Statt oberirdisch zum Hauptbahnhof sollen die ICE ab Ende der Dreißigerjahre im Tunnel unter Frankfurt hindurch fahren.
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Statt oberirdisch zum Hauptbahnhof sollen die ICE ab Ende der Dreißigerjahre im Tunnel unter Frankfurt hindurch fahren.

Deutsche Bahn

Hauptbahnhof Frankfurt: Bund will Fernbahntunnel für mehrere Milliarden bauen

Der Bund stellt die Signale auf Grün: Die Planungen für einen Fernbahntunnel samt Tiefbahnhof unter dem Frankfurter Hauptbahnhof sollen starten. Es soll wohl die ganz große Lösung werden.

Frankfurt – Bis Ende der Dreißigerjahre will der Bund einen Fernbahntunnel mit einem neuen Tiefbahnhof unterm Hauptbahnhof bauen. Die Deutsche Bahn soll jetzt mit den Planungen für das zuletzt auf 3,5 Milliarden Euro kalkulierte Vorhaben beginnen. Das will der Bund am kommenden Montag verkünden. Vorgesehen ist eine große Lösung: Im Osten Frankfurts soll der Tunnel sogar zwei Zufahrten erhalten.

Gemeinsam wollen der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), Bahn-Vorstand Roland Pofalla und Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sowie der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat, und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Montag den Planungsstart ankündigen. Dafür wollen sie die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorstellen, die der Bund seit 2020 von der Bahn erstellen ließ.

Fernbahntunnel am Hauptbahnhof Frankfurt: Weniger Verspätungen für ICEs in ganz Deutschland

"Ein Fernbahntunnel mit einem zusätzlichen Tiefbahnhof soll den Engpass im Verkehrsknoten Frankfurt auflösen und deutlich mehr Kapazität für Personenzüge schaffen", erklären Bund, Land, Bahn, Stadt und RMV in einer gemeinsame Einladung für den Vorstellungstermin. "Der Tunnel ist ein zentraler Baustein für den klimafreundlichen Schienenverkehr und den Deutschlandtakt." Da der überlastete Hauptbahnhof Frankfurt der wichtigste Knoten im deutschen Fernverkehrsnetz ist, ist er bisher für einen Großteil der Verspätungen der ICE- und IC-Züge verantwortlich.

Mit dem Tunnel und vier zusätzlichen Gleisen in einem neuen Tiefbahnhof unter dem Hauptbahnhof soll nicht nur die Kapazität des Knotens erweitert werden, sondern es sollen auch hunderte Fernzüge pro Tag mehrere Minuten Fahrzeit sparen. Was nach wenig klingt, hat in der Summe einen großen Effekt. Außerdem ist diese, wenn auch nur geringe, Zeitersparnis fest im Deutschlandtakt des Bundes für den Schienenverkehr verankert: Die manchmal nur wenigen Minuten ermöglichen nämlich in diversen Bahnhöfen sichere Anschlüsse beim Umsteigen.

Hauptbahnhof Frankfurt: Stadt präsentiert Studienergebnisse für Tunnelbau Ende Juni

Vorstellen will der Bund das Vorhaben auch der Öffentlichkeit. Deshalb lädt die Bahn für Montag (28. Juni) zu einer digitalen Informationsveranstaltung ein. Sie soll von 17 bis 19 Uhr dauern. Eine Anmeldung sei nicht erforderlich. Wer zuschauen will, kann an diesem Tag auf einer Website zum Fernbahntunnel-Projekt den Zutrittslink abrufen. In der Studie hatte der Bund untersuchen lassen, ob und unter welchen Voraussetzungen der Fernbahntunnel technisch machbar ist. Zu welchen Ergebnissen die Studie gekommen ist und wie es mit dem Zukunftsprojekt weitergeht, wolle die Bahn in der Veranstaltung erklären. Per Chat könnten Fragen gestellt werden.

Durch den Tunnel sollen Fernzüge in Frankfurt in Zukunft nicht mehr im Hauptbahnhof wenden müssen, sondern durchfahren können. Die auf den oberirdischen Gleisen frei werdenden Kapazitäten will der RMV für mehr Regionalzugfahrten nutzen. Westlich des Hauptbahnhofs soll der Tunnel im Gleisvorfeld beginnen.

Hauptbahnhof Frankfurt: Große Lösung mit zwei Zufahrten zum Tunnel im Osten der Stadt

Für die östliche Tunnelzufahrt wurde eine nördliche Lösung am Ostbahnhof und eine südliche im Bereich Kaiserlei untersucht. Dabei hat sich offenbar herausgestellt, dass der Tunnel als große Lösung gleich beide östlichen Zufahrten erhalten soll. Darüber hatte diese Zeitung bereits Anfang April berichtet. Diese Variante dürfte am wirtschaftlichsten sein, weil andernfalls zusätzlich ein massiver Ausbau von einer der beiden nach Hanau führenden Strecken und des dortigen Hauptbahnhofs nötig würde. (Dennis Pfeiffer-Goldmann)

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