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Ein Mann mit Kämpferherz, wie Trainer und Trainingspartner finden: Boris Estenfelder.

Ein Mann will nach oben

Boxer trainiert hart für den großen Auftritt

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Der Traum, um die Deutsche Meisterschaft oder gar die Weltmeisterschaft zu boxen, verlangt Boris Estenfelder alles ab. Denn ohne Sponsor ist Profiboxen auch finanziell ein harter Kampf. Doch zusammen mit dem Budocan Frankfurt und seinem Trainer Gerd Homeier will er ganz nach oben.

Wenn sich Boris Estenfelder warmgeboxt hat und Alex Geimer herausfordert, wechseln sich kräftige Haken und Geraden in rasantem Tempo ab. „Er geht im Angriff vorwärts und setzt sich gegen seinen Gegner durch“, lobt Gerd Homeier, Trainer beim Verein Budocan Frankfurt in der Homburger Landstraße 204. Auch sein Kontrahent ist nach einigen Runden geballter Schlagkraft froh, wenn er durchschnaufen kann: „Boris hat das richtige Kämpferherz, ist aber auch ein echt toller Kumpel“, findet Geimer..

Dabei geht es streng genommen noch nicht einmal richtig hart zur Sache, da Alex Geimer ein langjähriger Trainingspartner von Boris Estenfelder ist. Mehrere Tage in der Woche trainiert der 29-Jährige etliche Stunden in der eher unscheinbaren Preungesheimer Halle, immer die potenziellen Gegner für die nächsten Profikämpfe im Blick, die er mit seinem Trainer zu organisieren versucht. „Demnächst geht es nach Berlin, zum Boxstall vom Team Sauerland, die sind für die Profis enorm wichtig“, sagt Homeier. Wenn er hier in den Probe- und Übungskämpfen, genannt Sparrings, überzeugen kann, kann er auf neue wichtige Gegner hoffen.

Mit seinen 102 Kilo hält der 1,80 Meter große Schwergewichtler derzeit den 227. Platz in der Weltrangliste. „Das hört sich für Außenstehende ziemlich niedrig an, doch selbst bis dahin muss man erst mal viele Konkurrenten bezwingen“, sagt er. Das bedeutet nicht nur viele Übungsstunden, sondern auch hohen finanziellen Einsatz, um den Trainer und die hohen Startgelder zu bezahlen. Die können selbst in den niedrigeren Klassen bei bis zu 20 000 Euro liegen, die Siegesprämie beträgt nur einen Bruchteil davon.

„Viele junge Talente träumen gleich von der großen Kohle beim Profiboxen, dabei musst du erst mal ziemlich hart schuften, bevor du selbst damit Geld verdienen kannst“, weiß Estenfelder. Er arbeitet zusätzlich im Sicherheitsdienst und Personal Training, um sich über Wasser zu halten. „Deshalb brauchen wir eigentlich einen Sponsor, um die großen Ziele zu erreichen“, räumt Trainer Homeier ein. Doch er ist überzeugt, dass sein Schützling es schaffen kann: „Er setzt sich mit schnellen Kombinationen durch, hält den Gegner pendelnd in Schach und hat den Instinkt für den Abschluss.“

Schon in seiner frühen Kindheit begeisterte sich Estenfelder für den Kampfsport, probierte sich im Judo und Jujutsu, später im Kick- und Taiboxen, bevor er sich für den klassischen Boxsport entschied: „Da hast du einen sicheren Stand und betreibst leidenschaftlich einen Faustkampf, wie ihn die Menschheit seit Anbeginn kennt“, betont er. Während seines Sportstudiums in Frankfurt beschäftigte er sich deshalb auch mit dem antiken Faustkampf (siehe Box).

Seit seinem 18. Lebensjahr boxte Boris Estenfelder zunächst im Amateursport, wechselte 2010 zu den Profis, lernte über Geimer seinen jetzigen Trainer kennen. „Der einzige verlorene von zehn Kämpfen war vor zwei Jahren ziemlich unglücklich gegen Evgenios Lazaridis“, erinnert er sich. „Einen solchen Gegner kannst du nur k. o. schlagen.“ Doch er wollte Lazaridis kommen lassen, der Kampf zog sich über zehn Runden – und die Richter erklärten den Griechen nach Punkten zum Sieger. „Eine knappe Entscheidung in Anwesenheit von Experten, die Boris den Sieg zugesprochen hätten“, räumt Homeier ein. „Dann stünde er jetzt auf der Weltrangliste vielleicht 100 Plätze höher.“ Doch auch solche Erfahrungen gehören zum Geschäft.

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