Die U4 in Frankfurt: Eine breite politische Mehrheit will sie via Uni-Campus Westend zum Nordwestzentrum und Riedberg verlängern.
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Die U4 in Frankfurt: Eine breite politische Mehrheit will sie via Uni-Campus Westend zum Nordwestzentrum und Riedberg verlängern.

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Breite Mehrheit in Frankfurt will U4 zur Uni fahren lassen - unter einer Bedingung

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP: eine große politische Mehrheit in Frankfurt spricht sich für den U4-Lückenschluss mit Station unterm Uni-Campus. Doch die Parteien haben eine ganz klare Forderung.

Frankfurt -Mit dem sehr guten Ergebnis der Kosten-Nutzen-Untersuchung steigen die Chancen auf einen U-Bahnhof direkt auf dem Uni-Campus Westend. Eine große politische Mehrheit hinter dieser Lösung für den U4-Lückenschluss. Studenten und Fahrgäste brauchen aber noch viel Geduld.

Würden die Stadtverordneten in ihrer nächsten Sitzung abstimmen, wäre wohl der Weg für den U4-Lückenschluss zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim samt U-Bahn-Halt am Uni-Campus frei. CDU, SPD, FDP und Linke sind klar dafür, die Grünen prinzipiell ebenfalls. Allerdings wird es nicht ganz so schnell gehen.

Erst das nächste Parlament entscheidet

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) will die mit rund 240 Millionen Euro teure Lösung zwar empfehlen. Doch erst das am 14. März gewählte, nächste Parlament und damit die nächste Koalition entscheiden.

Seit Jahren sprechen sich zwei Bürgerinitiativen aus dem Westend gegen die Uni-Anbindung aus, weil dafür ein Tunnel in sieben bis 17 Metern Tiefe - unterhalb der Baumwurzeln - unter Grüneburgpark, Palmengarten und Botanischem Garten nötig ist. Die BIs befürchten Schäden am Park und am Grundwasser.

Favorit von BI und BUND wird abgelehnt

Grüne, FDP, Linken und jetzt auch die CDU fordern: "Der Grüneburgpark darf durch die Streckenführung keinen Schaden nehmen", erklärt CDU-Fraktionschef Nils Kößler. Klären sollen das zwei Gutachten, die bis Ende 2022 fertig werden - weil sie eine komplette Wachstumsperiode umfassen. Zudem muss die Stadt im Genehmigungsverfahren nachweisen, dass es sicher keine Schäden an Grundwasser und Wasserhaushalt gibt. "Ich gehe davon aus, dass die Problematik bei allen Varianten lösbar ist, auch unter den Parks", sagt Dezernent Oesterling. Dabei sei die Baumethode per Tunnelbohrmaschine besonders schonend und das Grundwasser könne die Röhren später umfließen. Unter Zoo und Wallanlagen verlaufen seit Jahrzehnten solche Tunnel.

Direkte Route: Viele Bäume müssten gefällt werden

Die BIs und der Umweltverband BUND favorisieren hingegen eine Streckenführung direkt nach Norden entlang von Zeppelin- und Miquelallee - ohne Kurve zur Uni. Mit gut 162 Millionen Euro wäre das zwar günstiger. Aber: "Da fällt eine Menge an Bäumen weg" für die Trasse sowie den mit einer offenen Grube zu bauenden Tunnel, warnt Klaus Oesterling.

Dass eine Partei dem zustimmt, ist unwahrscheinlich. "Für die Grünen gilt, dass sie keiner Variante zustimmen werden, die die Qualität und den Baumbestand des Grüneburgparks oder des Palmengartens gefährden könnten", sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig. Die Partei mache ihre Entscheidung vom Ergebnis der beiden Gutachten abhängig. Grünen-Verkehrspolitiker Wolfgang Siefert betont aber eine klare Präferenz: "Die Anbindung des Uni-Campus Westends ist für uns Grüne ein wesentlicher Faktor."

Gutachter empfiehlt Uni-Strecke "dringend"

Gegen die von BIs und BUND favorisierte Lösung spricht sich auch die Linke aus. "Ökologisch hat diese Variante meines Erachtens keinen Vorteil", sagt Römer-Fraktionschef Martin Kliehm. Falls nötig, müsse der Tunnel zur Uni eben tiefer gebaut werden. Kliehm lobt Oesterling für die Ankündigung, eine Straßenbahn im Reuterweg zusätzlich bauen zu wollen: "Wir tun gut daran, zweigleisig zu fahren und die ökologischen Verkehrsträger nicht gegeneinander auszuspielen."

Laut Untersuchung des Fachbüros Intraplan hat die Variante mit Campus-Anbindung einen Kosten-Nutzen-Faktor von 2,0 und die direkt nach Norden führende Lösung sogar von 3,1 - wegen geringerer Baukosten und kürzerer Strecke. "Die höchsten Wirkungen erzielen die Varianten mit zentraler Erschließung des Uni-Campus", betont Gutachter Martin Arnold. Er könne daher diese "dringend empfehlen aus verkehrsgutachterlicher Sicht."

Stadt kann sich Vergrößerung der Station Holzhausenstraße sparen

Den Schwellenwert von 1,0 überschreiten beide Lösungen deutlich. Ab diesem Wert fördern Bund und Land das Vorhaben zu bis zu 90 Prozent. Die Uni-Anbindung bietet zudem die größte Entlastung für die am stärksten frequentierte und überlastete A-Strecke mit den Linie U1, 2, 3 und 8. Fahren die Studenten per U4 direkt zum Campus, kann sich die Stadt auch die aufwendige Vergrößerung der dem Campus bisher am nächsten liegenden Station Holzhausenstraße sparen.

Auch die Industrie- und Handelskammer plädiert für die Uni-Anbindung. Sie sei "aus Sicht der Wirtschaft zukunftsfähig, da sie den Campus Westend zentral anbindet", sagt IHK-Präsident Ulrich Caspar. Nun sollten die Stadtverordneten schnell entscheiden.

Gibt das Parlament grünes Licht, kann das bis zu vier Jahre lange Genehmigungsverfahren beginnen. Nach sechs Jahren Bauzeit rechnet Klaus Oesterling damit, dass die U4 ab 2030 zum Nordwestzentrum, auf den Riedberg und nach Nieder-Eschbach rollt.

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