Senioren sind abgehängt

Bornheim: Neue Route für Buslinie 38 gefordert

Viele Senioren im Norden Bornheims fühlen sich ausgeschlossen vom Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs. Weil sie zu Bus und Bahn weite Strecken laufen müssen, wurde im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) nun gefordert, eine neue Route für die Buslinie 38 einzuführen.

Der Stadtteil Bornheim hat drei U-Bahn-Stationen und noch viel mehr Trambahn- und Bushaltestellen. An manchen Orten im Stadtteil aber ist das „Lustige Dorf“ mitunter noch wirklich ein Dorf, doch vor allem die Senioren finden das wenig lustig. Denn Teile des alten Ortskerns von Bornheim sind aus Sicht der älteren Mitbürger dort nur schlecht ans Netz des öffentlichen Personennahverkehrs angebunden. Vielen Senioren sind die Wege zu Bus- und Bahnhaltestellen zu weit.

Allein in der Altenwohnanlage der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in der Falltorstraße sowie in den umliegenden Straßen leben Hunderte ältere Frankfurter, die gerne noch am öffentlichen Leben teilnehmen und den Stadtteil auch mal verlassen möchten. Doch die Busanbindung macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Anwohnerin Heidi Breuer und Monika Dembinski, die in der Awo-Altenwohnanlage in der Falltorstraße arbeitet, wollen Frankfurts Nahverkehrsunternehmen nun zum Handeln bewegen. Jüngst forderten beide eine leicht veränderte Route für die Buslinie 38 zwischen dem Atzelbergplatz in Seckbach und dem Panoramabad in der Inheidener Straße in Bornheim.

„Viele der älteren Menschen im Norden des Stadtteils möchten gerne zum Rewe oder zum Wochenmarkt in der Berger Straße einkaufen gehen. Doch die 600 bis 700 Meter dorthin sind ihnen zu weit. Sie wollen mobil sein, zum Beispiel Ausflüge unternehmen, aber der Weg zu Bus- und U-Bahn-Haltestellen ist ihnen zu beschwerlich“, sagt Dembinski.

Sie und ihre Mitstreiterin Breuer fordern daher, dass die Buslinie 38 auf ihrer Route vom Panoramabad nach Seckbach einen Schlenker durch die Buchwaldstraße und die Falltorstraße macht, um dann von der Löwengasse wieder auf die übliche Strecke der Kettelerallee zu fahren.

An der Ecke Falltorstraße/Buchwaldstraße könnte aus Sicht von Breuer und Dembinsiki eine Bushaltestelle geschaffen werden. Jene neue Route, so Breuer, hätte auch den Vorteil, dass die Buslinie 38 nicht durch manch enge Einbahnstraße im Stadtteil fahren muss, wie sie es derzeit tut.

Keine große Hoffnung machen den beiden Damen die Fraktionen im Ortsbeirat 4. „Ich glaube nicht, dass diese Alternativroute möglich ist“, sagt SPD-Fraktionssprecher Darius Shafiei-Mehryar, „der Bus käme in den genannten Straßen nicht um die Ecken, außer wenn Grünflächen entfallen.“ Ähnlich sieht es Bodo Pfaff-Greiffenhagen (CDU), der zwar vorschlug, die Forderung von Breuer und Dembinski von der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq prüfen lassen zu können. Die Erfolgsaussichten aber schätzt er als nicht allzu hoch ein. Pfaff-Greiffenhagen macht stattdessen den Vorschlag, die Awo könne für Senioren einen Shuttle-Bus-Service anbieten, um die Senioren zum Einkaufen zu fahren.

Da ein solcher Shuttle-Bus jedoch nicht annähernd so häufig getaktet fahren könnte wie ein üblicher Linienbus, hält Dembinski ein solches Angebot für „nicht sinnvoll“: „Die Senioren möchten eine autonome Beweglichkeit und nicht zu seltenen, festen Zeiten fahren.“

Weil die Buslinie 38 aus Sicht von Breuer jedoch selten voller Fahrgäste ist, hat sie den Ortsbeirat gebeten, die Auslastung der Buslinie prüfen zu lassen. „Vielleicht stellt sich dabei heraus, dass es zwischen Bornheim Mitte und Panoramabad gar keinen so großen Bus braucht“, findet sie. Ein kleinerer Bus könne dann auch jenen Teil Bornheims bedienen, der vom öffentlichen Personennahverkehr etwas abgehängt ist.

Laut Aussage von Traffiq-Sprecher Klaus Linek braucht Bornheim weder einen kleineren Bus noch eine zusätzliche Haltestelle. „Der Stadtteil ist ausgezeichnet erschlossen, es gibt keine Bedienungslücken“, berichtet Linek, der zudem darauf verweist, dass sich die Fahrtzeit der Linie 38 verlängern würde, komme eine Bushaltestelle hinzu.

Linek widerspricht auch der Behauptung, dass die Linie 38 selten ausgelastet sei: „Sie ist eine unserer starken Linien und vor allem zwischen Bornheim Mitte und dem Atzelberg meist ausgelastet. Der Einsatz eines Kleinbusses ist nicht vorstellbar.“

Der Traffiq-Sprecher kann sich aber vorstellen, die Nahverkehrsanbindung in Teilen Bornheims prüfen zu lassen. Das fordern auch die SPD und die Grünen im Ortsbeirat 4. Über entsprechende Anträge möchten beide Fraktionen in der Sitzung des Ortsbeirats 4 am morgigen Dienstag, 7. Februar, im Saalbau Bornheim, Arnsburger Straße 24, abstimmen lassen. Beginn ist um 19.30 Uhr.

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