Margit Rau fühlt sich benachteiligt. Sie hat einen Garten "An den Röthen", darf dort aber nicht mehr kostenfrei parken. Tickets kosten sie rund 50 Euro im Monat.
+
Margit Rau fühlt sich benachteiligt. Sie hat einen Garten "An den Röthen", darf dort aber nicht mehr kostenfrei parken. Tickets kosten sie rund 50 Euro im Monat.

Parkplätze

Bornheim: Keine Regel ohne Ausnahme

  • vonKatja Sturm
    schließen

Anwohner im nördlichen kämpfen gegen die neuen Parkzonen.

Bornheim -Der Ortsbeirat 4 sammelt Fälle, in denen es notwendig erscheint, Ausnahmegenehmigungen für Parkzonen zu bewilligen, die seit Beginn des Pilotprojektes im nördlichen Bornheim in diesem Jahr ohne die stündlichen Parkgebühren Anwohnern mit entsprechendem Ausweis vorbehalten sind. Das beschloss das Stadtteilgremium auf seiner jüngsten Sitzung. Mit dem entsprechenden Katalog werde man in ein geplantes Gespräch mit dem Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) gehen, um Lösungen zu finden, erklärte Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) im Bürgerhaus Bornheim.

Vorausgegangen waren in der Bürgerfragestunde mehrere Beschwerden über die aktuelle Regelung. So beklagte Margit Rau, dass sie in der Straße "An den Röthen" nun zwei Euro pro Stunde zahlen müsse, wenn sie Zeit in ihrem nahe gelegenen Garten verbringen will. Ihr Mann könne wegen Hüftproblemen nur noch kurze Strecken zu Fuß bewältigen. Zudem hätte die Leiterin einer Selbsthilfegruppe für schwerstkranke Menschen deren Mitglieder während der sonnigen Tage der Coronavirus-Krise gerne zu den regelmäßigen Treffen auf ihr Grundstück eingeladen. Freie Parkplätze hätte es zu den infrage kommenden Stunden genügend gegeben. "Wir hätten niemanden gestört", sagte Rau.

Für das Geschäft von Andreas Bornmann, der seit 25 Jahren zusammen mit seiner Frau in der Eberhardstraße einen Betrieb für orthopädische Schuhe führt und für diesen Material anliefern muss, ist die Situation eigenen Aussagen nach existenzgefährdend. Als der Chef von 17 Mitarbeitern wegen eines Handwerker-Parkausweises vorstellig wurde, sei dem Orthopädieschuhmachermeister mitgeteilt worden, er übe ja "kein klassisches Handwerk" aus. "Ohne Ausweis kann ich mein Geschäft zuschließen", sagte Bornmann.

"Wir haben solche Probleme im Ortsbeirat vorhergesehen", sagte Grünen-Vertreter Martin Ried. Anwohnerparken ohne Ausnahmen dürfe es nicht geben. "Wir lehnen es ab, dass das kleine Gewerbe in Bornheim kaputtgemacht wird." Gerade die Kombination aus Wohnen und Gewerbe mache den Stadtteil aus. "Wir wollen nicht, dass das hier ein reines Wohngebiet wird."

Die anderen Fraktionen sahen das ähnlich. Allein die SPD sprach sich in Person des Vorsitzenden Darius Shafiei gegen eine Passage des verabschiedeten Antrags auf Ausnahmen bei der Umsetzung der Parkraumbewirtschaftung aus, nach der Fahrzeuge von Pendlern, die eine Anstellung bei einem in der Bewohnerparkzone ansässigen Betrieb haben, vom Arbeitgeber als gewerblich angemeldet werden dürfen. "Das geht uns zu weit", sagte Shafiei, der Missbrauch fürchtet. Katja Sturm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare