaurierung endlich vorangeht. In einem Antrag für die kommende Sitzung fordert Peter Schmidt (Die Frankfurter, dFfm) den Ortsbeirat auf, die auf 15 000 Euro geschätzte Restaurierung mit einem angemessenen Betrag aus dem eigenen Etat zu unterstützen. "Außerdem sollte das Denkmal durch einen Zaun vor herumturnenden Kindern vom benachbarten Spielplatz geschützt werden", sagt Schmidt. Schließlich soll eine Informationstafel an der Schauseite über die Umstände der Aufstellung 1874 durch den Kriegerverein und die Gemeinde Bornheim und die nicht mehr lesbaren Namen auf der Marmorplatte informieren.

Doch bis dahin sind an dem Denkmal noch viele Feinarbeiten zu leisten. Die Diagnose lautete: Schalenbildung. Denn roter Sandstein ist als Sedimentgestein witterungsanfällig, saugt Wasser wie ein Schwamm auf und baut im Steingefüge einen Druck auf, der zu Absandungen, Absprengungen, Rissbildungen und einer schalenförmigen Ablösung der Oberfläche führen kann. Zudem müssen Moose und Algen entfernt werden. Mit seinem Messer legt Heimbrock die beschädigten Stellen frei, verfüllt Risse mit einem speziellen Injektionsmörtel und ergänzt fehlende Stücke mit einem weiteren, farblich passenden Spezialmörtel. "Da wir die nur 1,5 Zentimeter dünne Marmorplatte nicht abnehmen und in der Werkstatt restaurieren können, musste sie für die Arbeiten am Denkmal zusätzlich abgesichert werden", erklären Heimbrock und Bauer.

Die Hoffnung, die verwitterten Gedenkinschriften wieder besser lesbar zu machen, erfüllt sich nicht. "Die Buchstaben wurden drei bis fünf Millimeter tief keilförmig eingeschlagen, doch durch die starke Rückwitterung des sauren Regens bleibt leider nur der Schriftgrad erkennbar", bedauert Heimbrock.

Glücklicherweise hat der Vorsitzende des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim Bernhard Ochs die Inschriften dokumentiert und recherchiert, als sie noch gut lesbar waren. Sie erinnern an die Musketiere Johann Caspar Schäfer, Johann Friedrich Reitz und den Füsilier Johann Jacob Glauer. "Letztlich waren sie ja Opfer des Krieges 1870/71 gegen Frankreich, da sie sich dem Einsatz an der Front nicht verweigern konnten", findet Schmidt. Auch dies sollte in dem zwischen Bürgerverein, Ortsbeirat, Kulturamt und Institut für Stadtgeschichte abzustimmendem Text auf der Informationstafel berücksichtigt werden.

Nicht mehr zu ersetzen sind Schmuckelemente an der Denkmalspitze. "Vermutlich Ritterkreuze mit Lorbeerkränzen, die Konturen sind noch erkennbar", sagt Bauer. Schmidt verweist auf eine 1932 enthüllte, vermutlich von Metalldieben entwendete Ehrentafel zum 60. Jubiläum des Kriegervereins Bornheim. Am Stein unter der Tafel und auf der Marmorplatte sind noch anarchistisch anmutende Graffiti vermutlich eines Denkmalsturms zu entfernen. "Um dieses Denkmal zu verstehen, braucht man sogar kriminalistisches Gespür", stellt Bauer fest. Gernot Gottwals

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