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Bürgerstimmen

Bornheim: Die Bernemer haben viele Sorgen

  • vonBrigitte Degelmann
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Ärger über Anwohnerparken, eine fehlende öffentliche Toilette und viel Müll.

Premiere beim "Bernemer Gespräch": Zum ersten Mal hat die Veranstaltung, die regelmäßig von der SPD Bornheim organisiert wird, unter freiem Himmel stattgefunden. Wegen der Corona-Pandemie lud man am vergangenen Freitag auf dem Fünffingerplätzchen zur Gesprächsrunde. Das Thema: "Berger Straße - wie geht's?"

Diese Frage spielte allerdings kaum eine Rolle. Stattdessen mutierte die Veranstaltung schnell zu einer offenen Bürgersprechstunde, bei der sich Uli Labonté, Vorsitzender der SPD Bornheim, seine Stellvertreterin Arijana Neumann und Annette Ludwig, Beisitzerin des Ortsvereins, die Sorgen und Nöte von Passanten anhörten. Etwa zum Bewohnerparken, das seit Januar in dem Stadtteil eingeführt wird, um zu verhindern, dass Pendler und Langzeitparker die Stellplätze blockieren. Zwar können diejenigen, die in den betreffenden Zonen ihren Hauptwohnsitz haben, für 50 Euro einen Parkausweis beantragen. Für ihre Besucher fallen jedoch Parkgebühren an. Und zwar nicht zu knapp, ärgerte sich eine Anwohnerin aus der Dorfelder Straße. 24 Euro in Münzen brauche man, um die Parkscheinautomaten einen Tag lang zu füttern. Kreditkarten würden nicht akzeptiert, ein Tagesticket gebe es nicht. Ab 19 Uhr sind die Stellplätze dagegen gebührenfrei, was dazu führe, dass sie von Kneipenbesuchern zugeparkt würden, kritisierte eine weitere Anwohnerin aus der Eichwaldstraße. Grundsätzlich sei sie für das Anwohnerparken, sagte sie: "Aber es funktioniert nicht."

Die drei SPD-Kommunalpolitiker verteidigten das Konzept. Frankfurt sei eine der wenigen Großstädte Europas, in der das Parken in innenstadtnahen Stadtvierteln bisher nichts koste. Das müsse sich ändern, auch aus ökologischen Gründen. Sie räumten jedoch ein, dass das Konzept Schwachstellen habe. Anfang November hätten Vertreter der SPD Bornheim einen Termin bei Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), kündigte Uli Labonté an: "Dann tragen wir ihm die Beschwerden vor."

Eine weitere Passantin übte Kritik am Bauprojekt "Günthersburghöfe". Dort werde eine "grüne Lunge" der Stadt niedergemacht. Arijana Neumann verwies darauf, dass das Vorhaben inzwischen umgeplant worden sei: Es werde mehr sozial geförderte Wohnungen sowie mehr öffentliches Grün geben. "Wir können nicht nur in den Außengebieten verdichten, sondern müssen das auch in der Innenstadt tun", sagte Neumann.

Der Betreiber eines Sonnenstudios am Fünffingerplätzchen deutete auf eine Parkbank vor seinem Geschäft, die vor nicht allzu langer Zeit dort aufgestellt worden sei: Inzwischen sei sie "ein Hotspot für Dreck", weil es dort keinen Mülleimer gebe. "Wir werden das fotografieren, dokumentieren und weiterleiten", versprach Annette Ludwig. Allerdings, gab sie zu bedenken, trügen in solchen Fällen letztlich alle ein Stück Verantwortung: "Wenn da kein Abfalleimer steht, muss man keinen Müll hinwerfen." Darüber hinaus regte der Geschäftsmann an, vielleicht eine öffentliche Toilette auf dem Fünffingerplätzchen zu installieren. Täglich kämen mindestens zehn Passanten in sein Sonnenstudio, auf der Suche nach einem stillen Örtchen. Manche erleichterten sich sogar an den Bäumen auf dem Platz.

SPD-Ortsbeirätin Ortrud Seifert informierte, dass das Areal in absehbarer Zeit wohl umgestaltet wird. Ein entsprechender Antrag sei in Vorbereitung. Im Gespräch seien neue Bänke, ein öffentlicher Wasserspender, ein Schach-Tisch und Blumenschmuck. Auch über ein mögliches Alkoholverbot auf dem Fünffingerplätzchen werde man in diesem Zusammenhang wohl diskutieren, ergänzte Uli Labonté. Er informierte außerdem über Bemühungen, ein leerstehendes Gebäude neben dem Rewe-Supermarkt den Bornheimer Vereinen zur Verfügung zu stellen. Allerdings sei bisher nicht klar, wer das Haus überhaupt verwalte.

Eine Frau klagte über die hohen Mieten in Bornheim, was dazu führe, dass immer mehr Menschen umziehen müssten. Damit sprach sie den drei SPD-Politikern aus der Seele. "Die Strukturen im Wohnungsmarkt müssten dringend geändert werden", forderte Uli Labonté. "Die Lösung wäre eine Sozialisierung von Grund und Boden. Wenn das Thema Wohnen so weitergeht, werden hier keine alten Bornheimer mehr wohnen können. Und das will hier keiner." Brigitte Degelmann

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