+
Als Claus von Stauffenberg mit der Aktentasche erscheint Martin Sonneborn zum Protest gegen den AfD-Politiker Björn Höcke.

Großes Polizeiaufgebot

Buchmesse: Satire-Attentat auf AfD-Politiker Höcke verhindert

Ein Auftritt von Björn Höcke sorgte auf der Buchmesse gestern für Aufregung. Polizei und Sicherheitsdienst schirmten den AfD-Politiker weiträumig ab. So wurden Protesttumulte wie im Vorjahr verhindert. Eine gegen Höcke gerichtete Satire-Aktion stieß auf Beifall.

Kurz vor 17 Uhr überquert ein Mann in Wehrmachtsuniform den zentralen Platz des Messegeländes und steuert geradewegs auf den Eingang der Halle 4 zu. Dort soll in wenigen Minuten der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sein neues Buch vorstellen.

Polizisten mit Schlagstöcken stehen bereit, das Gebäude ist gut gesichert, die Rolltreppen abgesperrt. Die Messeleitung will gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen linken Gegnern und rechten Anhängern Höckes wie im vergangenen Jahr verhindern.

Der Mann in Wehrmachtsuniform geht auf die Polizisten im Eingangsbereich zu. Er trägt eine Augenklappe und eine braune Aktentasche unter dem Arm.

In der Uniform steckt Martin Sonneborn, Gründer der Satiregruppe „Die Partei“. Sein Frankfurter Mitstreiter Nico Wehnemann begleitet ihn. „Warum darf Stauffenberg nicht rein?“, fragt Wehnemann. „Er wollte Höcke doch nur seine Aktentasche vorbeibringen.“ – Martin Sonneborn hat sich für seine Protestaktion als Claus Schenk Graf von Stauffenberg verkleidet. Der Wehrmachtsoffizier hatte 1944 eine Aktentasche benutzt, um Sprengstoff für ein Attentat auf Adolf Hitler zu platzieren.

Sonneborn darf die Absperrung an der Rolltreppe nicht passieren. Die Polizisten lassen nur angemeldete Gäste und Journalisten zur Höcke-Lesung durch.

Der Satiriker lässt sich davon den Spaß nicht verderben. Er hält die braune Ledertasche demonstrativ in die Höhe. Gelächter und Jubel ertönt aus den Reihen der Umstehenden. Gefolgt von einem Dutzend „Die-Partei“-Anhängern dreht Sonneborn eine kurze Runde durch die Halle, versucht sich der Lesung über andere Wege zu nähern, scheitert jedoch auch dort. Dann zieht die Protestgruppe weiter zum Stand der „Jungen Freiheit“.

Schon am Nachmittag hat Nico Wehnemann der rechten Wochenzeitung einen Besuch abgestattet. Doch Verlagsmitarbeiter Bastian Behrens hinderte ihn daran, den Stand zu betreten. Wehnemann habe aggressiv gewirkt, sagt Behrens. Über den Stauffenberg-Auftritt von Sonneborn kann Behrens nun nur müde lächeln. „Die können uns nicht provozieren“, sagt er. Stauffenberg sei immerhin das Idol der „Jungen Freiheit“. Sogar Postkarten von ihm werden am Stand der Zeitung verkauft.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare