Über den Wassern des Mains: Sibylle Nicolai, bekannt aus Funk und Fernsehen, benutzt regelmäßig den Holbeinsteg. Und zu ihrem Geburtstag wird man ihr dort sogar eine Ständchen spielen.
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Über den Wassern des Mains: Sibylle Nicolai, bekannt aus Funk und Fernsehen, benutzt regelmäßig den Holbeinsteg. Und zu ihrem Geburtstag wird man ihr dort sogar eine Ständchen spielen.

Lieblingsort

Die Brückengängerin von Dribbdebach

  • vonEnrico Sauda
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Sechs Wochen Sommerferien, das sind 42 Tage, die viele Frankfurter - wegen Corona - zu Hause verbringen werden. In einer kleinen Serie stellen wir deshalb Lieblingsorte vor: Für die Schauspielerin Sibylle Nicolai ist es der Holbeinsteg.

Frankfurt -Sie trägt einen gelben Pullover. Ein leuchtender Kontrast zu ihrem schwarzen Haar. Ihre Augen glänzen, als sie über den Holbeinsteg geht. Für Sibylle Nicolai ist diese Brücke einer der Orte, an dem sie sich in der Mainmetropole am liebsten aufhält.

Seit 15 Jahren im Bahnhofviertel

Seit mehr als anderthalb Jahrzehnten wohnt die Frau, die Autorin, Hörbuchsprecherin und Schauspielerin im Bahnhofsviertel. Nicolai, die Schauspiel, Gesang und Tanz an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in ihrer Heimatstadt Frankfurt studierte, kennt man unter anderem aus ihren Rollen in der Serie "Soko 5113" und als Gast in Serien wie dem "Tatort". Sie schätzt dieses wohl urbanste Quartier Frankfurts sehr. "Weil es wunderbar zentral ist", sagt Sibylle Nicolai, die auch als Synchronstimme von US-Schauspielerin Kirstie Alley bekannt ist. "Im Moment ist natürlich wegen Corona etliches, was das Viertel sonst zu bieten hat, leider nicht aktuell", relativiert sie. "Normalerweise hätte ich gesagt, dass mein Lieblingsort hier im Viertel das English Theatre ist, aber das ist ja leider bis auf weiteres zu."

Für sie ist das Bahnhofsviertel "ein ganz wichtiges kulturelles Zentrum". Schließlich befinden sich vis-à-vis vom English Theatre Schauspiel und Oper. "Auch deshalb habe ich dafür plädiert und gehofft, dass zumindest eins der beiden Häuser am Willy-Brandt-Platz verbleibt und das andere in unmittelbarer Nähe neu errichtet wird", sagt sie. "Ich falle aus der Tür raus und kann Oper, Schauspiel, Kammerspiel, Komödie, Schmiere, also quasi die schönen Künste in Summe in Windeseile erreichen."

Den Holbeinsteg habe sie nach all den Jahren, die sie im Bahnhofsviertel lebt, besonders ins Herz geschlossen. "Er steht für mich nicht nur für Nizza und Mainanlage, sondern auch für die Möglichkeit, das Museumsufer rasch zu erreichen und da meinen Horizont zu erweitern", scherzt sie. "In diesem Jahr habe ich noch einen Geburtstag, der nicht groß gefeiert wird, aber ein Freund, mit dem ich auf den Spuren der Kunst wandle und der ein großer Cellist ist, hat mir versprochen, er wird mir auf dem Holbeinsteg ein Ständchen bringen", freut sie sich. "Der Holbeinsteg ist die Verbindung von dem stets ambivalent zu betrachtenden Bahnhofsviertel zur ganzen Vielfalt von Kunst und Kultur", betont Nicolai, die vor allem deshalb bekannt ist, weil sie zehn Jahre lang, von 1979 bis 1989, als Ansagerin für das ZDF arbeitete - außerdem moderierte sie den ZDF Fernsehgarten, und "ML - Mona Lisa" fürs Zweite und war zudem als Hörfunk-Moderatorin bei HR und SWR tätig.

Entscheidung nie bereut

Vor einigen Jahren führte Nicolai, die in ihrer Jugend auch mal mit dem Sänger Gunter Gabriel eine nicht nur musikalische Beziehung hatte, durch das Programm des Frankfurter Frühlingsball im Palmengarten. Den Holbeinsteg "überquere ich ziemlich oft. Auch weil ich gern in Sachsenhausen einkaufen gehe", so Nicolai, die die Entscheidung, ins Bahnhofsviertel zu ziehen, nie bereut habe. Im Gegenteil. "Ich war doch so etwas wie eine Vorreiterin. Alle meine Freunde und Bekannten waren damals entsetzt und meinten, jetzt wäre ich vollends unter die Räder gekommen", erinnert sie sich lachend. enrico sauda

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