Engagieren sich und fordern klare Regeln für Rechenzentren (v.l.): Günther Spahn, Gloria Falk und Ingo Stürmer.
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Engagieren sich und fordern klare Regeln für Rechenzentren (v.l.): Günther Spahn, Gloria Falk und Ingo Stürmer.

Klimaschutz

Frankfurt: Probleme mit Rechenzentren - Angst vor zu wenig Frischluft

  • VonFriedrich Reinhardt
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Eine Bürgerinitiative weist auf Probleme mit Rechenzentren hin. Es besteht Angst vor zu wenig Frischluft in Frankfurt.

Frankfurt - Der Charakter des Gewerbegebiets Seckbach hat sich in den vergangenen Jahren rasant verändert. Wo bisher Klein- und Mittelstandsunternehmen dominierten, wachsen Rechenzentren und überragen die zwei oder drei Stockwerke hohen Nachbargebäude. So der gewaltige schwarze Kasten von Equinix an der Kruppstraße, der erste Bau dieser Art im Gewerbegebiet. Ein weiterer entsteht in der Friesstraße und auch an der Borsigallee/Ecke Gwinnerstraße baut das Unternehmen "Iron Mountain" einen Koloss. Bei Anwohnern aus der Gelastraße stößt das auf Kritik. Wegen des Wärmeausstoßes, der verschwindenden Grünflächen und möglichen Auswirkungen auf das Stadtklima. Dafür haben sie die "Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe in Seckbach" gegründet.

Frankfurt: Alle nutzen Handys und Tablets

Um ein Missverständnis auszuräumen: Sie kritisiert zwar, wie diese Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft aus dem Boden schießen. Sie sind aber nicht grundsätzlich gegen Rechenzentren. "Wir alle benutzen ja Handys und Tablets", sagt Gloria Falk. Den rund 20 Mitgliedern geht es auch nicht darum, dass die Zentren nur nicht in ihrer Nachbarschaft entstehen sollen. Die BI betont das im Gespräch immer wieder.

Ein Problem ist die Lage der Gelastraße. Im Norden das Seckbacher Ried, sonst ist ringsum nur Gewerbegebiet. Darum fürchtet etwa BI-Sprecher Ingo Stürmer, dass die Kritikpunkte abgebügelt werden mit Sprüchen wie: "Ihr dürft nicht ins Gewerbegebiet ziehen und euch dann über Gewerbe beschweren." Sie verstehen sich vielmehr als Anwohnern, aber auch zum zweiten als Seckbacher und zum dritten als Frankfurter Bürger.

Frankfurt: Dieselwolke über der Gelastraße

Als Anwohner sprechen sie etwa, wenn es um Transformatoren und Notstromaggregate geht. Ein konstantes Summen ist neben dem Rechenzentrum an der Kruppstraße deutlich hörbar. Das komme von den Transformatoren hinter den Metalltüren mit den Warnschildern, sagt Stürmer. "Heute ist es noch recht leise." Richtig nervig werde es, wenn die Dieselgeneratoren für den Notstrom anspringen würden. Jede Woche für mehrere Stunden würden die Generatoren laufen. "Dann ist die Gelastraße in eine Dieselwolke gehüllt", sagt Stürmer. Und Falk: "Das kann ja auch nicht gesund sein."

Leidenschaftlicher werden sie, wenn sie über Belange sprechen, die das ganze Gewerbegebiet betreffen. Falk schwärmt von der Firmen-Vielfalt. Von der Projektagentur "Tatkraft" etwa mit den Partys dort und der Kantine, wo ihre Familie vor Corona öfter essen ging. Oder von der Designerfirma "E15". Sie fürchtet, dass diese Vielfalt verloren gehen könnte.

Auch beobachte die BI wie immer mehr Grün aus dem Gewerbegebiet verschwindet. Mindestens 25 Meter hohe Pappeln seien in der Friesstraße gefällt worden, als Equinix baute, erzählt Stürmer. Einige Bäume wurden zwar nachgepflanzt, aber bis sie die Größe der alten erreichen, wird es Jahrezehnte dauern.

In der Stadt kennt man das Problem. Mit dem Projekt "Nachhaltiges Gewerbegebiet Fechenheim-Nord und Seckbach" soll hier ein Vorzeigegewerbegebiet entwickelt werden. Klimaneutralität ist eines der Fernziele. Für die Maßnahmen des Klimaschutzteilkonzepts will der Magistrat 860 000 Euro investieren. Damit soll etwa geprüft werden, wie die Rechenzentren mit regenerativen Energien wie Photovoltaik versorgt werden könnten. Immerhin werden 88 Prozent des gesamten Stroms im Projektgebiet von den Rechenzentren verbraucht. Auch sollen etwa Dächer und Fassaden möglichst begrünt werden.

Frankfurt: Grün verschwindet nach und nach

Am Bau von Equinix beginnen schon Pflanzen an einem Fassadengitter nach oben zu wachsen. Doch auch hier sieht die BI ein Problem. "Die Dächer von Rechenzentren sind voll mit Ventilatoren und Antennen", sagt Stürmer. "Da ist kein Platz für Dachbegrünung." Er verweist auf das Gelände von "TK Elevator" (früher ThyssenKrupp Elevator). Dreistöckiges Gebäude, ein Parkplatz und ein recht große Rasenfläche mit einem alten Baum. "So sahen hier früher viele Firmensitze aus." Dieses Grün verschwinde nach und nach.

Doch die Rechenzentren könnten nicht nur das Klima im Gewerbegebiet verändern - sondern auch in der Innenstadt. Weil ein Bebauungsplan fehle, sagt Falk, "setzen die Rechenzentren neue Standarts, was die Gebäudehöhe angeht". Die Befürchtung: Die Frischluftzufuhr vom Enkheimer Ried könnte durch die deutlich höheren Klötze unterbrochen werden, meint Stürmer. Ob das so ist, könne er nicht sagen. "Aber es muss geprüft werden."

Hier zeige sich ein Grundproblem, sagt Stürmer. Die Rechenzentren entstünden schneller, als die Stadt prüfen könne, wie viele Rechenzentren das Gewerbegebiet vertrage. Friedrich Reinhardt

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