Vorbereitende Maßnahmen für den Abriss des Bunkers am Rande des Glauburgplatzes wurden im März ausgeführt. Jetzt ruhen die Arbeiten, weil übereinander gestapelte Seecontainer als Lärmschutz aus technischen Gründen nicht möglich sind. Stattdessen soll jetzt ein Lärmschutzgerüst errichtet werden.
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Vorbereitende Maßnahmen für den Abriss des Bunkers am Rande des Glauburgplatzes wurden im März ausgeführt. Jetzt ruhen die Arbeiten, weil übereinander gestapelte Seecontainer als Lärmschutz aus technischen Gründen nicht möglich sind. Stattdessen soll jetzt ein Lärmschutzgerüst errichtet werden.

Kritik an Kommunikation

Probleme mit dem Lärmschutz: Bunkerabriss im Nordend verzögert sich

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Der Bunkerabriss in Frankfurt-Nordend verzögert sich weiter. Grund ist der fehlende Lärmschutz. Der Investor steht in der Kritik.

Es ist die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Nach den vorbereitenden Arbeiten im Februar tut sich seit Anfang März nun gar nichts mehr auf der Baustelle am Glauburgplatz. Nach Ostern sollte es eigentlich losgehen mit dem Abriss des Bunkers. Daraus wird aber noch nichts, von Lärmschutzmaßnahmen ist weit und breit auch noch nichts zu sehen. Auch auf der Homepage www.baustelle-lortzingstrasse.de steht nicht, wann der Lärmschutz installiert wird.

Dabei ist jetzt schon klar, dass die Delom Wohnbau GmbH aus Frankfurt eine andere Variante wählt und sich deshalb der Abriss noch verzögert. Laut Markus Radermacher von der Bauaufsicht der Stadt ist die ursprünglich geplante Lärmschutzwand aus übereinander gestapelten Seecontainern nicht realisierbar, weil sie auf Leitungen stehen würden. Delom-Geschäftsführer Dominic Reinemer plane nun mit einem Lärmschutzgerüst, das laut Sachverständigen sogar einen noch besseren Schutz bieten soll als die Lärmschutzwand. "So oder so, es wird laut und unangenehm werden. Unsere Aufgabe ist es, die Einhaltung der Grenzwerte zu überwachen", sagt Radermacher.

Bunkerabriss in Frankfurt: Startschuss war für Januar 2020 geplant

Das dürfen die Anwohner und die direkt betroffenen Nachbarn des umstrittenen Bauprojektes - die Kita 103 und die Schwarzburgschule - auch erwarten. Der Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem einst das Explora-Museum war, weicht einem Neubau mit 35 Wohnungen, 30 Tiefgaragenstellplätzen und Räumen für kulturelle Nutzung. Ursprünglich hätte der Abriss bereits im Januar 2020 beginnen sollen, doch gab es nach Bekanntwerden der Pläne heftige Proteste der Bürgerinitiative, die den Abriss verhindern wollte.

In der Kritik stand vor allem das von der Delom vorgelegte Lärmschutzgutachten und die für das Abtragen des Bunkers vorgesehenen Lockerungssprengungen. Das Gutachten wurde angezweifelt, überprüft, nachgebessert und dann vom TÜV Süd schließlich abgenommen. Das alles hat aber viel Zeit gekostet.

Bunkerabriss in Frankfurt: Kritik an Kommunikation mit Investor

Zeit, die der Investor ungenutzt ließ. Claudia Ehrhardt, Fraktionsvorsitzende der CDU im Ortsbeirat 3 (Nordend), hätte sich nach der Info-Veranstaltung im Juni 2019 nochmals einen Termin mit dem Investor gewünscht. Dessen Kommunikation bezeichnet sie als verbesserungsfähig. "Transparenz ist etwas anderes", sagt sie. Grundsätzlich habe man immer bei der Bauaufsicht nachhaken müssen, freiwillig habe Reinemer keine Auskunft gegeben. Verpflichtet ist er dazu auch nicht, Irritationen hätte er mit offenen Worten aber verhindern können - etwa das Gerücht, der Abriss werde um drei Jahre verschoben.

Den Kontakt zu den unmittelbaren Anliegern pflegt Reinemer aber offenbar. Moritz Wachendörfer, kommissarischer Leiter der Schwarzburgschule, und Gabriele Bischoff, Betriebsleiterin Kita Frankfurt, teilen Ehrhardts Einschätzung nicht. Beide sagen, sie seien regelmäßig über den Stand informiert worden. "Glücklich sind wir zwar nicht, aber wir wollen dem Wohnungsbau auch nicht im Weg stehen", sagt Bischoff. Die Situation soll genutzt werden, um die Kita 103 zu modernisieren. Derzeit werde noch eine Auslagerungsfläche gesucht. Die Sorge vieler Eltern von Schwarzburgschülern ist, dass bei dem zu erwartenden Lärm kein normaler Unterricht mehr möglich ist. Wachendörfer verweist aber darauf, dass die Immissionsbelastung peinlichst überprüft werde. Das wisse auch der Investor. "Wir hoffen also das Beste."

Bunkerabriss in Frankfurt: Vereinsring will auf dem Platz feiern

Das hofft Rüdiger Koch mit Blick auf die Inzidenz. "Wir wollen unser Nachbarschaftsfest auf dem Glauburgplatz feiern", sagt er in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereinsrings Nordend. Terminiert ist es für den 4. Juli. Darüber hat Koch, der auch Fraktionsvorsitzender der SPD im Ortsbeirat 3 ist, bereits mit Reinemer gesprochen. Für die Feierlichkeiten müsse die wegen des Abbruchs teils gesperrte Lortzingstraße bis auf Höhe des Bunkers frei sein.

Die Ortsvorsteherin Karin Guder (Grüne) war zuletzt froh, dass endlich Bewegung am Glauburgplatz war. Reinemer muss im Neubau zehn Jahre lang Räume für einen verbilligten Preis an einen sozialen Träger vermieten. Eine Vereinbarung mit der Stadt Frankfurt verpflichtet ihn dazu. Laut Guder gibt es derzeit acht Bewerbungen. Erste Auswahlgespräche stehen unmittelbar bevor. "Weil das Projekt nicht vorwärts kam, hatten die Bewerber lange keine Planungssicherheit", hofft sie jetzt auf ein schnelles Auswahlverfahren.

Während der Abbruchphase rollen übrigens bis zu sechs Lkw täglich durch die Lortzing- und Schwarzburgstraße. 6000 Kubikmeter Bauschutt mit einem Gewicht von 12 000 Tonnen sind abzufahren. (Matthias Bittner)

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