+

Finanzierung

Bei Brücken explodieren die Preise

  • schließen

Die Stadtverordneten müssen immer wieder ihren Segen geben, wenn städtische Bauvorhaben teurer werden. Vor allem das Brücken-Programm der Stadt trifft das. Aktuell sind es zwei Projekte an der Nidda in Eschersheim und am Luderbach in Sachsenhausen, bei denen die Kommune nachlegen muss.

Die Baubranche boomt. Diesen Satz hört man derzeit immer wieder. Das hat zur Folge: Handwerker sind kaum bis gar nicht mehr zu finden. Und wenn doch, dann sind sie ziemlich teuer. Das Problem kennen nicht nur Privatleute, die etwa ein Haus bauen wollen. Das Problem gibt es auch beim Bau von Schulen, Straßen oder eben von Brücken.

Saftige Mehrkosten

Jüngst haben die Stadtverordneten zwei Magistratsvorlagen vorgelegt bekommen, die sie absegnen sollten. Der Grund: Enorme Mehrkosten beim Neubau von zwei Brücken. Im ersten Fall geht es um den Neubau einer Fußgängerbrücke über die Nidda zum Freibad Eschersheim. Im Juni 2017 hatten die Stadtverordneten 830 620 Euro für dieses Projekt bewilligt. Doch es fand sich keine Baufirma, die die Brücke für diesen Preis bauen wollte. Deshalb erhöhen sich die Kosten um 504 000 Euro auf rund 1,33 Millionen Euro.

Im zweiten Fall geht es um den Neubau der Brücke über den Luderbach an der Kennedyallee in Sachsenhausen. Für dieses Bauvorhaben hatten die Stadtverordneten, ebenfalls im Juni 2017, rund 1,6 Millionen Euro genehmigt, doch keine Firma wollte dafür bauen. Jetzt erhöhen sich die Kosten um 585 000 auf 2,18 Millionen Euro.

Kein Pappenstiel, für Michaela Kraft, Leiterin des Straßenbauamts, aber nicht sonderbar. „Die Bauindustrie ist derzeit durch Nachfrage im Wohnungsbau und Verkehrsbau extrem stark ausgelastet. Manche Baufirmen können aufgrund ihrer Auslastung keine neuen Bauaufträge mehr annehmen, dadurch steigen die Preise aktuell weiter an“, sagt sie. Teilweise sogar um bis zu 100 Prozent.

Seit Jahrzehnten hat sich in Frankfurt ein gewaltiger Sanierungsstau gebildet – immerhin ist das Straßenbauamt für 482 Ingenieurbauwerke und Brücken verantwortlich. Ursprünglich sollte der Sanierungsstau mit Hilfe privater Unternehmen in einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) aufgelöst werden. 500 Millionen Euro sollten innerhalb von 30 Jahren investiert werden. Der Vorteil: Die Brücken und mehrere andere Ingenieurbauwerke wie Lärmschutzwände wären dann in einen Top-Zustand gebracht worden. Allerdings hätte sich die Stadt auch zu regelmäßigen Zahlungen verpflichtet. Das war den Kommunalpolitikern dann doch zu riskant. 2012 wurde das Projekt gekippt und beschlossen, die Brücken in Eigenregie zu sanieren.

Es wird viel gewerkelt

2015 wurde ein Brückenbauprogramm beschlossen. Innerhalb von fünf Jahren sollten 42 Brücken für insgesamt 55 Millionen Euro saniert werden. Im vergangenen Jahr hatte das Verkehrsdezernat eine erste, positive Bilanz zum Brückenbauprogramm gezogen. Es sei richtig gewesen, das ÖPP-Projekt nicht weiter zu verfolgen, die erhofften Vorteile hätten sich eingestellt. Die Stadt entscheide alleine nach technischen, wirtschaftlichen und verkehrlichen Kriterien, welche Bauwerke wann und in welchem Umfang saniert werden oder ob nicht ein Neubau die sinnvollere Lösung wäre. Auf diese Weise könne man flexibel auf Situationen reagieren, die sich oft erst im Zuge der Bauarbeiten zeigten. Dadurch spare die Stadt Geld. Mehr als 13 Millionen Euro stehen jährlich im Haushalt zur Verfügung; hinzu kommen zusätzliche Mittel für einzelne größere Vorhaben.

Derzeit werden einige Brücken in Frankfurt saniert beziehungsweise neu gebaut. Dazu zählt die Neckermannbrücke an der Hanauer Landstraße, die bis Sommer 2019 fertig sein soll. Auf der Camberger Straße werden derzeit drei Brückenteile instand gesetzt. Die Arbeiten sollen ebenfalls bis zum Sommer des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Außerdem werden die Brücken am Miquelknoten und an der Dillenburger Straße auf Vordermann gebracht, eine Stützwand in Berkersheim und eine am Mühlberg werden erneuert. Zudem werden vier kleinere Fußgängerbrücken saniert.

Die Lahmeyerbrücke aus dem Jahr 1909 soll ab kommendem Jahr neu gebaut werden, die Schwedlerbrücke aus dem Jahr 1910 folgt 2019. Dann sollen auch die Hochbrücken an der Rosa-Luxemburg-Straße Stück für Stück saniert werden. Bis 2025 sollen alle Brücken in einen Zustand gebracht werden, der eine planmäßige vorbeugende Unterhaltung ermöglicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare