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Polizisten und Feuerwehr-Chef Bernhard Ries prüfen am Anfang der Zickzack-Brücke, ob dort Schäden entstanden.

Parallelen zum Brand im Koreanischen Garten

Brand im Chinesischen Garten: Das Werk eines Serientäters?

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In der Nacht zum Donnerstag brannte der größte der drei chinesischen Pavillons im Bethmannpark. Der Schaden ist groß, aber der Wiederaufbau schon versprochen.

„Ich bin geschockt.“ „Ein Drama.“ „Ich war so gerne hier . . .“ Kaum ein Besucher gestern im Bethmannpark, der nicht ein paar Worte der Bestürzung loswerden muss. Jeder versucht, durch die Fenster in der Mauer einen Blick auf das zerstörte Kleinod zu erhaschen, das ein besonderes Meisterwerk der Gartenkunst ist: Chinesische Handwerker haben den „Garten des Himmlischen Friedens“ im Jahr 1989 nach traditionellen Vorbildern aus dem Reich der Mitte zwischen die alten Bäume des Bethmannparks im Nordend gesetzt.

Nun hat jemand diesen verwunschenen Ort zerstört, in der Nacht zum Donnerstag einen Brand gelegt, der den größten der drei Pavillons stark zerstört hat. Die weißen Mauern des Wasserpavillons stehen noch, doch die tragenden Holzkonstruktionen, die Geländer und die Holzschnitzereien sind verbrannt oder verkohlt. Die kunstvoll gelegten Dachziegel sind stellenweise ins Rutschen geraten. Die Pflanzen rundherum von der Hitze zerstört.

Die Polizei ist sich ziemlich sicher, dass der Brandanschlag im Zusammenhang mit dem Feuer im Koreanischen Garten im Grüneburgpark steht. Dort war vor einem Monat ebenfalls ein Pavillon abgebrannt. Damals war es der 1. Mai, jetzt brannte es am 1. Juni. Diesmal ging der Notruf um 3.40 Uhr ein, beinahe um die gleiche Zeit war die Feuerwehr einen Monat zuvor ins Westend gerufen worden. Zu viele Zufälle, um nicht auf den Verdacht zu kommen, dass da ein Serientäter am Werk ist.

Diesmal hat er zumindest eine Spur hinterlassen: Die Polizei spricht von einem „Behältnis mit Restflüssigkeit“, das ihre Ermittler im Park gefunden haben. Genauer will es am Donnerstag noch niemand sagen, erst heute sollen weitere Details zum Brand und zu den Spuren bekannt gegeben werden.

Fest steht nur, dass der Garten in der Nacht geschlossen war. Jeden Abend zum Einbruch der Dunkelheit schließen die Gärtner seine zwei Tore ab, auch der Bethmannpark wird dann zugesperrt. Einbruchsspuren sind keine zu sehen, „aber es ist schon möglich, hinein zu kommen“, sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt.

Warum jemand so kunst- und wertvolle Bauwerke in Flammen aufgehen lässt, darauf hat niemand eine Antwort. „Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die gemeinsam mit Stadtrat Markus Frank (CDU) den Brandort inspiziert. Sie erinnert daran, dass in Frankfurt auch viele Chinesen zu Hause seien, für die der Park eine besondere Bedeutung habe. Der Ordnungsdezernent nennt die Tat „feige und sinnlos“. Gemeinsam geben die Politiker ein Versprechen ab: „Wir werden beide Bauten wieder errichten.“

Das wird nicht einfach und in jedem Fall kostspielig. Stephan Heldmann, Leiter des Grünflächenamts, rechnet mit mindestens 250 000 Euro für die Reparatur des Wasserpavillons im Chinesischen Garten. Wie schon bei der Generalsanierung vor zehn Jahren muss er Fachleute in China finden, die Ersatzteile fertigen und die Reparatur übernehmen können. Wenigstens einen Teil der Kosten wird die Versicherung der Stadt übernehmen.

Das trifft auch auf den Koreanischen Garten zu, für den mindestens 200 000 Euro gebraucht werden. Der koreanische Generalkonsul Bumhym Bek hat versprochen, Kontakte zu Handwerksfirmen in seiner Heimat zu knüpfen. Auch eine Spendensammlung ist im Gespräch. „Doch wann beide Bauten wieder stehen, dazu kann ich wirklich gar nichts sagen“, so Heilig. Immerhin werde das Areal des Gartens im Grüneburgpark demnächst freigegeben, dafür wird die abgebrannte Ruine komplett abgetragen. „Das passiert in den nächsten Tagen.“

Die Tore zum Chinesischen Garten bleiben zu. Die Ermittler der Polizei suchen darin nach Spuren, Statiker müssen das Bauwerk prüfen. Ob der Park und ähnliche Orte in der Stadt künftig stärker bewacht werden, dazu will Frank nicht viel sagen. „Manchmal ist es besser, wenn nicht jeder weiß, was wir tun.“ Auch die Polizei hält sich bedeckt, doch die Frage nach weiteren Anschlagszielen sei natürlich erörtert worden. „In Frankfurt gibt es keine weiteren Bauten dieser Art, aber in der Region, beispielsweise in Bad Homburg, stehen asiatische Pavillons.“

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