Der Wald als Einladung für die Sinne: John Dippell (r.) zeigt den Teilnehmern im Schwanheimer Wald eine Knoblauchsrauke. FOTO: maik reuss
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Der Wald als Einladung für die Sinne: John Dippell (r.) zeigt den Teilnehmern im Schwanheimer Wald eine Knoblauchsrauke.

Schwanheim: Natur in Frankfurt

Brennender Busch betört die Naturfreunde

  • Michael Forst
    VonMichael Forst
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BUND schärft bei einer Führung den Blick für die Schätze des Waldes

John Dippell steht an der Haltestelle Friedhof Goldstein und wartet auf die Teilnehmer seiner Wanderung. Der groß gewachsene, schlanke Mann mit schwarz-grauem Bart und Brille ist der Vorsitzende des Kreisverbandes Frankfurt-Süd beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Unter dem Titel "Fingerhut und Heidenelke" geht's mit ihm auf Führung durch den Schwanheimer Wald und Unterwald - einem Schutzgebiet für bedrohte Arten und Lebensräume.

Zu Beginn des neun Kilometer langen Trips laufen Dippell und die acht Teilnehmer durch den dichten, schattigen Wald schnurgerade die Unterschweinstiegschneise entlang. "Hier wurden früher die Schweine in den Wald getrieben, um sie an den Eicheln und Bucheckern zu mästen", erklärt John Dippell.

Stinkender Storchschnabel

Gelegentlich stoppt er und zeigt auf unterschiedliche Pflanzen am Wegesrand. "Das da ist der Stinkende Storchschnabel. Über den Geruch gehen die Meinungen jedoch auseinander", sagt er amüsiert. Und so ist es auch bei den Teilnehmern. Einige rümpfen die Nase über den hellrosa Blüten: "Iii, das stinkt." Für andere wiederum riecht er angenehmer: "Lecker, das riecht so würzig." An einer anderen Stelle stehen mehrere niedrig gewachsene Pflanzen mit rundlichen Blättern beisammen. John Dippell hält ein Exemplar hoch und erklärt: "Die Knoblauchsrauke - oder auch Alliaria petiolata - kann man essen. Sie schmeckt eher scharf."

Aber es gibt nicht nur Essbares hier im Wald. Ein Höhepunkt der Wanderung ist der Licht liebende Diptam. "Man nennt ihn auch Brennenden Busch, weil es Geschichten darüber gibt, dass sich die ätherischen Öle der Pflanzen im Hochsommer entzünden", berichtet John Dippell. Gesehen habe er das selbst aber noch nicht.

Ein Hauch von Vanille

Seit fünf Jahren leitet der studierte Chemiker die botanischen Wanderungen durch die Natur. Angefangen hat er selbst einmal als Teilnehmer. Besonders begeistert ist er dabei vom Diptam. "Der Diptam lebt in Gesellschaften - also Pflanzengesellschaften." Die etwa ein Meter hohe Pflanze duftet nach Vanille, ist selten und steht unter Naturschutz.

Die Wandergruppe kommt gut voran und macht zur Mittagszeit eine kurze Rast. Es ist heißer geworden und drei Rieseneicheln aus Holz bieten Sitzgelegenheit für erschöpfte Wanderer. Die übergroßen Nachbildungen liegen unter einer "Mutter-Eiche", die das Schild mit der Aufschrift "Monsterkinder", des Künstlers F. K. Waechter trägt. Das Ensemble gehört zur Komischen Kunst: 15 Ausstellungsstücke sind im Frankfurter Grüngürtel an unterschiedlichen Orten verteilt.

Die Pause wird auch genutzt, um sich auszutauschen. Welche digitalen Möglichkeiten gibt es, um Pflanzen zu bestimmen? Das alte Herbarium, für das früher noch aufwendig getrocknete Pflanzenteile gesammelt wurden, ersetzen Freizeitbotanikern heute durch Apps. Der Vorteil liegt auf der Hand: Es müssen keine Pflanzen mehr aus der Natur entnommen werden. Ein Foto reicht aus und die Bestimmung ist auch für Neuanfänger sehr viel einfacher.

Die Wanderung offenbart viele Pflanzenarten. Kleine und große, mit Blüten oder ohne, manche hier heimisch, andere neu zugezogen. Sogenannte Neophyten oder, wie man in Hessen sagt: Eigeplackte. Gelegentlich zeigt sich auch der heimische rote Fingerhut. Eine schöne, aber hochgiftige Pflanze, die jetzt mit ihren pinkfarbenen Fingerhut-förmigen Blüten aus dem Grün und Braun des Waldes heraussticht.

Doch plötzlich lichtet sich der Wald und der strahlend blaue Himmel über den Schwanheimer Wiesen kommt zum Vorschein. Hier grasen seit einer Weile Schafe eines Biobauern aus dem Main-Taunus-Kreis. Gut für die Schafe, denn auf den artenreichen Wiesen wächst eine bunte Mischung aus Blumen und Gräsern.

Hier ist auch die leuchtend pinkfarbene Heidenelke zu finden. Auf den Magerwiesen wächst sie kontrastreich zwischen weißer Schafgarbe und lilafarbenen Glockenwiesenblumen. "Ein echter Hingucker", meint eine Teilnehmerin ganz begeistert. Auf dem Rückweg zum Treffpunkt geht es als letzte Station der Wanderung noch einmal an den dicken, knorrigen Eichen für die ehemalige Schweinemast vorbei. Sie werden liebevoll die "tausendjährigen Eichen" genannt, sind aber in Wirklichkeit nur durchschnittlich 500 Jahre alt. Rebecca Herrnbrodt

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