Der neue Radwegweiser ist ein Aufreger in Bornheim. Auch Bernhard Ochs fordert, dass er versetzt wird, weil er beim Wochenmarkt den Ständen im Weg ist.
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Der neue Radwegweiser ist ein Aufreger in Bornheim. Auch Bernhard Ochs fordert, dass er versetzt wird, weil er beim Wochenmarkt den Ständen im Weg ist.

Schilderwahnsinn

Bornheim: Was für ein Schildbürgerstreich!

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Mast samt Beschilderung stört während des Wochenmarktes, nun wird ein alternative Standort gesucht.

Bornheim -Idiotisch. Mehr fällt Bernhard Ochs zum neuen Radwegweiser in der Fußgängerzone in Bornheim nicht ein. "Hier stehen doch normalerweise während des Wochenmarktes zwei Stände. Der Wegweiser ist hier fehl am Platz und muss sofort wieder weg", fordert Ochs, der als Vertreter für "Die Frankfurter" im Ortsbeirat 4 (Bornheim, Ostend) sitzt.

Beschicker, Veranstalter des Marktes und selbstverständlich auch Geschäftsleute und die Bornheimer hätten angesichts des Standortes nur mit dem Kopf geschüttelt, berichtet Ochs. Die Aufregung jedenfalls sei groß gewesen am Markttag. Nur weil die Stände angesichts der Corona-Pandemie derzeit noch etwas luftiger stünden und einige Beschicker zudem wegen Urlaubs abwesend gewesen seien, stelle der Wegweiser derzeit kein Problem dar. "Aber was ist, wenn alles wieder ganz normal läuft?", fragt Ochs. Er hat gestern eine Anfrage an den Magistrat formuliert. Ein zentraler Punkt ist die Frage, wer das zu verantworten hat.

Alternativstandort in 50 Metern Entfernung

"50 Meter weiter in Höhe der U-Bahn-Station an der Saalburgstraße hätte der Wegweiser besser hingepasst", sagt Ochs. Er betont, dass er nichts gegen die Wegweiser, die für Radfahrer eine tolle Orientierungshilfe seien, einzuwenden habe. Nur mit dem Standort habe er ein großes Problem. Warum die Montage heimlich, still und leise erfolgte und nicht angekündigt worden sei, versteht er nicht. Mast samt Schilder seien vergangenen Dienstag einfach aufgestellt worden. "Das ist eine Spitzen-Kommunikation", kritisiert der Ortsbeirat. Auf Nachfrage hätten ihm Ortsvorsteher Hermann Steib (Grüne) und Franz Steul, Vorsitzender des Gewerbevereins Bornheim Mitte, bestätigt, dass auch sie nichts davon gewusst haben, sagt Ochs. Auch weder bei der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt GmbH, die auch den Wochenmarkt in Bornheim veranstaltet, noch bei der Markthändlervereinigung habe niemand Kenntnis davon gehabt. Zwei des Trios hätten schon ihr Veto eingelegt.

Unkompliziert aus der Welt zu schaffen

Stefan Lüdecke, Referent von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD), kann den Ärger durchaus nachvollziehen. Er bestätigt, dass bereits Beschwerden von Ortsvorsteher Steib und der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt GmbH vorlägen. "Bei der Masse an Schildern, die in der Stadt aufgestellt und aufgehängt werden, ist es nicht erstaunlich, wenn immer wieder mal eins dabei ist, das nicht passt", sagt Lüdecke. In der Regel sei das dann unkompliziert aus der Welt zu schaffen, indem ein anderer Standort gesucht werde. Nach diesem Prinzip werde auch im Fall des Radwegweisers in der Bernemer Fußgängerzone verfahren. Allerdings wird hier richtig Tempo gemacht: Der Pfosten wird schon heute an den neuen Standort nahe der U-Bahn-Station an der Saalburgstraße versetzt. "Der neue Standort ist mit der HFM und dem nächststehenden Marktbeschicker abgestimmt. Der Markt am Samstag kann ohne Beeinträchtigung stattfinden", sagt Lüdecke. Respekt!

Wäre die für gestern in Bornheim angesetzte Pressekonferenz zum Abschluss der stadtweiten Radwegbeschilderung nicht ausgefallen, weil Oesterling krank ist, hätte sich der Verkehrsdezernent einiges anhören müssen. "So musst Du dich doch nicht aus dem Amt verabschieden" - die Bemerkung von Ochs wäre wohl eine von wenigen Bemerkungen nicht unterhalb der Gürtellinie gewesen.

Nach Angaben von Lüdecke wird der Termin voraussichtlich im August nachgeholt. Dabei verkündet Oesterling, dass im Laufe des Programms zur Radwegbeschilderung 64 000 Wegweiser an 3400 Orten aufgehängt wurden. Darauf ist die Entfernung und die einzuschlagende Richtung zu den nächsten Stadtteilen zu lesen.

Zum Thema Radfahren in Fußgängerzonen ließ sich Ochs in seiner Anfrage an den Magistrat noch zu folgendem Kommentar hinreißen: Für bewegungseingeschränkte und weniger reaktionsschnelle Rentner, die traditionell ein besonders enges Verhältnis zu Zweiradfahrern besitzen, sei das dumm. Matthias Bittner

Kommentar:

Gefragt ist gesunder Menschenverstand

Im Jahr 2016 hatte der Künstler Paul Feichter einen besonderen Auftrag von der 16 000-Einwohner-Stadt Bruneck in Südtirol erhalten. Er sollte Bürokratie sichtbar machen. Herausgekommen ist ein Kunstwerk, das drei Türme aus Akten, Beschlüssen, Gesetzestexten und Festplatten zeigt.

Volltreffer! Sein Werk steht auch sinnbildlich für die Misere sowohl in der Republik als auch in Frankfurt. Vor lauter Vorgaben und Vorschriften brummt den Beamten der Kopf und der gesunde Menschenverstand bleibt deswegen häufig auf der Strecke.

Anders ist es nicht zu erklären, dass kürzlich ein Radwegweiser mitten in der Fußgängerzone in Bornheim aufgestellt wurde. Für Radfahrer ist das zweifelsohne eine super Sache. Allen anderen ist er aber im Weg. Die Marktbeschicker dürfen drumherum bauen und Fußgänger müssen aufpassen, dass sie nicht versehentlich dagegen laufen. Im Stadtteil ist die Aufregung jetzt natürlich groß.

Dabei hätte sich der berechtigte Protest der Bornheimer mit nur einem Anruf beim Ortsvorsteher vermeiden lassen. Der hätte sofort gesagt, dass der Standort nicht optimal ist und vielleicht sogar eine Alternative parat gehabt. Man sollte eben öfter auf die Menschen hören, die sich im Stadtteil auskennen. Das erspart Ärger und Gespött. Und meistens auch eine Stange Geld. Matthias Bittner

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