Pandemie

Britische Corona-Variante in Frankfurter Kita: Bislang ein Kind und fünf Beschäftigte infiziert

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
    schließen

Die kirchliche Kita im Ostend ist geschlossen. Obwohl die Mutante als extrem ansteckend gilt, lässt das Gesundheitsamt nur direkte Kontaktpersonen testen, aber nicht alle Familien.

Frankfurt -Die britische Mutante des Coronavirus ist in einer Kindertagesstätte im Ostend aufgetaucht. Infiziert sind laut Mitteilung des Gesundheitsamtes ein Kind und fünf Kita-Beschäftigte. Die Betreuungseinrichtung in kirchlicher Trägerschaft mit drei Kita-Gruppen und einer Krippe ist inzwischen geschlossen.

"Das Gesundheitsamt hat sofort wirksame Maßnahmen ergriffen und damit einen größeren Ausbruch verhindert", stellte gestern Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) der ihm unterstellten Behörde ein gutes Zeugnis aus. Reaktionen aus der Elternschaft und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften (GEW) sind weniger euphorisch, sondern zeigen tiefe Besorgnis.

Erst gestern, zwei Wochen nach Auftreten des ersten Infektionsfalles mit B.1.1.7, berichtete Stefan Majer über die Lage in der Kita und die bereits seit Tagen andauernde Schließung der Einrichtung. Diese soll, so war aus dem Kreis betroffener Eltern zu erfahren, bis einschließlich zum kommenden Montag andauern. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs soll die Kita sehr gut besucht gewesen sein.

Als aufmerksam und umsichtig wird das Kita-Team beschrieben, das am 22. Januar Covid-Symptome beim später positiv getesteten Kind bemerkt und es umgehend isoliert haben soll. Auf Nachfrage erläuterte gestern das Gesundheitsamt, dass auch die Eltern des Kindes mit dem Coronavirus infiziert seien, dies jedoch noch nicht gewusst hätten, als sie ihr Kind in die Kita brachten. Zu jenem Zeitpunkt hätten sie sich zwar schon als Verdachtsfälle einem Test unterzogen, aber noch auf dessen Ergebnis gewartet.

Das Gesundheitsamt sieht es als wahrscheinlich an, dass das infizierte Kind in der Kita vier Betreuer angesteckt hat. Weitere Fälle seien bislang nicht bekannt. Am 22. Januar seien weit über 20 Kinder und 15 Erzieher in der Einrichtung gewesen. Fünf Tage später seien 15 Kinder und zehn Mitarbeiter getestet worden, am 1. Februar weitere neun Kinder und drei Mitarbeiter.

"Erzieherinnen fühlen sich von der Politik vergessen"

Eine Mutter berichtete gestern, dass ihr Sohn, der mit dem infizierten Kind in einer Gruppe betreut worden sei, erst am kommenden Montag getestet werden solle. Der Junge zeige bislang keine Symptome. Warum nur er und nicht auch seine drei Geschwister und die Eltern als seine Kontaktpersonen, erklärt ein Mitarbeiter des Gesundheitsamtes auf Anfrage damit, dass grundsätzlich nur direkte Kontaktpersonen von nachgewiesenen Infizierten getestet würden. Dass die vier positiv getesteten Erzieherinnen wie auch die übrigen getesteten Kita-Mitarbeiter sämtlich direkte Kontaktpersonen des infizierten Kindes waren, konnte er nicht bestätigen.

Wegen der Häufung positiver Fälle und des Nachweises der britischen Variante, so bekräftigte Dezernent Majer, habe das Gesundheitsamt am 2. Februar für alle Kontaktpersonen Quarantäne angeordnet. Eine weitere Reihentestung unter Kindern und Mitarbeitern sei am gestrigen Freitag erfolgt. Mit den Ergebnissen werde am Wochenende gerechnet.

Beunruhigt angesichts des Ausbruchs in der Frankfurter Kita zeigt sich die GEW. Das Vordringen der hochinfektiösen Virusmutante B.1.1.7 in die Betreuungseinrichtung zeige die Dringlichkeit, endlich einen geregelten Notbetrieb in Kitas einzuführen, sagte gestern Maike Wiedwald, Vorsitzende der GEW Hessen. Stattdessen seien die Kindertagesstätten weiterhin im Regelbetrieb. Es werde lediglich an die Eltern appelliert, die Kinder zu Hause zu behalten. Das Abwälzen der Verantwortung auf die Eltern werde aber kaum für kleinere Gruppen in den Kitas sorgen. "Die Erzieherinnen fühlen sich gerade vollkommen von der Politik vergessen", so Wiedwald. Es brauche klare Kriterien, um in den Einrichtungen eine Kontaktminimierung zu erreichen. "Zusätzlich benötigen wir eine engmaschige Teststrategie, die Infektionsausbrüche zeitnah abbildet." Das Personal in Kitas und Schulen sieht sie als besonders infektionsgefährdet. "Deshalb fordern wir die Landesregierung erneut auf, den Erzieherinnen und Erziehern früher die Möglichkeit der Impfung einzuräumen und sie in der Prioritätenliste nach oben zu setzen", bekräftigte Wiedwald die Forderung der GEW Hessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare