Stop heißt es nicht nur für die Autofahrer, sondern auch für den Heddernheimer Steg. Obwohl alles vorbereitet war, wird die Fußgängerbrücke am Wochenende nicht abgebrochen. foto: oscar unger
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Stop heißt es nicht nur für die Autofahrer, sondern auch für den Heddernheimer Steg. Obwohl alles vorbereitet war, wird die Fußgängerbrücke am Wochenende nicht abgebrochen.

Nordweststadt: Dringende Sanierung

Brückenabriss gestoppt - vorerst

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Am Wochenende sollte der Steg verschwinden - Teile für das Traggerüst fehlen

Es war alles vorbereitet für den Abriss des Heddernheimer Stegs an diesem Wochenende: Bäume wurden gefällt oder zurückgeschnitten, Büsche gerodet. Um ausreichend Platz zu schaffen für den Abbruch des Überbaus, der in bis zu 25 Tonnen schwere Einzelteile zersägt und abtransportiert werden sollte. Das gelbe Geländer der Brücke wurde bereits teilweise abgebaut und durch helle Holzstreben ersetzt, ein Gerüst steht unterhalb des Steges, verengt die mehrspurige Straße und macht die Brückendurchfahrt so zu einem Nadelöhr. Und auch die für den Abbruch nötigen Straßensperrungen waren bereits akribisch geplant und vorbereitet.

Neuer Anlauf in vier Wochen

Planungen, die jetzt wieder in der Schublade verschwinden. Zumindest vorerst. Denn der Abriss des Heddernheimer Stegs wurde gestoppt. "Aus technischen Gründen", sagt Michaela Kraft, Amtsleiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung. Für das Traggerüst entscheidende Teile seien nicht rechtzeitig verfügbar gewesen, erklärt sie. Aktuell habe man sich in der Vorbereitung der Rückbauarbeiten befunden, die nun eben gestoppt worden seien.

Nach derzeitigem Stand soll in vier Wochen ein neuer Anlauf genommen werden. "Wir müssen zunächst eine neue Verkehrsrechtliche Anordnung beantragen. Des Weiteren muss die Umleitung der Buslinie M60 abgestimmt werden", sagt Kraft.

Der Ersatzbau über den Erich-Ollenhauer-Ring ist eine Stahlkonstruktion. Aufzug und Treppenturm bleiben erhalten. Die Treppenanlage im Turm wird erneuert, ebenfalls aus Stahl. Die vorhandene Stufenrampe hingegen wird abgebrochen und nicht ersetzt. Stattdessen wird am Rand der Treppenstufen eine Schiebeschiene installiert, so dass Fahrräder hinaufgeschoben werden können. Neben dem Treppenturm werden zudem 20 überdachte Fahrradabstellplätze gebaut. Sechs Monate waren für die Maßnahme angesetzt. "Wir haben alle nötigen Schritte eingeleitet, um möglichst schnell weiterarbeiten zu können", sagt sie.

Die Verschiebung des über mehrere Monate geplanten Abbruch des Steges passt irgendwie in die Geschichte des 1968 erbauten Fußgängerüberwegs, der das Nordwestzentrum mit Heddernheim verbindet. Dieser hat eine sehr lange Vorgeschichte, denn dass der bereits einmal 1985 instand gesetzte Steg längst marode ist und deshalb erneuert werden muss, diese Erkenntnis besteht bereits seit einigen Jahren.

Dreimal wurde ausgeschrieben

Doch ebenso lange Diskussionen zwischen Stadt und Ortsbeirat 8 (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt), der immer wieder gefordert hatte, neben dem bereits vorhandenen Treppenturm samt Aufzug den Neubau mit einer barrierefreien Rampe zu versehen, führten dazu, dass sich der Neubau immer weiter verschob. Übrigens mit dem Ergebnis, dass die aktuelle Bau- und Finanzierungsvorlage diese nicht vorsieht, ein nachträglicher Anbau jedoch möglich ist. Jüngst verzögerten sich die Arbeiten, weil sich keine geeignete Firma fand. Drei öffentliche Ausschreibungen gab es seit 2018, jedes Mal gab es nur einen Bieter. Und zwar immer denselben: die Baufirma Laudemann GmbH aus Sontra in Osthessen. Diese wurde jedoch in der ersten Runde aus formalen, in der zweiten wegen eines unwirtschaftlichen Angebotes ausgeschlossen. Erst mit der dritten Ausschreibung bekam sie den Zuschlag. In Bezug auf den schlechten Zustand des Steges sei dies jetzt sinnvoll, so der Magistrat.

Inzwischen 2,3 Millionen

Hinzu kommt: Eine längere Planungszeit bedeutet meist auch höhere Kosten. Das trifft auch auf den Heddernheimer Steg zu: Aus ursprünglich einer Millionen wurden 2,3 Millionen Euro. Also mehr als doppelt soviel. Begründet wurde dieser enorme Anstieg mit der Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft und dem großen Stahlbauanteil. judith dietermann

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