Herbert Schmoll
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Herbert Schmoll

Interview

Bürgerinitiative gegen die Mainkai-Sperrung: "Wir vertreten alle, die unter dem Verkehr leiden"

SACHSENHAUSEN Bürgerinitiativen-Chef Herbert Schmoll spricht im Interview über die Umbenennung der Initiative in "Verkehrswende Frankfurt" und den Kampf gegen gegen den Stau in der Innenstadt und in Sachsenhausen

Herr Schmoll, die Bürgerinitiative geht in die Offensive, hat sich jetzt sogar umbenannt in "Verkehrswende Frankfurt" und spricht nun auch im Namen der vom Autoverkehr geplagten Innenstadt-Anwohner. Haben Sie überhaupt noch Zeit, den Sommer zu genießen?

Es gibt in der Tat sehr viel zu tun, ich mache den Hauptteil der Arbeit allein. Es gibt eine Kerngruppe aus vier Aktiven, doch das meiste läuft über mich. Aktuell etwa die Planung einer Demonstration gegen die Fortführung der Mainkai-Sperrung.

Wann ist die Demo geplant?

Die Demo ist am 21. August. Wir treffen uns um 16.30 Uhr am Frankensteiner Platz zu einer Auftaktkundgebung, laufen dann ab 17 Uhr am Schaumainkai entlang bis zum Schweizer Platz.

Dabei hatte doch das Regierungspräsidium Darmstadt schon das Ende besiegelt, weil ein solcher Versuch höchstens ein Jahr dauern darf. Das ging einzig auf Ihre Initiative zurück, weil Sie die Mainkai-Sperrung vom Regierungspräsidium haben prüfen lassen.

Das war schon kein schlechter Schachzug. Doch wir durften uns nicht zu früh freuen, die Grünen wollen eine Begründung für die Fortführung vorlegen.

Die Begründung soll lauten, dass Corona die Vergleichszahlen nichtig gemacht hat und man deshalb die Sperrung verlängern sollte...

Ja, das ist für mich völlig widersinnig. Das wird vor keinem Gericht Bestand haben, weil wir in zwölf Monaten immer noch Corona haben werden.

Die Unterstützer der Mainkai-Sperrung rüsten nun zum Kampf auf, für 22. August ist ein Aktionstag am Mainkai geplant. Befürchten Sie, dass die Sperrung tatsächlich fortgesetzt wird?

Das ist unwahrscheinlich, weil die CDU nicht mitmacht. Aber trotzdem dürfen wir nicht der Nordseite das Feld überlassen. Wir müssen weiter und lautstark dafür eintreten, dass dieser Irrsinn beendet wird, der die Bürger in der Innenstadt, in Nordsachsenhausen sowie im Bahnhofs- und Allerheiligenviertel schädigt. Sie leiden seit Jahrzehnten unter der höchsten Verkehrsbelastung und müssen dringend entlastet werden. Stattdessen drängen wir ihnen noch zusätzlich die 20 000 Fahrzeuge vom Mainkai auf. Mehr Verkehr im Zentrum statt weniger, Problemverschärfung statt Problemlösung. Das ist das glatte Gegenteil einer Verkehrswende.

Hoffen Sie, durch die Umbenennung der BI mehr Mitglieder zu gewinnen?

Ja, sicher. Wir haben die Mitgliederwerbung auf der Nordseite bisher sträflich vernachlässigt. Dort wissen die meisten nicht, dass wir ihre Interessen vertreten.

Wie viele Mitglieder hat die BI derzeit?

Wir sind momentan bei 1380.

Haben sich im Zuge der Umbenennung neue Forderungen ergeben?

Wir fordern weiterhin eine gerechte Verkehrswende, von der alle profitieren und nicht nur die Anwohner einer Straße. Wir fordern eine autofreie Innenstadt zwischen Main und Zeil, aber nur in kleineren Durchgangsstraßen, deren Sperrung keine großflächigen negativen Auswirkungen hat. Und ein Vorrecht und preisgünstige Parkmöglichkeiten in den Parkhäusern für Anwohner.

Sie fordern, dass der Verkehr insgesamt reduziert wird. Wie kann das gehen? Wird die Öffnung des Mainkais die Lage verbessern?

Definitiv, der Ost-West-Verkehr muss erst mal wieder gerecht verteilt werden, solange er noch nicht reduziert ist. Die Mainkai-Sperrung ist ja kein Fortschritt. Es gibt in allen zentralen Stadtteilen mehr Verkehr. Das ist ein Rückschritt, der den Bürgern als Fortschritt verkauft wird. Eine City-Maut, wie sie bereits erfolgreich in Stockholm, London und anderswo erhoben wird, wäre das wirkungsvollste Instrument. Damit kann man die Menge der Autos im Stadtzentrum regulieren.

Soll Ihrer Meinung nach auch der Einkaufsbereich in der Innenstadt vom Autoverkehr befreit werden, etwa um die Hauptwache herum?

Das halte ich nicht für zielführend. Wir wollen nicht dem durch Amazon und Co. gefährdeten Einzelhandel die Kunden abziehen. Das würde zu einer Verödung der Innenstadt führen. Die Zufahrt zu den Parkhäusern muss gewährleistet sein.

Gilt das auch für Sachsenhausen? Ein Vorwurf lautet, dass es in Sachsenhausen nur deshalb so viel Verkehr gibt, weil immer gewünscht war, dass etwa Geschäfte mit dem Auto erreichbar sind.

Die Geschäftsleute der Schweizer Straße wollen ja eine Verkehrsberuhigung. Ein Vorschlag ist, dass eine Parkspur wegfällt und der Platz den Radfahrern zugesprochen wird. Das halte ich für sinnvoll. Die Fahrradinfrastruktur in Sachsenhausen muss dringend verbessert werden, in der Mörfelder Landstraße, der Walter-Kolb- und Gartenstraße und der Schweizer Straße. Das ist eine unserer Kernforderungen. Denn im Gegensatz zu den Leuten von der Radfahrerlobby setzen wir uns wirklich für die Radfahrer in Sachsenhausen ein.

Die "Radfahrerlobby" tut dies nicht?

Nein, denn sie wollen die Quadratur des Kreises, indem sie die Mainkai-Sperrung befürworten. Diese erhöht die Verkehrsdichte, den Lärm und verhindert den Radwegeausbau, weil die Straßen für die Automassen vom Mainkai benötigt werden. Das alles richtet sich gegen Radfahrer in Sachsenhausen. Interview: Stefanie Wehr

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