Auf die Kerb: Peter Schmidt (l.) und Kevin Aniolek mit den Fläschchen.
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Auf die Kerb: Peter Schmidt (l.) und Kevin Aniolek mit den Fläschchen.

Bernemer Kerb

Bornheim: Ein Schnaps zur Feier der Kerb

  • vonSabine Schramek
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Als Trost gibt's Birkenbäumchen und Hochprozentiges mit Cranberry und Rum

Bornheim -Dass die Bernemer Kerb abgesagt wurde, macht viele fassungslos. Vom 7. bis 12. August wäre normalerweise zum 413. Mal in Folge der Teufel los in Bernem. Diesmal nicht. Peter Schmidt hat dennoch einen Kerbeschnaps 2020 brennen lassen. Aus Cranberry und Rum, 20-prozentig und mit dem Schriftband "Stolen by Covid-19".

Die Gastronomen in Bornheim sind sich einig. "Wenn man schon nicht feiern kann wie sonst, dann wird eben das Dorf trotzdem geschmückt", sagt Peter Schmidt (50). Vor seinem Laden "Edelbrände-Spirituosen & mehr" stehen Birkenbäumchen im weißen Plastikeimer. Die rot-weißen Bändchen kommen später dran. Auf dem Arm trägt er große pinkfarbene Kartons voller kleiner Fläschchen mit dunkelroter Flüssigkeit. Schmidt grinst. "Das ist der Kerbeschnaps. Irgendwas muss ja her." In einer Brennerei in Amorbach hat er den Schnaps brennen lassen.

140 Pflanzen im Wald geholt

Morgens waren Kerbeburschen im Wald und haben 140 Birkenbäumchen gefällt. "Auch ohne Party muss Bernem zur Mikro-Kerb schön sein." Mehr als 70 Privatleute, Geschäftsleute und Gastronomiebetriebe haben sich Bäumchen gekauft und schon am Donnerstagnachmittag aufgestellt. Auf den großen Kerbebaum wird dieses Jahr wegen Corona verzichtet.

Ein Bornheimer Pärchen läuft flink Richtung Marktplatz. "Wir brauchen noch rote Füße für unsere Bäumchen", rufen sie Schmidt fröhlich zu. Das Gefühl für Schmidt bleibt trotzdem komisch. "Ich bin seit 55 Jahren jedes Jahr auf der Kerb, seit 20 Jahren mit eigenem Stand. Ich kann mir das noch gar nicht richtig vorstellen", so der Kassierer der Kerbegesellschaft. Die Mini-Schnäpse werden in Lokalen und Geschäften für 2 Euro pro Stück verkauft. Schmidt selbst trinkt keinen Alkohol, kennt aber die Bornheimer aus "meinem Kiez". Nicht nur er, sondern auch andere lassen sich vieles einfallen - Corona zum Trotz. Im Dorfstadl gibt's Kerbegulasch, in der Johanniskirche am 9. August einen Kerbegottesdienst. Beim Wein Dünker gibt es Kölsch vom Fass, am 10. und 11. August Muschelessen und am Kerbemittwoch das legendäre Matjesessen. Im Alten Schlagbaum wird der Kerbe- Kranz serviert - aus zehn Bier plus einem. Sogar einen Mini-Umzug soll es laut Schmidt am Samstag geben. "So richtig Mikro mit drei Wagen und einem Traktor." Der Treffpunkt ist um 14 Uhr.

Was es sonst noch alles geben wird, bleibt offen. Noch basteln und überlegen die Geschäftsleute und Gastronomen. Im Weiss Gold gibt es Bier vom Fass, bei Schmidt drei Kerbe-Cocktails aus der Tür heraus. "Alle Corona-Vorschriften werden natürlich eingehalten", sind sich alle einig. Tische mit Abstand, Verkauf mit Mundschutz.

"Vereine werden sicherlich auch mal vorbeikommen. Wer und wie, das wissen wir noch nicht. Auf jeden Fall lassen wir uns die gute Laune nicht verderben", sagt auch Kevin Aniolek (26), der im Weiss Gold als Servicekraft arbeitet. "Lecker", sagt er.

Jeder hilft jedem gerne

Schmidt erzählt, dass die Bernemer während Corona noch enger zusammengewachsen sind. "Jeder hat jedem geholfen. Wer etwas von einem Kollegen gebraucht hat, hat es bekommen. Das ist halt mein Bornheim."

Fußgänger bleiben vor den Bäumchen stehen und lächeln. "Gibt's doch die Kerb?", fragt eine ältere Dame und bewundert die Stämmchen voller Blätter und Schleifen. "Leider nein, aber wir wollen es doch trotzdem schön haben", antwortet Schmidt. "Auch beim Bummeln kann die Kerb schön sein. Wir sind da." Die Kerbeburschen der Bernemer KG haben um 15 Uhr schon alle 140 Bäumchen ausgefahren. Aus einem Auto ruft eine Frau "Baum hoch, Baum hoch". Schmidt lacht verschmitzt. sabine schramek

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