Nach dem Brand werden wieder Bücher verkauft. Foto: Müller
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Nach dem Brand auf dem Uni-Gelände in Frankfurt werden wieder Bücher verkauft.

Uni-Campus in Bockenheim

Brandanschläge auf Büchermarkt: Betreiber zieht Konsequenzen

  • Matthias Bittner
    VonMatthias Bittner
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Nach Brandanschlägen soll ein Seecontainer den Büchermarkt in Frankfurt-Bockenheim schützen. Der Betreiber würde ein Lager bevorzugen.

Frankfurt – Gebrauchte Seecontainer werden im Internet ab 2200 Euro zuzüglich Versandkosten von rund 600 Euro gehandelt. Dafür gibt es die kleine Version mit einer Länge von etwas mehr als sechs Metern. Es gibt auch eine doppelt so lange Ausführung, die Preise beginnen dann bei 3550 Euro. "Das ist nicht so teuer, ich hätte mit viel mehr gerechnet", sagt Hans-Jürgen Hammelmann, Fraktionsvorsitzender der Linke im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Westend, Kuhwald).

Linke und SPD in dem Stadtteilparlament setzen sich dafür ein, dass ein ausrangierter Container wie er für Lärmschutz auf Baustellen verwendet wird für die Betreiber des Büchermarktes auf dem Uni-Campus in Bockenheim angeschafft wird. Notfalls soll der Ortsbeirat das Geld aus seinem Budget bereitstellen. "Der Ortsbeirat gibt für so viele Dinge Geld aus, der Seecontainer wäre eine gute Investition", meint Hammelmann.

Ortsbeirat 2

Sitzung Montag, 13. September, ab 19 Uhr, Universitätscampus Bockenheim, Gräfstraße 50-54, Hörsaaltrakt, Hörsaal H VI ( 5. Stock)

Container soll Büchermarkt am Campus schützen: Sorge um Gewicht

Der Büchermarkt war im ersten Halbjahr 2021 bereits zweimal das Ziel von Brandstiftern gewesen. Hunderte Bücher wurden Opfer der Flammen, der Schaden für Betreiber Paul (61), der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, beträgt mehr als 10 000 Euro. Nach Angaben von Martin Völker, Fraktionsvorsitzender der SPD im Ortsbeirat 2, könnten die Bücher künftig sicher verstaut vor erneuten Brandanschlägen in dem Seecontainer lagern. Dieser könnte im Rahmen eines sozialen-kulturellen Projekts, etwa von Schülern, bemalt werden. Für die Fläche wäre diese Lösung eine Aufwertung, sagt Völker. Paul verstaut seine Ware schon länger auf Paletten und deckt sie mit Folien wetterfest ab.

Der "Buchhändler" freut sich über das Angebot. Allerdings, so sagt er, gibt es ein Problem: Unter dem Gelände befinde sich die U-Bahn-Station "Bockenheimer Warte". Und es gebe Bedenken, dass womöglich die Last des mit Büchern gefüllten Containers zu groß sei, weshalb unter Umständen statische Untersuchungen nötig seien. "Aber ein Lager in der Umgebung wäre mir ohnehin lieber. Dann könnte ich den Bestand hier auch deutlich reduzieren", sagt Paul. Früher habe er ein Lager gehabt, der Mietvertrag sei aber gekündigt worden. "Hier etwas Bezahlbares zu finden ist sehr schwer", sagt der 61-Jährige. Aber: Eventuell gibt es eine Lösung. Die Betreiber der AdA-Kantine hätten ihm einen Platz in dem Gebäude in der Mertonstraße 30 in Aussicht gestellt. "Ich muss mal das Gespräch suchen", sagt Paul.

Büchermarkt in Frankfurt: Neuer Standort wird gesucht

Das würde immerhin das Lagerproblem, aber nicht die künftige Standortfrage für den Büchermarkt lösen. Im nächsten Jahr soll der Laabsaal und das Sozialzentrum der Universität abgerissen werden. Dann muss ein neuer Standort her. Völker und Hammelmann regen in ihrem Antrag an, dass der Verkauf samt Seecontainer auf die andere Straßenseite vor die Universitätsbibliothek zeihen soll. Denn erhalten werden soll der Büchermarkt auf jeden Fall. In den vergangenen Jahrzehnten, vor allem seitdem Karl Marx Antiquariat in der Jordanstraße und das Antiquariat in der Großen Seestraße, Ecke Landgrafenstraße geschlossen worden seien, habe er sich zu einer Institution im Stadtteil entwickelt.

Vor allem Fachliteratur aus den Gebieten Geschichte, Chemie, Psychologie, Pädagogik oder Kunst verkauft Paul an eine anspruchsvolle Stammkundschaft. Aber auch Schallplatten und CD führt er. Seit 1987 steht er an dem Platz in der Bockenheimer Landstraße 133. Aufhören will er noch nicht. Deswegen war er auch sehr froh über die Hilfsaktion, die im März nach dem ersten Brandanschlag für ihn organisiert worden ist. Damals war auch die Idee aufgekommen, einen Container als Buchlager in der Umgebung aufzustellen. Das haben Linke und SPD jetzt in ihrem Antrag aufgegriffen. (Matthias Bittner)

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