Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative Harheim und ihre Familien vor dem alten Rathaus.
+
Gründungsmitglieder der Bürgerinitiative Harheim und ihre Familien vor dem alten Rathaus.

Verkehr und Flüchtlinge im Fokus

Bürgerinitiative vor der Gründung

  • vonDieter Deul
    schließen

In Harheim soll eine neue Bürgerinitiative entstehen. Auslöser für den geplanten Verein Interessengemeinschaft zur Förderung von Harheim (IG Harheim) ist der Ärger von Neubürgern aus dem Niederfeld über mangelnde Verkehrsberuhigung und Sorgen über eine geplante Flüchtlingsunterkunft. Die bereits mehr als 60 Unterstützer wollen keine Konfrontation, sondern transparente, faire Planungen, um den ländlichen Reiz des Ortsteils zu bewahren.

Noch sind es einige Tage bis zum 28. Januar, dem offiziellen Gründungstermin des Vereins ab 20 Uhr im Bürgerhaus. Doch schon jetzt werben die Initiatoren für ihre Anliegen, denn die IG will nicht nur kurzfristig agieren, sondern sich als Verein dauerhaft in die Kommunalpolitik einmischen. Den Impuls habe der Ärger über die mangelnde Verkehrsberuhigung im Neubaugebiet „Im Niederfeld“ gegeben, sagt Tobias Jaenicke, einer der Initiatoren.

Dort sollten zunächst Poller Durchgangsverkehr vom alten Ortskern stoppen, doch das wurde kürzlich geändert. Hinzu kommen Pläne für eine Flüchtlingsunterkunft am bisher für altersgerechtes Wohnen vorgesehenen Standort mitten in dem Neubaugebiet. Die Anwohner schimpfen, bei ihnen sei das Bauamt pingelig, moniere fünf Zentimeter Überbreiten und falsche Dachziegelfarben, doch mit dem ohne Diskussionen umgewidmeten Bauvorhaben im Norden des Neubaugebiets lege die Stadt nun zweierlei Maß an. Eine zentrale Forderung der IG ist daher die „volle Transparenz über aktuelle Planungen in Harheim und Möglichkeiten der Bürger zur Mitgestaltung“.

Ohne Poller

Das städtische Bauprojekt wird am kommenden Donnerstag, 21. Januar, ab 20 Uhr vom Sozialdezernat und dem Träger Deutsches Roten Kreuz in einer Sondersitzung des Ortsbeirats im Bürgerhaus vorgestellt. Frank Somogyi ist als unmittelbarer Nachbar schon von den DRK-Plänen unterrichtet worden. Nur 18 Plätze in dem Wohnprojekt seien für Senioren ausgelegt, 112 für andere Bewohner. Ein Sicherheitsdienst für Tag und Nacht sei vorgesehen, „was auch Ängste schürt“, merkt er an.

Harheims Ortsvorsteher Herbert Seuffert (Grüne) verfolgte das Pressegespräch als stiller Beobachter. Nach der Veranstaltung kommentierte er, es grassierten im Ort Gerüchte von 130 jungen Männern, die mitten in eine Familiensiedlung einquartiert würden, „aber woher wissen Sie das“, fragte er in die Runde. Die Harheimer sollten erst einmal die Info-Veranstaltung am Donnerstag abwarten. Er lobte aber auch, es sei „wunderbar, dass sich so viele Menschen für den Ort und die Gemeinschaft einsetzen.“

„Wir haben nicht nur das eine Thema Flüchtlinge“, betonte Jaenicke. Vielmehr wolle sich die IG für mehr Transparenz und als konstruktiver Gesprächspartner im gesamten Ort einbringen. Der konkrete Anlass mit der Verkehrsplanung im Niederfeld ist ihm ein wichtiges Anliegen, es gehe um die Rechtssicherheit gültiger Bebauungspläne. Wenn die Sperren an Haintalstraße und Auweg entfallen, komme der ganze Verkehr aus der Phillip-Schnell-Straße in das Wohngebiet, befürchtet Markus Lehleiter: „Wir müssen eine faire Verkehrsberuhigung hinbekommen.“

Der Verein solle jedoch „keine reine Harheim-Süd-Veranstaltung werden“, meint auch Lehleiter. Es gebe genug Themen, die ganz Harheim betreffen, ergänzt Jaenicke. Da sei etwa der Bedarf an weiterführenden Schulen, die bisherige Planung mit Zahlen aus dem Jahr 2012 sei wegen des in Bonames-Ost geplanten Baugebiets veraltet. Der dort entstehende Verkehr verschärfe schon jetzt bestehende Engpässe. „Ich stehe schon jetzt jeden Morgen auf der Berner Straße im Stau vor der Auffahrt zur A 661“, so Jaenicke. Hinzu komme die Stärkung des Nahverkehrs, da sei ein Verkehrskonzept auch mit den umliegenden Ortsteilen gefragt. Ein weiteres Thema sind die Kita-Plätze. Da fehlten oft zu Beginn eines Jahres sechs bis zehn Plätze. Der Verein könne mitwirken bei der Abstimmung des Bedarfs.

Naturschutz wichtig

„Wir sind nach Harheim gezogen, weil uns der ländliche Charakter gefällt, den wir erhalten möchten“, sagt Frank Nagel. Ihm sei auch der Naturschutz, das Bewahren von Rückzugsräumen wichtig. Lehleiter verweist auf die Aktivitäten der IG Riedberg, die sich dem Naturschutz widmet und dort Weiterbildung organisiere. „Wir wollen auch Spaß reinbringen“, ergänzt Jaenicke. So könnten Straßenfeste organisiert oder auch eigener Apfelwein gekeltert werden. Denkbar sei auch, dass der Verein Nachbarschaftshilfe organisiere, etwa Senioren auch aus dem alten Ortsteil beim Einkaufen helfe, deutet Jaenicke an. Aufräumaktionen im Ort, die bisher der Kindergarten organisiere, könne der Verein ebenfalls übernehmen.

Weitere Infos über die IG im Internet unter oder per E-Mail an: ig-harheim@posteo.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare