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Kunst

Buntlackierte Metallstangen auf dem Hof der Berthold-Otto-Schule geben Rätsel auf

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Ingrid König ist als Leiterin einer der marodesten Frankfurter Schulen Kummer und Ärger gewohnt. Doch was da seit dem Sommer vergangenen Jahres aus dem Beton des Pausenhofes sprießt, bringt selbst sie bis heute zum Kopfschütteln – und gibt nicht nur ihr Rätsel auf.

Irgendwann standen sie einfach da: Etwa 20 buntlackierte, rostige Metallstangen, fest in den Asphalt des Hofes der Griesheimer Berthold-Otto-Schule gebohrt, einige kerzengrade, andere leicht windschief. „Wie Kakteen in der Wüste“, sagt Schulleiterin Ingrid König.

Die engagierte Pädagogin, die Ende diesen Monats pensioniert wird, traute ihren Augen kaum, als sie in der letzten Ferienwoche des vergangenen Jahres zu ihrem Arbeitsplatz in der Kiefernstraße 181 kam, um für das neue Schuljahr zu planen. „Ich dachte sofort an einen Schildbürgerstreich, als ich die Stangen sah.“

Zähne ausgeschlagen

Wer hatte sie aufstellen lassen? Und warum? Verschiedene Versuche der Rektorin, dem Rätsel auf die Schliche zu kommen, verpufften in den Mühlen der Bürokratie und dem Dickicht der Zuständigkeiten. „Bis heute“, berichtet König, „wissen wir nicht, ob die Stangen Kunst sein sollen oder als Klettergerüst gedacht sind.“

Die Kinder der Berthold-Otto-Schule hatten diese Frage für sich schnell beantwortet: Anfangs versuchten sie, die unbekannten Stangen-Objekte zu erklimmen, fielen aber regelmäßig runter, „weil die Stangen zu dick sind, um daran hochzuklettern“, so König.

Als dann die ersten Kinder aus Tapsigkeit beim Spielen gegen die Stangen knallten und sich die Zähne daran ausschlugen, war für die Schulleiterin Schluss mit lustig: Sie wies ihre damalige Hausmeisterin an, die gefährlichen Stäbe mit einem Bauzaun abzuschirmen. Das verhinderte immerhin Verletzungen in den Pausen, machte die Konstruktion allerdings endgültig zum Hingucker der unangenehmen Sorte. „Jeder, der unsere Schule besucht, will wissen: Was ist das?“

Dass sie bis heute keine Informationen zu Herkunft und Zweck der Stangen erhalten hat, überrascht Ingrid König nicht wirklich: „Als Schulleitung“, stellt sie fest, „erfahren Sie nie, was die Stadt vorhat. Sie werden nie in die Planungen einbezogen.“ Sie fährt fort: „Man informiert sie nicht – und Rückfragen bleiben unbeantwortet.“ Ihr ernüchterndes Resümee rührt aus ihrer langjährigen Erfahrung als Rektorin einer der marodesten Frankfurter Schulen.

„Alles sieht siffig aus“

Vieles liege im Argen: „Das Gebäude ist alt und rissig, die Pavillons stinken. Kabel hängen raus, Überdachungen wurden abmontiert, rostige Stahlträger stehen herum,“ beginnt sie eine Aufzählung des Verfalls, die in der Feststellung gipfelt: „Es sieht alles siffig aus hier. Man kommt hierher und fragt sich, warum Menschen in dieser Umgebung arbeiten müssen.“

Ingrid König, die im Jahr 2017 auch in einer live übertragenen TV-Diskussion mit Bundeskanzlerin Angela Merkel eloquent auf die Missstände an den Schulen hingewiesen hatte, verfügt über schwarzen Humor, der ihr schon in manchen Situationen zugute kam. So schlösse sie, um das Elend nicht zu sehen, oft die Augen, wenn sie über den Schulhof gehe. „Doch manchmal, wenn ich an diesen verrosteten Dreck-Stangen vorbeikomme“, gesteht sie, „dann hasse ich sie.“

In das Dunkel um deren Herkunft konnte Günter Murr, Sprecher des zuständigen Baudezernenten Jan Schneider, auf Anfrage dieser Zeitung gestern zwar noch kein Licht bringen. Er versprach jedoch, den Vorgang so schnell wie möglich zu klären. „Und dann werden wir auch Frau König informieren.“

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