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Dunkle Wolken über Frankfurt. Auf diesen Feldern soll einmal der neue Stadtteil entstehen. Nicht wenn es nach dem Willen der Initiative „Unser Heimatboden“ geht.

Votum

Bürgerinitiative feiert ersten Erfolg gegen den geplanten Frankfurter Stadtteil "Josefstadt"

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15 855 Menschen im Frankfurter Umland haben gegen die „Josef-Stadt“ votiert. Die Bürgerinitiative „Unser Heimatboden vor Frankfurt“ wird Ministerpräsident Volker Bouffier die Unterschriften in Kürze persönlich überreichen. Jetzt wurde schon mal gefeiert.

Was der Steinbacher Dominik Carl mit seiner Gitarre zur Musik von „Westerland“ selbstgetextet vortrug, ging den im Gasthaus „Zum Rühl“ in Weißkirchen versammelten Zuhörern unter die Haut. Er sang, was sie dachten und wofür sie seit Monaten kämpfen: „...baut doch bitteschön woanders und lasst uns unsere Natur“.

15.855 Unterschriften gegen den geplanten Frankfurter Stadtteil Josefstadt

Die Bürgerinitiative (BI) „Unser Heimatboden vor Frankfurt“ hatte Mitstreiter, Lokalpolitiker und Unterstützer eingeladen, um den Abschluss der Petition gegen das geplante Baugebiet im Nordwesten Frankfurts, die „Josefstadt“, zu feiern. Uta Vetter vom Führungsteam der BI: „15 000 Unterschriften hatten wir uns als Ziel gesetzt, am Ende waren es 15 855. Das ist das für die Einleitung eines Bürgerentscheids in Frankfurt, den wir als BI aber nicht anstrengen können, nötige Quorum.“ Rund 800 zusätzliche Stimmen von Projektgegner gingen nicht in die Zählung ein. Sie wohnen nicht in Hessen. „Aber sie sind uns genauso wichtig“, so Vetter.

Petition gegen den geplanten Frankfurter Stadtteil Josefstadt soll Volker Bouffier persönlich übergeben werden

Die Petitionsliste wurde an alle Landtagsabgeordneten verschickt, in den nächsten Tagen soll sie Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) persönlich überreicht werden. Das Land Hessen, nicht Frankfurt sei der richtige Adressat, das Thema sei überregional und betreffe 75 Umlandkommunen, sagte Heinz Rühl, einer der Gründer der BI. Vetter hatte zuvor für ihren flammenden Appell, den Kampf gegen das Baugebiet fortzusetzen, stehenden Applaus erhalten. 

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Viele Kommunalpolitiker und Parteien hätten mit Aktionen geholfen und auch der Zusammenschluss mehrerer Bürgerinitiativen aus Frankfurt unter dem Namen „Graswurzeln“ sei ein Multiplikator. 8625 Stimmen wurden im Hochtaunus abgegeben, 4215 in Frankfurt, 1551 im Main-Taunus-Kreis. Wie erwartet, leben die meisten Projektgegner (5214) in Oberursel, gefolgt von Frankfurt (4215), Steinbach (1608) und Eschborn (939). 68 Prozent der Stimmen wurden an Info-Ständen eingesammelt, der Rest stimmte online ab. 51 Prozent der Unterzeichner hatten als Grund persönliche Betroffenheit angegeben, elf Prozent kennen Betroffene, 24 Prozent fühlen sich verantwortlich.

Bürgerinitiative gegen den geplanten Frankfurter Stadtteil  will den ländlichen Raum stärken

Die BI, so Mitgründer Karl-Josef Rühl, gibt als wichtigstes Ziel an, „die Bevölkerung weiter über das umweltzerstörerische Vorhaben der Stadt Frankfurt zu informieren“. Dazu werde sie 2019 nicht nur ihre Medienpräsenz erhöhen, sondern auch die Forderung nach Aufwertung der Infrastruktur im ländlichen Raum als Gegengewicht zur Stadt durch 5G-Standard beim Internet und intelligentere ÖPNV-Angebote sowie einem bundesweiten Leerstandskataster für Wohn- und Gewerbeimmobilien erheben. 

Kommentar zur Josefstadt: Mit offenen Karten spielen!

2000 Hektar Bauland gebe es allein in Frankfurt noch, da brauche es keiner gnadenlosen Zerstörung von Ackerland und Lebensraum. Rühl: „Wir haben andere, konkrete Zukunftspläne für dieses Land, es wird ein großer Wurf, der alles in den Schatten stellt.“ Diese Vision werde in Kürze vorgestellt.

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