Arif Arslaner musste sich hinsetzen, um die schlechte Nachricht zu verdauen: Der Mietvertrag wurde gekündigt, 700 Quadratmeter nutzt Kubi in der Burgstraße. Er weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.
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Arif Arslaner musste sich hinsetzen, um die schlechte Nachricht zu verdauen: Der Mietvertrag wurde gekündigt, 700 Quadratmeter nutzt Kubi in der Burgstraße. Er weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.

Erster Mietvertrag schon gekündigt

Burgstraße 106: Vereine sitzen bald auf der Straße

  • Matthias Bittner
    vonMatthias Bittner
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Das Büro- und Geschäftshaus in der Burgstraße 106 soll über kurz oder lang anders genutzt werden. Offenbar sind Wohnungen darin geplant. Der Verein für Kultur und Bildung hat bereits die Kündigung erhalten.

Arif Arslaner ist geschockt. Und er ist ratlos, was die Zukunft des Vereins Kultur- und Bildung (Kubi), dessen Geschäftsführer er ist, angeht. Er macht sich große Sorgen, dass er und seine rund 80 Mitstreiter ihre Arbeit nicht mehr wie gewohnt oder aber nur unter viel schwierigeren Bedingungen ausüben können. Dem Verein ist kürzlich der Mietvertrag gekündigt worden, zum 31. Mai 2017 müssten die Räume im 5. Stock in der Burgstraße 106 geräumt sein. Die Flächen im Erdgeschoss müssen Ende 2017 übergeben werden.

„Wir haben darum gebeten, uns bis Ende 2017 Zeit zu geben“, erklärt Arslaner. Und er ist froh, dass die GVB-Grundstücksverwaltung und Bauregie GmbH, die die Liegenschaft für die Eigentümerfamilie verwaltet, bereits die grundsätzliche Bereitschaft zum Entgegenkommen signalisiert habe. Denn der Kubi-Geschäftsführer bezweifelt, dass schnell Ersatz in Bornheim gefunden werden könne – vor allem nicht unter ein und demselben Dach. Denn grundsätzlich will Arslaner im Stadtteil bleiben. „Unser Verein wurde hier gegründet und ist hier zu Hause.“

Rund 700 Quadratmeter belegt der Verein in der Burgstraße. Kubi wurde 1993 in Frankfurt gegründet, Mitinitiator war Arslaner. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Qualifizierung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund für den Arbeitsmarkt, zudem wird Familienberatung angeboten. 150 Personen nutzen täglich die Angebote.

Gerüchten zufolge sollen das Gebäude entmietet und anschließend darin Wohnungen eingerichtet werden. Das hat auch Cornelia Goldstein vom Verein Berami berufliche Integration gehört. „Mündlich ist uns auch schon mitgeteilt worden, dass wir die Kündigung erhalten“, sagt sie. Der Verein hat seit zwölf Jahren seine Heimat in der Burgstraße, belegt dort rund 1000 Quadratmeter. Ziel von Berami ist es, Zuwanderer darin zu befähigen, sich entsprechend ihrer Qualifikation beruflich zu etablieren und gesellschaftlich zu integrieren. Auch für Geflüchtete gibt es spezielle Angebote. 150 Menschen besuchten täglich die Kurse und Beratung.

Es sei zwar schade, dass dem Verein gekündigt worden sei, in Panik zu verfallen bringen jetzt aber rein gar nichts. „Wir gehen davon aus, dass wir in einem Jahr raus müssen“, sagt Goldstein. Sie ist aber optimistisch, dass innerhalb dieser Frist eine Alternative gefunden werde. Den Besitzern der Immobilie macht sie jedenfalls keinen Vorwurf – das Gebäude sei deren Eigentum, damit könnten sie machen, was sie wollten. Auch wenn es für Berami und all die anderen Mieter bitter sei.

Volker Schuck verspricht sogar, sich umzuhören und zu vermitteln. Er ist Geschäftsführer der GVB-Grundstücksverwaltung und Bauregie GmbH, die die Immobilie in der Burgstraße für die Eigentümerfamilie verwaltet. Früher oder später werde das Gebäude einen Weg in eine Wohnnutzung finden, erklärt er. Mehr will er allerdings nicht verraten. Nur so viel: Die Verträge mit den Mietern im Haus würden alle ordentlich erfüllt.

Der Stadtverordnete Bernhard Ochs (Die Frankfurter) bezeichnet die Entwicklung als Katastrophe für die sozialen Institutionen. Er sieht in der Kündigung eine Gefahr für die soziale und gesellschaftspolitische Beratungs- und Betreuungsarbeit. Deshalb legte der Bornheimer bereits einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung vor. Darin bittet er den Magistrat, den Mietern der Burgstraße 106 bei der möglichen Suche nach neuen Räumen zu helfen.

Neben Berami und Kubi sind die Beratungsstelle Blaues Kreuz und die Institutsambulanz PIA der Klinik Hohe Mark als Mieter in dem Gebäude untergebracht. Medico international bezieht ohnehin neue Räume im Osthafen. Zudem sind ein Supermarkt, ein Frauen-Fitness-Studio, eine Steuerberatungsgesellschaft und eine Elektronikfirma Mieter im Gebäude.

2001 hat Kubi die Räume in der Burgstraße bezogen. Arslaner will nun seine Kontakte nutzen, um möglichst schnell Ersatz zu finden. „Wir können auch keine 20 Euro pro Quadratmeter zahlen“, sagt er. Und natürlich müsste der neue Standort an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden sein. Das werde eine schwierige Aufgabe befürchtet Arslaner und fügt an: „Es wäre jedenfalls eine Katastrophe, wenn wir nichts Passendes finden würden. Daran möchte ich gar nicht denken.“ Es ist ja auch noch etwas Zeit.

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