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Wo Blumen dieses Grab auf dem Höchster Friedhof schmückten, gähnt nun ein Loch – Leser Ludwig Zichner dokumentierte es.

Ärger in Höchst

Bürger prangert Friedhofsfrevel an - 17 Blumendiebstähle in 2018

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Grabschändung und Blumengesteck-Diebstähle auf Friedhöfen sind kein neues Phänomen. Nach dem Gefühl einiger Höchster Bürger sollen sie sich jedoch auf der Ruhestätte im Sossenheimer Weg in letzter Zeit gemehrt haben. Doch die Stadt winkt ab.

„Wie erbärmlich und gemein muss man sein, wenn man so pietätlos Tote bestiehlt?“ Professor Ludwig Zichner nimmt bei seiner Verurteilung von Grabschändern und Blumendieben kein Blatt vor dem Mund.

Für seine klaren Worte, mit denen er sich an diese Zeitung wendet, gibt es nach seiner Meinung traurigen aktuellen Anlass. Denn der Frankfurter glaubt aus eigener Beobachtung bei seinen Besuchen auf dem Höchster Friedhof im Sossenheimer Weg, dass sich die Fälle wieder gemehrt haben, in denen „Gräber auf dem Höchster Friedhof geschändet und beraubt“ worden seien.

Auch das eigene Familiengrab im Eingangsbereich sei betroffen. „Es macht gerade ältere Menschen bestürzt und traurig“, stellt Zichner fest und berichtet: „Vergangene Woche habe ich wieder ein altes Mütterlein weinend vor ihrer Grabstätte gesehen, die vor leeren Erdlöchern stand.“

„Weinend vor dem Grab“

Zichner nimmt das zum Anlass, Friedhofsbesucher aufzufordern, besonders aufmerksam zu sein. So sollten sie „verdächtige Personen melden, Autokennzeichen von Transportern, die Pflanzen und Gegenstände vor dem Friedhof einladen, notieren, gegebenenfalls auch mal mit dem Handy ein Foto wagen.“ Abschließend hofft er: „Vielleicht gelingt es so, den Dieben das Handwerk zu legen.“

Weniger dramatisch sieht Marco Zeidler vom Grünflächenamt der Stadt Frankfurt die Situation: „Wir haben keine vermehrten Beschwerden für den Höchster Friedhof festgestellt, was Blumengesteck-Diebstähle oder Grabschändungen betrifft“, sagte er auf Anfrage dieser Zeitung. Konkret lägen für das Jahr 2018 seinem Amt insgesamt 17 von Bürgern gemeldete Diebstähle vor. Das sei im Vergleich mit anderen Frankfurter Friedhöfen „eher Durchschnitt.“

Natürlich, räumt Zeidler ein, könne die Dunkelziffer noch höher sein. Denn viele Fälle würden erst gar nicht zur Anzeige gebracht. „Unsere Friedhofswärter sind sehr aufmerksam“, betont Zeidler, fügt aber hinzu, dass ihnen Grenzen gesetzt seien. Denn den Tätern auf die Schliche zu kommen, sei schwierig: „99 Prozent der Leute, die auf dem Friedhof ein Gesteck tragen, bringen es zu ihrem Grab. „Die können sie ja nicht einfach ansprechen, ob das auch ihr eigenes Gesteck ist,“ sagt Zeidler.

„Dunkelziffer ist höher“

Am Frankfurter Hauptfriedhof, wo der Grabschmuck in der Regel teurer sei und vor einigen Jahren vermehrt Kupferdiebe zugeschlagen hatten, seien mittlerweile mehr Streifen im Einsatz – „der Abschreckung wegen“. In Höchst sei an so etwas allerdings nicht gedacht, betont Zeidler. Denn dort hätten die gemeldeten Fälle keine Dimensionen angenommen, die derartige Maßnahmen erforderten.

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