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Wir wissen nicht, worüber diese Herren in dieser Theateraufführung reden. Die Diskussion über die Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt ist jedenfalls ein Drama der besonderen Art. foto: patrick pfeiffer

Oper und Schauspiel

Bühnen-Neubau in Frankfurt: Bewegung in der Standortfrage

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Für den Neubau von Oper und Schauspiel zeichnen sich nach der gestrigen Debatte im Kulturausschuss neue Leitlinien ab.

Frankfurt-SPD und Grüne halten am bestehenden Standort Willy-Brandt-Platz fest. Die beiden Parteien bilden im Römer mit der CDU eine Dreierkoalition. Angesichts der Gefechtslage signalisierte der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Thomas Dürbeck, in der Standortfrage Entgegenkommen. Die CDU hatte bisher das Raab-Karcher-Gelände am Osthafen für einen Neubau favorisiert. Die CDU erhoffte sich dadurch auch eine weitere Aufwertung des Ostends und einen Beitrag zur Stadtentwicklung. Das bisherige Grundstück in der Innenstadt hätte dann verkauft und mit dem Erlös der Neubau teilfinanziert werden können.

"Wir können uns den Neubau auch anderswo vorstellen." So kündigte Dürbeck im Ausschuss die Kompromissbereitschaft der CDU in der Standortfrage an. SPD und Grüne, aber auch die Linke, wollen "keine Kommerzialisierung des Willy-Brandt-Platzes", sondern dort zumindest eines der beiden Häuser errichten.

Großbaustelle in Frankfurt: Zwei Interimsspielstätten wären nötig

Von einem kompletten Neubau der Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz wird nämlich abgesehen. Zum einen birgt die Großbaustelle für beide Sparten Risiken, zu anderen wären zwei Interimsspielstätten nötig. Wo der zweite Standort, vermutlich für die Oper, sein wird, blieb gestern offen. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat sich auf einen nicht näher benannten Standort in der Innenstadt festgelegt. 

Michael Guntersdorf, Leiter der Stabstelle "Städtische Bühnen Frankfurt", kündigte im Ausschuss an, Mitte April den Stadtverordneten Grundstücksvorschläge mit einer Visualisierung zu machen. "Es gibt Standorte ganz nah am Willy-Brandt-Platz", sagt er. Offenbar hat der Projektentwickler weitere als die diskutierten Standorte in petto. Die von der Stabsstelle errechneten Kosten liegen unter denen der Machbarkeitsstudie von 2017. Die damals errechneten Zahlen lägen für alle geprüften Varianten nach aktuellem Baukostenindex inzwischen alle über einer Milliarde Euro, wie die Kulturdezernentin betonte.

Schauspiel Frankfurt: Theater soll in Interimsspielstätte

Für zwei Neubauten mit dem Schauspiel in einer Interimsspielstätte errechnete das Team um Guntersdorf nun Kosten in Höhe von 809 Millionen Euro. Für die gleiche Variante mit einer vorübergehenden Auslagerung der Oper liegen die Kosten bei 859 Millionen Euro. Die teuerste Variante wäre eine Generalsanierung mit 918 Millionen Euro gewesen. Deshalb hatte das Stadtparlament bei seiner Sitzung am 30. Januar bereits den Abriss der Bühnen beschlossen. 

Die Variante mit einer Interimsspielstätte für das Theater kann derzeit als die von den Stadtpolitikern bevorzugte gelten. Für alle Varianten ist der Bau eines eigenen Produktionszentrums vorgesehen. Auch einen Zeitplan konnte Guntersdorf vorlegen. Der Abriss der bestehenden Anlage werde ein Jahr dauern, die Ausführung des Baus der Oper 60 Monate, dazu kommen Planungszeiten. "2028/29 könnte die Oper fertig sein", sagte der Architekt und Projektentwickler Guntersdorf.

Ungeklärt sind Fragen des Denkmalschutzes. Der Denkmalschutz wolle sich erst äußern, wenn die Politik entschieden habe, wie es weitergehen solle, sagte Guntersdorf. Die Plastik "Goldwolken" des ungarischen Künstlers Zoltán Kemény sowie das Gemälde Commedia dell'Arte von Marc Chagall werden wohl umziehen. Sebastian Popp, kulturpolitischer Sprecher der Grünen, kann sich auch vorstellen, dass die Glasfassade als architektonisches Zitat im Neubau wiederkehrt. Einem historisierenden Neubau nach dem Vorbild des Baus von 1902 erteilten fast alle Fraktionen eine Absage. "Wir sehen debattenfreudigen Zeiten entgegen", kommentierte die Kulturdezernentin die Debatte.

Thomas Remlein

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