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Borschtsch, Piroggen und Kunst aus Bunkernächten als Unterstützung im Krieg

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Von: Sabine Schramek

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Gutes tun für die Ukraine im Massif Central: von links Florian Jöckel vom Massif Central, Polina Vokovych, Valeriia Bronytska, Kate Garan und Dimitrios Antonakakis. FOTO: enrico sauda
Gutes tun für die Ukraine im Massif Central: von links Florian Jöckel vom Massif Central, Polina Vokovych, Valeriia Bronytska, Kate Garan und Dimitrios Antonakakis. © enrico sauda

Unter dem Motto "Mama Ukraina" haben drei junge Frauen mit ukrainischen Gerichten und Kunst 25 Gastronomen mit 500 Mitarbeitern in Kiew unterstützt.

Sie leiden leise und nehmen Dinge in die Hand, um denen zu helfen, die in täglicher Todesangst leben. Kate (32) hat Glück im Unglück. Seit einem halben Jahr lebt die Ukrainerin aus beruflichen Gründen mit ihrer Familie in Frankfurt. Zehn Tage vor dem Angriffskrieg durch Putin war sie in ihrer Heimat. "Die Stimmung war anders als sonst. Die Leute haben in Bars über Weltkrieg gesprochen. Sie haben etwas gespürt, aber keiner hat geglaubt, dass wirklich Krieg kommt", sagt sie leise. Polina (23) schluckt schwer. Sie studiert internationale Weinwirtschaft in Geisenheim. Ihre Familie ist in der Ukraine, ihre Mutter liegt im Krankenhaus. Ihre Eltern sind Ärzte, sie müssen im Kriegsgebiet bleiben.

"Ich habe Mama gerade besucht. Sie ist wieder ansprechbar, sie hat mich erkannt", flüstert sie mit leichtem Lächeln. Kate, Polina und Valeriia (27), deren Mutter und Schwester am ersten Kriegstag geflüchtet sind, haben sich auf der Demo am Tag des Kriegsbeginns am 24. Februar an der Hauptwache zufällig kennengelernt. "Wir müssen helfen. Irgendwie mit Kultur, Essen und Kunst", haben sie beschlossen und sind etwas trinken gegangen. Zufällig ins Massif Zentral. Jetzt stehen 90 Liter Borscht bereit, die Polina bis spät in die Nacht gekocht hat, unzählige selbstgemachte Piroggen, Kuchen und Süßigkeiten für Kinder und Wein, der gespendet wurde.

Am Gitter der Fahrradwerkstatt hängen Bilder von Illustratoren und Künstlern aus der Ukraine, die sie im Bunker gemalt haben und auf der Flucht vor Bomben Richtung Westen. Bilder, die zeigen, was die Künstler fühlen. Krass, klar, hoffnungsvoll. Auf Bildschirmen laufen Videos mit den Künstlern, die erzählen, was sie erlebt haben und fühlen und wie sich ihre Emotionen in Bilder verwandelt haben. Auf einem anderen Bildschirm laufen Comics einer Künstlerin, die voller Sarkasmus den grauenhaften Kriegsalltag der Menschen in der Ukraine zeigen.

Von der Grundidee der drei Frauen bis zur Veranstaltung gab es sehr viel Arbeit, aber keine Hürden. "Wir haben Florian Jöckel einfach gefragt, ob wir in seinem Massif Zentral etwas machen können, um in der Ukraine zu helfen", erzählen die Frauen und haben sich über das sofortige "ja" unendlich gefreut. Koch Dimitrios Antonakakis hat ihnen die Küche überlassen, alles erklärt und eingekauft, Jöckel hat den Nachmittag beworben. "Da muss man doch nicht nachdenken", sagt Jöckel. "Wir sind Pazifisten, das ist einfach unsere DNA. Putins Angriff ist ein Angriff auf uns alle und unsere westlichen Werte. Wir sind die kreative Opposition. Dafür gibt es diesen Ort hier."

Er hatte bereits vorher ein Benefizkonzert für die Ukraine organisiert. "Die drei Frauen und die Künstler sind Hipster-Kids, ganz normale Leute und die Bilder sind Bombe", sagt er. "Sie treffen mitten ins Herz." Katja, Polina und Valeriia lächeln voller Hoffnung, während an einem langen Tisch Schleifen in den Ukraine-Farben blau-gelb als Anstecker gebunden werden, die an die Besucher verteilt werden.

Der große Raum füllt sich mit Besuchern, die überwältigt sind von der Kraft der Kunstwerke und dem leckeren Essen. Überwältigt sind auch die drei Frauen von der Unterstützung der Frankfurter. Emotionen zwischen Freude, Trauer und Staunen wechseln ständig, während sie Suppen in Schalen und Piroggen auf Teller füllen und Informationen zu den Kunstwerken und ihrer Spendenaktion geben. "Es ist so schön, wie viele Menschen helfen wollen", sagt Polina, die ein T-Shirt mit der Aufschrift "Galya Carries Water" trägt. Galya ist ihre Oma. "Sie ist immer bei mir", sagt die junge Frau mit Tränen in den Augen. Der Gesamterlös geht direkt an eine Organisation ukrainischer Gastronomen.

Katja erzählt von den "25 Restaurants und 500 Menschen, die jeden Tag in Kiew ehrenamtlich für 15 000 Bewohner kochen und das Essen ausliefern. An alte einsame Menschen, an Waisenkinder, medizinisches Personal und an Männer und Frauen, die Tag und Nacht ungelernt Patrouille für die territoriale Verteidigung laufen. Das Geld wird für Lebensmittel, Getränke und Benzin dringend gebraucht." (Sabine Schramek)

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