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Verkehrstechnisch ideal ist das Gelände am Kaiserlei für den Bau einer Multifunktionsarena.

Großer Andrang bei Sport-Events

Braucht Frankfurt eine Multifunktionshalle?

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Seit Jahren plant die Stadt Frankfurt eine Multifunktionshalle mit rund 13 000 Plätzen. Bei den „Summer Games“ zeigte sich an diesem Wochenende eindrucksvoll, dass es ausreichend Publikum für eine solche Halle gibt.

Die Diskussion darum, dass Frankfurt eine Multifunktionshalle dringend benötigt, hat durch das „Summer Game“ Event in der Commerzbank-Arena neuen Auftrieb erfahren. Auch wenn die Frankfurter Löwen knapp gegen die Mannschaft aus Kassel verloren haben, so ist die eindrucksvolle Zuschauerzahl von rund 30 000 Fans ein starkes Statement – Wasser auf die Mühlen der Befürworter einer neuen Arena am Kaiserlei.

Frankfurt ist die einzige Großstadt Deutschlands, in der eine solche Halle mit einer größeren Kapazität mit zirka 13 000 Sitzplätzen fehlt. Die Eissporthalle am Bornheimer Hang, in der die Löwen zurzeit spielen, fasst nur knapp 7000 Personen.

Das Eishockey-Team der Löwen wird zusammen mit der Basketball-Mannschaft der Skyliners als Ankermieter der neuen Multifunktionshalle fungieren.

Das Problem: Die beiden Sportvereine könnten die Halle lediglich an rund 75 Tagen im Jahr „bespielen“. Die übrige Zeit müssten Veranstaltungen wie große Shows, Konzerte oder Kongresse dafür sorgen, dass die Kasse stimmt. Ende vergangenen Jahres wurde die Halle öffentlich ausgeschrieben – 16 Interessenten reagierten, zwei Bewerber sind momentan noch im Rennen.

Einer ist das Unternehmen Lagardère Sports, das ebenfalls die Hälfte der Anteile an der Betreibergesellschaft der Commerzbank-Arena hält. Der andere Bewerber ist die Anschutz Entertainment Group, die ähnlich große Hallen in Deutschland betreibt: darunter in der Bundeshauptstadt die Mercedes-Benz Arena, wo die Eisbären Berlin und der Basketballverein Alba Berlin spielen. In Hamburg betreiben sie die Barclaycard Arena. „Beide Investoren haben bereits an anderer Stelle bewiesen, dass sie solche Hallen gewinnbringend betreiben können“, sagt der zuständige Sportdezernent Markus Frank (CDU).

Die Kosten für den Neubau einer solchen Halle werden auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt. Politisch gewollt ist die Halle in Frankfurt. Doch aus Ermangelung von einer Fläche will man auf der Gemarkung von Offenbach bauen. Die dort neu gewählte Stadtregierung signalisierte aber im Juni überraschend, dass man einer solchen Halle nun eher skeptisch gegenüber stehe.

Dabei hatte Offenbach der Stadt Frankfurt bereits im Jahr 2012, also vier Jahre zuvor, rund 20 000 Quadratmeter Fläche am Kaiserlei zur Verfügung gestellt. Frankfurt unterstützt im Gegenzug die Nachbarstadt beim dringend notwendigen Umbau des Kaiserlei-Kreisels. Rund 8,5 Millionen Euro sind dafür bereits nach Offenbach geflossen. Mit entsprechendem Kopfschütteln wurde die Nachricht in Frankfurt aufgenommen. Markus Frank sagte damals, dass man nun Gespräche führen und sich anhören muss, was die Offenbacher dagegen haben.“ Passiert ist seitdem nicht viel. Lediglich, dass der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, offenbar nicht ganz so begeistert von den Plänen einer Halle an dem Standort ist.

Im Spätsommer ließ er nach eigenen Worten – und gegen die Planungen des Dezernenten Frank – „Standorte in ganz Frankfurt prüfen“. Im August kam er dann mit den Plänen, an dem Hallenstandort lieber die Europäische Schule für rund 2000 Schüler zu errichten – vor allem die Verkehrsanbindung und die Nähe zur EZB seien dafür ausschlaggebend. „Eine solche Schule wäre ein Leuchtturm-Projekt für Frankfurt. Ich stehe dahinter und würde diese Chance ungern verstreichen lassen“, sagte er im August in der Rhein-Main-Zeitung.

Markus Frank reagierte nicht amüsiert über dieses Vorpreschen. Gestern nun hieß es bei den „Summer Games“, er habe den eigensinnigen Amtsleiter „eingefangen“. Man darf dennoch gespannt sein, wie es mit den Plänen für diese Halle weitergeht.

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