Angeführt von einem Zugführer mit Megafon gingen 80 Seckbacher auf die Straße: Sie zogen durch die Wilhelmshöher Straße, in der die Gehwege viel zu schmal sind. Deshalb gibt es immer wieder gefährliche Situationen. Das soll sich schnell ändern.
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Angeführt von einem Zugführer mit Megafon gingen 80 Seckbacher auf die Straße: Sie zogen durch die Wilhelmshöher Straße, in der die Gehwege viel zu schmal sind. Deshalb gibt es immer wieder gefährliche Situationen. Das soll sich schnell ändern.

Demonstration

Breitere Gehsteige und Überwege: Frankfurter demonstrieren für mehr Sicherheit

  • VonGernot Gottwals
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Zahlreiche Anwohner fordern die Stadt Frankfurt auf, endlich etwas für die Sicherheit in der Wilhelmshöher Straße zu tun.

Frankfurt – Wo es an Platz für alle Verkehrsteilnehmer fehlt, ist auch ein Demonstrationszug eher schwierig. „Als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, dachte ich fast, wir müssten das absagen“, bekennt Ingo Stürmer von der Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe in Seckbach zur Begrüßung des Marsches durch die Wilhelmshöher Straße. Corona-Abstandstregeln, Schneematsch, unsicheres Wetter – doch dann zeigt sich die Sonne, als der Zug mittags an der Alteborner Straße startet.

Trotz mancher Widrigkeiten haben sich rund 80 Anwohner, Politiker und sonstige Aktivisten eingefunden, um unter dem Motto „Mehr Verkehrssicherheit, Hitzeschutz und Bäume auf der Wilhelmshöher Straße“ breitere Gehsteige, Überwege und mehr Begrünung an geeigneten Kreuzungspunkten einzufordern. Der Termin zur unwirtlichen Jahreszeit wurde extra vor der Sitzung des Ortsbeirats 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) am Montag (10.01.2022) und vor der Sitzung zum Etatantrag im Februar ausgewählt.

Viel zu enge Straßen in Frankfurt: Busse passen nicht aneinander vorbei

Mit Slogans wie „Planer seid gescheit, macht den Gehweg breit“ oder „Hat der Fußweg Minimaße, müssen Kinder auf die Straße“ machen die Demonstranten in Frankfurt auf sich aufmerksam. Besonders eng ist die Wilhelmshöher Straße an den Hausnummern 97 bis 99. „Wenn sich hier zwei Busse von Bornheim und Bergen-Enkheim kommend begegnen, können sie nicht aneinander vorbei und müssen über den Gehweg fahren“, klagt Anwohner Arnold Ilg beim ersten Zwischenstopp. Was umso gefährlicher ist, da diese Stelle von der nächsten Kurve am „Trieb“ aus nicht einsehbar ist.

„Dieses Problem zieht sich durch den gesamten Seckbacher Ortskern und beschäftigt uns schon seit Jahrzehnten“, bestätigt Karl-Heinz Kröber von der Aktionsgruppe Verkehsberuhigung Wilhelmshöher. Eine Verbreiterung der Gehwege war wegen der vorgesehenen Mindestfahrbahnbreite des Busverkehrs für den Begegnungsfall von 5,70 Meter bislang schwer und aus Sicht des Magistrats nur teilweise möglich.

Schmalere E-Busse in Frankfurt: Gehweg soll breiter und sicherer werden

Doch jetzt haben sich die Voraussetzungen geändert, um wenigstens eine kleine Lösung zu ermöglichen, wie Beate Brink von den Grünen im Ortsbeirat 11 erklärt: „Denn inzwischen gibt es ja statt den 2,55 Meter breiten Bussen auch neue Elektrobusse, die 15 bis 20 Zentimeter schmäler sind.“ Dadurch würde sich die Möglichkeit eröffnen, an einigen Stellen den nördlichen oder südlichen Gehsteig auf 1,65 bis 2 Meter statt wie bisher 1,25 Meter zu verbreitern.

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Frankfurt-Seckbach: Durchgangsverkehr soll über Umgehungsstraße geleitet werden

„Der erste Bauabschnitt [auf der Wilhelmshöher Straße] hat ja mit 17 geplanten Bäumen schon hoffnungsvoll begonnen, ein Baum im Trieb und zwei weitere zu dem geplanten Baum in der Leonhardsgasse könnten hinzukommen“, findet Brink. Das tue nicht nur dem Klima und der Lebensqualität in Frankfurt gut, die Bäume könnten auch gefährliche Eckpunkte zusätzlich abpollern. Langfristig sollte der Durchgangsverkehr für Autos aus Alt-Seckbach aber über die Umgehungsstraße B521 umgeleitet werden.

An den nächsten Zwischenstopps stellen die Teilnehmer zu ihrem Ruf „Lasst mehr Bäume, gebt Kindern Räume!“ schon einmal ein mitgebrachtes Bäumchen an geeigneten Stellen oder malen weiße Kreidelinien, wo sie sich eine Verbreiterung der Gehsteige wünschen. „Denn auch für mich gibt es sonst keine Chance, um am Ortsleben teilzunehmen“, betont Vinzent Zeilinger, der im Rollstuhl sitzt. „Ein Lkw rammte eine Fassade, ein herabfallendes Teil verletzte meine Tochter“, ergänzt Andrea Rodriguez. Daher müsse mit den geforderten Maßnahmen Abhilfe geschaffen werden, die Laster müssen raus aus Seckbach. Nur für zusätzliche Bäume sieht Rodriguez wenig Platz.

Verkehrschaos in Frankfurt: Lange Schlangen im Berufsverkehr

An der Metzgerei Völp, nahe der Apfelweinlokale Krone und Zum Rad, wird an eine vor zwei Jahren angefahrene Fußgängerin erinnert, bis dort ein Poller gesetzt wurde. Brink verweist auf lange Schlangen an Autos aus Bergen, die sich hier oft frühmorgens im Berufsverkehr bilden. Da sich Kinder im Straßenverkehr nicht planbar verhalten und bis zur sechsten Klasse Geschwindigkeiten kaum abschätzen könnten, sei hier ein Zebrastreifen nötig. „Bislang ist das nicht geplant, aber die Ämter sollen sich mal kreativ zeigen“, fordert sie.

Ein großer Wunsch sei, dass man vor den Lokalen auch zusätzliche Tische hinstellen könnte. Doch richtig realistisch sei dies erst ohne Durchgangsverkehr durch Frankfurt-Seckbach. Dafür kann Kröber bei der Auflösung der Demo auf der Höhe Bitzweg zeigen, wie es besser geht: „Denn hier wurde die Wilhelmshöher nach Bergen erneuert und es kam zu Verbreiterungen.“ Ein Vorbild für den übrigen Ortskern. (Gernot Gottwals)

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