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Anna Steinmann aus Berlin zeigt die Abbildung der von ihr designten 20-Euro-Münze im Peter-Behrens-Bau.

Würdigung

Bundesrepublik ehrt Architekt Peter Behrens

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Vor 150 Jahren wurde Peter Behrens geboren, der Schöpfer des Behrens-Baus im Industriepark Höchst. Die Bundesrepublik würdigt den Architekten und Designer mit einer Gedenkmünze.

Mit Gedenkmünzen würdigt die Bundesrepublik Deutschland besondere Personen oder Ereignisse. In diesem Jahr wird Peter Behrens (1868–1940), der als einer der bedeutendsten deutschen Architekten und als Pionier des modernen Industriedesigns gilt, mit einer 20-Euro-Silbergedenkmünze geehrt. Sie ist an geeigneter Stelle von Bettina Hagedorn, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium der Finanzen, vorgestellt worden: im Peter-Behrens-Bau des Industrieparks Höchst. Den Festvortrag hielt der Behrens-Spezialist Claus Pese. Die Staatssekretärin überreichte die ersten Münzen unter anderem an Till Behrens, den Enkel des Architekten, sowie Jürgen Vormann, den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Infraserv Höchst und somit Hausherr im Peter-Behrens-Bau.

Errichtet 1920–1924 als Verwaltungsgebäude der damaligen Farbwerke, gilt der Peter-Behrens-Bau heute als Meisterwerk der Industriearchitektur. Mit seinem Bogen prägte er die Silhouette von „Turm und Brücke“, die jahrzehntelang das Symbol der Hoechst AG war. Behrens soll das monumentale Gebäude in nur wenigen Wochen entworfen haben.

Im Inneren befinden sich der spektralfarbig gestaltete Lichthof mit drei kristallartig angelegten Glaskuppeln sowie die 2008 wieder in ihrer ursprünglichen Erscheinung hergestellte Ausstellungshalle. Besondere Merkmale des Gebäudes, das auch schwärmerisch als „umbautes Licht“ oder „Stein gewordener Expressionismus“ bezeichnet wird, sind das Zusammenspiel von Farbe und Form in der Kuppelhalle, die Ornamente aus Bauhaus und Backstein sowie die Lampen, Türgriffe und Glasfenster des Peter Behrens. Es ist aber unzweifelhaft auch eine Kathedrale des unternehmerischen Selbstverständnisses der Fabrikdirektoren dieser Zeit. Angestoßen wurde der Bau von Generaldirektor Adolf Haeuser, nach dem die Straße am Höchster Bahnhof benannt ist.

Peter Behrens, am 14. April 1868 in Hamburg geboren und am 27. Februar 1940 in Berlin gestorben, gilt als Pionier des modernen Industriedesigns. Er war Architekt, Maler, Designer und Typograf, gründete den Deutschen Werkbund mit und erfand „nebenbei“ etwas, was Manager noch heute verzückt: das Corporate Design. Bei AEG gestaltete er alles in einheitlichem Erscheinungsbild, vom elektrischen Teekessel über die Briefbögen der Firma bis hin zum Fabrikationsgebäude.

In dem von ihm geführten Architekturbüro arbeiteten junge Architekten, die später Furore machten, etwa Walter Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und Charles-Edouard Jeanneret-Gris, der sich ab 1917 Le Corbusier nannte. Behrens war, was Architektur anging, Autodidakt; er hatte 1899 an der Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe damit begonnen. 1921 wurde Behrens an die Kunstakademie Düsseldorf berufen; in dieser Zeit entstand sein Entwurf für das Verwaltungsgebäude der Hoechst AG. Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex teilt sich in zwei dreigeschossige Verwaltungsflügel und den repräsentativen Eingangsbereich mit dem markanten Turm und der Brücke, die das Gebäude mit dem früheren Haupt-Comptoir der Farbwerke verbindet. Der Bau dauerte vier Jahre, weil die Inflationsjahre und die französische Besetzung Höchsts die Arbeiten mehrfach komplett zum Erliegen brachten. Am 6. Juni 1924 fand die feierliche Eröffnung des monumentalen Bürogebäudes statt.

Das Gebäude ist heute Sitz der Geschäftsführung von Infraserv Höchst. Der Behrens-Bau ist an mehreren Tagen im Jahr zu besichtigen – allerdings muss man sich rechtzeitig anmelden. Die nächsten Termine am 28. September und 14. Dezember sind bereits ausgebucht; freie Plätze gibt es noch am 29. März und 28. Juni 2019. Anmelden kann man sich im Internet auf www.ihr-nachbar.de, der Seite von Infraserv Höchst, oder per E-Mail an dagmar.demmig@infraserv.com. Informationen gibt es auch unter Telefon (0 69) 305-54 13.

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