Schaut, in diesen Bussen sind Bücher drin, verkündet die bunte Lackierung: Die große Halle, in der die rollenden Büchereien stehen, liegt hinter einem Werkstatt-Betrieb an der Silostraße 71. "Fahrbibliothek" heißt das Angebot der Stadtbücherei Frankfurt korrekt.
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Schaut, in diesen Bussen sind Bücher drin, verkündet die bunte Lackierung: Die große Halle, in der die rollenden Büchereien stehen, liegt hinter einem Werkstatt-Betrieb an der Silostraße 71. "Fahrbibliothek" heißt das Angebot der Stadtbücherei Frankfurt korrekt.

Stadtbibliothek

Bücherbusse in Frankfurt dürfen nicht mehr rollen

  • vonAlexandra Flieth
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Vom Gewerbegebiet an der Silostraße aus geht Lesestoff für ganz Frankfurt auf den Weg - normalerweise. Derzeit aber nicht.

Frankfurt -Die beiden Busse der Fahrbibliothek der Stadtbücherei wurden seit mehr als einem Jahr nicht mehr bewegt. Mit Beginn des ersten Shutdowns im März 2020 war Schluss mit den Touren. Seitdem stehen die Busse, die wegen ihrer auffallenden Lackierung mit dem Motiv vieler bunter Bücher schon von Weitem zu erkennen sind, im Depot der Fahrbibliothek, das sich ein wenig versteckt hinter einer Werkstatt auf dem Gelände der Silostraße in Unterliederbach befindet. Wann die Touren wieder beginnen können, das weiß derzeit niemand.

Die Busse, die jeder eine Länge von zwölf Metern haben, sind im Inneren wie eine Bibliothek eingerichtet: In Regalen stehen Bücher, DVDs oder Hörspiele zum Ausleihen - üblicherweise. Derzeit sind die Regale leer. Das hat zwei Gründe: "Die Busse bieten nicht genug Raum, um das Angebot konform mit den Corona-Regeln umzusetzen", erklärt Norbert Schindler, der Leiter der Fahrbibliothek. Es sei einfach zu eng, ausreichend Abstand zueinander könne nicht gewährleistet werden.

Ein zusätzlicher Grund sei, dass einer der beiden Busse schon bald ausgemustert werden soll. Ein neues, den Umweltnormen entsprechendes Fahrzeug wird ihn ersetzen. Der Bus, der sich künftig nicht mehr im Einsatz für die Fahrbibliothek befinden wird, soll für ein anderes Projekt der Stadtbücherei genutzt werden - der "Frankfurt Dream Academy".

Das Team soll aufgestockt werden

Um die Busse fahren zu dürfen, benötigen die Mitarbeiter der Fahrbibliothek den Lkw-Führerschein der Klasse C. Das Team bestand in Vor-Corona-Zeiten aus vier Kräften und soll in den kommenden Monaten auf sechs Personen vergrößert werden. Bibliothekar Norbert Schindler ist selbst gerade dabei, die Fahrberechtigung für den Bus zu erwerben. "Die Theorie habe ich schon, die Praxis fehlt aber noch." Dies sei gegenwärtig gar nicht so leicht umzusetzen. Auch die beiden neuen Mitarbeiter sollten, wenn möglich, einen Lkw-Führerschein mitbringen. Das ermögliche mehr Flexibilität, sagt Schindler.

Einer, der den Lkw-Führerschein bereits hat und bei den Touren der Fahrbibliothek in Vor-Corona-Zeiten regelmäßig an Steuer saß, ist Ronny Eckart. Der Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste ist ein begeisterter Bücherbusfahrer, wie er selbst erzählt. Halt gemacht haben die Busse der Fahrbibliothek früher auch im Frankfurter Westen - in Zeilsheim, Unterliederbach und Nied. In insgesamt 22 Stadtteilen gab es gemäß des alten Fahrplanes Stationen: überall dort, wo es keine Stadtteilbibliothek gibt oder der Stadtteil selbst so groß ist, dass der Weg zur Bücherei für die Nutzer aus entlegenen Wohnvierteln zu weit ist, wie etwa in Sachsenhausen.

Zudem kam der Bücherbus auf Bestellung auch in Kitas, Schulen, Horte, zu Lerngruppen und anderen Institutionen. Die Corona-Pause werde dazu genutzt, das bestehende Konzept der Fahrbibliothek zu überarbeiten, sagt Norbert Schindler. Jedoch sei eine Überlegung bereits vom Tisch: "Die Busse werden nicht durch kleinere Fahrzeuge ersetzt", beruhigt er. Diese Option, die im Gespräch war, böte einfach nicht genügend Platz. "Der Bestand des Depots der Fahrbibliothek umfasst rund 22 000 Medien. Rund 5500 passen allein in den Bus." Die Mehrzahl davon richte sich an Kinder- und Jugendliche, denn die seien in der Vergangenheit die größten Nutzer des Angebotes gewesen. Sie machten etwa 70 bis 75 Prozent aus. Das spiegelt sich auch in den Regalen des Depots wider, in der die Mehrzahl der Bücher sich altersgemäß an Kinder und Jugendliche richtet.

Aktuell kommen Bücher per Pkw

In Vor-Corona-Zeiten haben jährlich rund 150 000 Menschen jährlich das Angebot der Fahrbibliothek. Die Bücherbusse haben eigene Haltestellen, an denen dann an einem bestimmten Wochentag zu einer bestimmten Uhrzeit ein Halteverbot für andere Fahrzeuge gilt. Das werde jedoch leider nicht immer berücksichtigt, sagt Schindler.

Deshalb werde der Fahrplan derzeit genauestens angeschaut und eventuell angepasst. Statt der Busse bietet die Fahrbibliothek aktuell einen Lieferservice in Stadtteile an, in denen es keine Stadtteilbibliothek gibt und wo auch keine in halbwegs erreichbarer Nähe liegt. Der Frankfurter Westen, Heimat der Fahrbibliothek, kommt selbst nicht in den Genuss dieses Services, denn mit den Stadtteilbibliotheken in Höchst, Sossenheim, Sindlingen, Schwanheim und Griesheim ist er recht gut versorgt.

Die Vorbereitungen für den Lieferservice organisieren Schindler und Eckart freitags; montags wird dann per Pkw ausgeliefert. Durchschnittlich 20 Bestellungen gibt es pro Woche. "Wenn es die vorbestellten Medien nicht in unserem Depot gibt, bestellen wir sie bei den Kollegen in anderen Stadtteilbibliotheken, die wiederum auch bei uns bestellen können", erklärt Schindler. Ausleihe und Rückgabe würden jeweils im PC erfasst; die Übergabe selbst erfolge kontaktlos. Dafür werden die bestellten Medien in Tüten gepackt. Wenn die anfallenden Arbeiten im Depot in der Silostraße erledigt sind, arbeiten die beiden Trucker-Bibliothekare derzeit in der Stadtteilbibliothek im Bikuz Höchst mit. Alexandra Flieth

Infos zum Lieferservice

gibt es im Internet unter

frankfurt.de/service-und-rathaus/verwaltung/aemter-und-institutionen/stadtbuecherei/aktuelles/lieferservice-fahrbibliothek

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