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"Ein Grund, dass zu wenig Bauland ausgewiesen wird, sind Proteste von Anwohnern vor Ort", sagte IHK-Präsident Ulrich Caspar. Ein Teil der geplanten Bebauung beiderseits der Autobahn 5 scheiterte am Widerstand der Nachbargemeinden.  

Resolution

Bündnis für mehr Bauland formiert sich: Wohnungsmangel gefährde Entwicklung in Rhein-Main-Region

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Verbände und Organisationen fordern von Kommunen die Ausweisung von mehr Flächen. Denn bezahlbarer Wohnraum sei dringend nötig für die Rhein-Main-Region.

  • Ein Bündnis für mehr Bauland hat sich formiert
  • Mit Resolution fordert es die Ausweisung von mehr Bauland
  • Denn vor allem mehr bezahlbarer Wohnraum sei notwendig

Frankfurt - Ein breites Bündnis von 22 Organisationen, Verbänden, Hochschulen, und Gewerkschaften hat in einer gemeinsamen Resolution die Ausweisung von mehr Bauland gefordert. Ihre Vertreter fürchten, dass der Wohnungsmangel die Entwicklung der prosperierenden Rhein-Main-Region bremsen könnte. 

"Ohne Fortschritte in der Baulandausweisung und der Baurechtsschaffung werden die Interessen der Unternehmen und Institutionen und deren Beschäftigten massiv in Mitleidenschaft geraten", heißt es in der Resolution. Arbeitskräfte benötigten bezahlbaren Wohnraum.

Frankfurter IHK Präsident nennt Faktoren die Baulandzuweisung im Rhein-Main-Gebiet erschweren

"In den vergangenen zehn Jahren ist die Rhein-Main-Region um 400 000 Beschäftigte und 350 000 Einwohner gewachsen, betonte der Präsident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), Ulrich Caspar, von dem die Initiative ausging. 

Zwei Punkte machen aus Caspars Sicht die Baulandausweisung so schwierig: "Wer zuletzt am Stadtrand gebaut hat, erklärt als erster, dass das Grüngebiet nicht bebaut werden darf." Und dann sei immer vom Flächenverbrauch die Rede. Hier stellte Caspar klar: "Die Flächen können gar nicht verbraucht werden, sonst entstünde ja ein schwarzes Loch." Die Flächen würden nur anders genutzt, was völlig in Ordnung sei, denn: "Wir haben keinen Mangel an Lebensmittel, sondern an Wohnbebauung."

Frankfurt: Besuch von Bürgerversammlungen geplant

Die Unterzeichner der Resolution fordern aber nicht nur, sondern machen auch Angebote: Alle Beteiligten hätten sich bereit erklärt, auf die öffentliche Meinung vor Ort beispielsweise bei Bürgerversammlungen einzuwirken und ihre Argumente darzulegen, betonte Caspar.

Frank Alexander vom Immobilienverband Deutschland nannte Wohnungspreise. In Frankfurt würden bis zu 7500 Euro pro Quadratmeter für eine Wohnung bezahlt, in Hanau 4000, in Offenbach 5000 und im Taunus 6000. Eine Eigentumswohnung koste eine Familie leicht eine dreiviertel Million Euro, was ohne Mitgift nicht zu finanzieren sei.

Der Vorsitzende des Frankfurter Hotel- und Gaststättenverbandes, Eduard Singer, wies auf das personalintensive Gastgewerbe hin. In der Branche arbeiteten in Frankfurt 60 000 Beschäftigte, die Wohnungen benötigten.

Frankfurt: Nur Platz für sieben Prozent der Studenten in den Wohnheimen

"Auf teuerem Bauland kann kein günstiger Wohnraum entstehen." Das erklärte Axel Tausendpfund, Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW Südwest). Mit einer Durchschnittsmiete von 6,39 Euro pro Quadratmeter in Hessen stünden die Wohnungsunternehmen des VdW Südwest für bezahlbares Wohnen."

Hans-Joachim Rosenbaum, hessischer Regionalleiter der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, wies daraufhin, dass nur sieben Prozent der Frankfurter Studenten in einem Wohnheim untergebracht werden könnten. Die Folgen dieser Unterversorgung schilderte Werner Merkel, Vorstandsvorsitzender der Immobilienverwalter in Hessen. Die Studenten würden Wohnungen mit Wohngemeinschaften belegen, die dann dem Markt entzogen würden. Dass die 70 000 Studenten und Beschäftigen an den Frankfurter Hochschulen wichtig für die Wirtschaft seien, unterstrich Frank Dievernich von der Fachhochschule.

Frankfurt: Pläne für Stadtteil im Nordwesten beiderseits der Autobahn 5 liegen vorerst auf Eis

Philpp Jacks, Gewerkschaftsboss der Region Frankfurt/Rhein-Main, plädierte für Erbpachtverträge und eine projektbezogene Vergabe von kommunalen Flächen, beispielsweise für Genossenschaften.

IHK-Präsident Caspar sprach sich für eine Verkürzung der Bürgerbeteiligung wie einst bei den Verkehrsprojekten zur Deutschen Einheit aus. "Die Bürger werden durch die Parlamente vertreten. Das ist die höchste Form der Bürgerbeteiligung", sagte Caspar. 

In Frankfurt liegen nach Protesten aus den Nachbargemeinden Pläne für einen neuen Stadtteil im Nordwesten beiderseits der Autobahn 5 vorerst auf Eis. Das Vorhaben hatte in der Regionalversammlung Südhessen keine Mehrheit gefunden. Die Stadt treibt nun Planungen für einen Teil des Gebiets voran, hierfür gab es grünes Licht.

Von Thomas Remlein

Das Wohnen in Frankfurt wird immer teurer, die Preisentwicklung für Wohnungen und Mieten geht nach oben. Mehr als 23.000 Wohnungen fehlen in Frankfurt - aber es gibt auch eine gute Nachricht.

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