1952 beim Umzug anlässlich von 75 Jahren Eingemeindung Bornheims bewirtet Adolf Steib Zugteilnehmer. Am Rednerpult steht Frankfurts damaliger OB Walter Kolb.
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1952 beim Umzug anlässlich von 75 Jahren Eingemeindung Bornheims bewirtet Adolf Steib Zugteilnehmer. Am Rednerpult steht Frankfurts damaliger OB Walter Kolb.

100. Geburtstag

Bornheim: Zwischen Schankraum und Schaubühne

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Adolf Steib wird heute 100 Jahre

Bornheim -Sportlich gesehen hat Adolf Steib eine eher ruhige Kugel geschoben. Zumindest sagt das sein Sohn Hermann. Er sei zwar Mitglied in x-Vereinen gewesen, allerdings eher passiv. Sportliche Betätigung jedenfalls könne nicht der Grund sein, dass sein Vater die Gnade des hohen Alters genießen dürfe. "Er hat es eher mit ,No sports' gehalten, dem Motto des englischen Premierministers Winston Churchill", erklärt Hermann Steib. Aktiv sei er nur im Kegelclub "Astloch" gewesen.

Wie auch immer: Heute begeht Adolf Steib seinen 100. Geburtstag. Der Jubilar lebt aber zurückgezogen. Bekannt ist er vielen als Betreiber des "Schützenhofs" in der Berger Straße 173 - 177, den er 1961 aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste.

Die traditionsreiche Gaststätte hatte Adolf Steib 1947 nach dem Tod seines Vaters mit seiner Mutter Helene und seiner Frau Irma weitergeführt. Und war damit zugleich auch Gastgeber vieler rauschender Fastnachtsitzungen im angeschlossenen Saal. Im Sommer 1949 war hier die Neugründung des "Großen Rats der Frankfurter Karnevalsvereine" vorbereitet worden. Adolf Steib hat das mit Stolz erfüllt, denn die Fastnacht war sein Steckenpferd.

In den Nachkriegsjahren war der Saal allerdings zunächst an einen Varieté-Betreiber vermietet - Showmaster Peter Frankenfeld hatte dort erste Auftritte. Auch einige Radiosendungen von "Der Frankfurter Wecker" wurden hier produziert. Die Geschichte der Wirtschaft reicht zurück bis zum zweiten gesamtdeutschen Schützenfest 1862 auf der Bornheimer Heide. Steibs Großvater hatte das Anwesen 1878 gekauft und zu einem gastronomischen Zentrum umgewandelt.

Nach dem Aus für den "Schützenhof" kümmerte sich Adolf Steib um einen größeren Neubau auf der Liegenschaft. Und er widmete sich den Vereinen, so war er unter anderem im Vorstand der TG Bornheim engagiert. Auch beim "Bezirksverein" - dem Vorgänger der heutigen Ortsbeiräte - brachte er sich ein und formulierte Eingaben an den Magistrat.

"Ich wünsche Adi Steib alles Gute. Er hatte großes Interesse an Bornheims Geschichte. Darüber haben wir oft geplaudert", erinnert sich Bernhard Ochs, Ehrenvorsitzender des Bürgervereins und Förderkreises Historisches Bornheim. Steib sei Mitglied im Verein und habe fürs Archiv Exponate gespendet - etwa die Urkunde der US-Armee, die zum Betreiben des Varietés im Saal des "Schützenhofs" berechtigte, die Tischfahne des Clubs "Astloch" und dessen "Pfurzkasse". "Clubmitglieder, die einen fahren ließen, mussten eine Mark zahlen, die hatten einen speziellen Humor", sagt Ochs und muss unweigerlich lachen. Matthias Bittner

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